Die Eisbombe

Die Eisbombe

Eine Filmkritik von Red.

Leben ist lebensbedrohlich

Eine Familie im Öko-Wahn: Die Schuhmann-Weils sind eine ganz normale Familie in Deutschland. Na ja, fast normal. Denn was will man schon von einer Familie erwarten, in der beide Elternteile (Karoline Eichhorn und Peer Martiny) Lehrer und zudem ängstlich darauf bedacht sind, stets den Müll richtig zu trennen und auch sonst ein ökologisch einwandfreies Leben zu führen. Und weil der deutsche Otto-Normalbürger – wenn schon, denn schon – gerne alles besonders gründlich macht, hat das gesundheitsbewusste und umweltschonende Verhalten der Familie längst manische Züge angenommen. Darunter leidet insbesondere Thomas-Albert, genannt Tom (Eike Weinreich), der 19 Jahre alte Sprössling der Familie, der im Laufe seines Lebens zahlreiche Allergien, eine ausgeprägten Phobie vor Regen (Tschernobyl sei Dank!) und zahlreiche andere kleinere Psychodefekte entwickelt hat. Aber der kleine Günter (Leon Wessels), Toms kleiner Bruder, leidet unter der Überfürsorglichkeit seiner Mutter und befolgt doch brav alle Anweisungen.
Als den Schuhmann-Weils der Himmel in Form eines unbekannten Flugobjektes auf den Kopf fällt, ist es mit der Kontrolle endgültig vorbei. Der Eisklotz, für dessen Auftauchen es eine ebenso einfache wie bizarre Erklärung gibt, löst sich langsam, aber sicher in seine Bestandteile auf und droht mit seiner übel riechenden Flüssigkeit das ganze Haus zu verseuchen. Flugs wird die Familie in den alten Luftschutzbunker des Hauses evakuiert und soll dort ausharren, bis die diffuse Gefahr vorüber ist. In Wirklichkeit – man ahnt es als Zuschauer — verfolgt der Okö-Terror ein ganz anderes Ziel: die Familie unter der Fuchtel zu halten und jegliche Abnabelung zu unterbinden. Denn das Böse lauert überall dort draußen – so könnte man die Geisteshaltung von Frau Schuhmann-Weils wohl umschreiben. In der schrecklich bemühten Familie Schuhmann-Weils bündeln sich all die widersprüchlichen Katastrophenszenarien, die uns tagtäglich medial um die Ohren gehauen werden. Wundert es da wirklich, wenn manche Menschen so hemmungslos überreagieren?

Thomas nutzt die Gelegenheit und desertiert aus dem freudlosen Clan, um sich endlich den Gefahren des Lebens auszusetzen, vor denen ihn seine wohlmeinenden Eltern immer bewahren wollten. Zuerst scheint es so, als käme er vom Regen in die Traufe, denn in dem Krankenhaus, in dem er seinen Zivildienst ableistet, soll ausgerechnet er die Leichen waschen. Befreit von der familiären Last findet der Neurotiker sogar noch die erste Liebe, während die Presse langsam auf seine Familie aufmerksam wird und Muttern die mediale Aufmerksamkeit für einen Feldzug für die gute Sache nutzt — wie peinlich.

Trotz einer hübschen Grundidee und renommierten Schauspielerinnen (Karoline Eichhorn sowie Katharina Schüttler) sowie einem talentierten Newcomer (Eike Weinreich) will der Funke bei Oliver Jahns Öko-Satire Die Eisbombe nicht so richtig überspringen. Das liegt vor allem an der Fernseh-Ästhetik (wie so häufig bei deutschen Debütfilmen produzierte ZDF/Kleines Fernsehspiel mit) und der braven Inszenierung, die sich zu wenig traut. Schade um die eigentlich recht hübschen Miniaturen des modernen Lebens, in dem es für und gegen jedes eine passende Studie gibt, die belegt, dass unser Leben einem permanenten Tanz auf dem Vulkan gleicht. Im Fernsehen oder auf kleineren Filmfestivals dürfte dieser Film gut aufgehoben sein, in den Kinos allerdings ist mit Die Eisbombe ganz sicher kein Blumentopf zu gewinnen.

Die Eisbombe

Eine Familie im Öko-Wahn: Die Schuhmann-Weils sind eine ganz normale Familie in Deutschland. Na ja, fast normal.
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