Die drei Tage des Condor

Die drei Tage des Condor

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Robert Redford als charismatischer Einzelkämpfer

Wie er – wieder einmal verspätet – auf seinem urigen Motarrad durch die Straßen von New York City zur Arbeit heizt, entspricht der smarte Joseph Turner (Robert Redford) keineswegs den gängigen Vorstellungen von einem Geheimagenten. Und doch ist die American Literary Historical Society, für die Turner unter dem Decknamen „Condor“ tätig ist, eine getarnte Außenstelle des Nachrichtendienstes CIA, wo sich wache, gebildete Köpfe wie Turner mit innovativen Ideen aus Literatur und Forschung zur Optimierung der Strategien und Strukturen der Organisation beschäftigen. Als Turner an jenem verhängnisvollen Tag in der Mittagspause wie üblich Proviant für seine Kollegen besorgt, entdeckt er bei seiner Rückkehr entsetzt, dass diese derweil allesamt eliminiert wurden.
Als ihm die Flucht aus dem Gebäude gelingt und er den Überfall telefonisch beim Hauptquartier meldet, stößt Turner auf ungeahnte Widerstände und wird beim vereinbarten Treffpunkt zur Überführung in die Zentrale des CIA beinahe erschossen. Von nun an wird Turner als misstrauischer Einzelkämpfer gegen die offensichtlich korrupt unterwanderte Behörde zum Gejagten des eiskalten Profikillers Joubert (Max von Sydow), der den Auftrag hat, ihn zu töten. In seiner Not nimmt Turner die hübsche, sensible Fotografin Kathy Hale (Faye Dunaway) als Geisel und nistet sich bei ihr ein, wobei sich die beiden trotz der brisanten Situation allmählich näher kommen. Doch auch hier ist der abtrünnige Condor auf Dauer nicht sicher, der mit Kathys Hilfe schließlich zu Higgins (Cliff Robertson) vordringt, einem hohen Tier des CIA, der ihm verrät, dass der Drahzieher der blutigen Aktion in Washington sitzt, wohin sich Turner alsbald im Alleingang aufmacht …

Trotz einiger allzu bemühter dramaturgischer Wendungen und einer sich auf vage Andeutungen beschränkenden Hintergrundgeschichte stellt Die drei Tage des Condor einen packenden, aktionsreichen Agententhriller dar, der sicherlich zu den Klassikern des Genres zu zählen ist. Unter anderem für einen Oscar in der Kategorie Schnitt sowie für den Golden Globe und den Grammy nominiert, mit dem Premio David di Donatello für Sydney Pollack und dem Edgar Allan Poe Award für das Beste Drehbuch ausgezeichnet besticht der Film durch seine durchweg dichte, ungeheuer spannende Atmosphäre. Es sind zuvorderst die differenzierten, sorgfältig gezeichneten Charaktere – besonders auch die mit Max von Sydow hervorragend besetzte Figur des moralresistenten Killers – der Geschichte, die diesen Film aus der mittelmäßigen Masse der populären Agentenfilme herausragen lassen.

Der Stoff nach dem Roman Six Days of the Condor von James Grady folgt einer im Grunde schlichten, doch nichtsdestotrotz äußerst wirksamen Konstellation: Ein leicht kauziger, charismatischer Held – ganz wunderbar vom großen Robert Redford verkörpert – kämpft gegen einen Moloch an kriminellen Verwicklungen innerhalb des CIA und wird dabei allein von einer schönen Frau unterstützt, die nach anfänglichem Zögern an ihn glaubt. Auch wenn diese kleine Liebesgeschichte ein wenig unwegsam konstruiert erscheint und am Ende dann doch arg abgewürgt wird, überzeugt Die drei Tage des Condor doch insgesamt als außergewöhnlich eingängiger Thriller mit einer ganz eigenen Ausprägung, dessen geradezu zynisch anmutender Schluss eine Attacke auf die weit reichende Korruption innerhalb US-amerikanischer Behörden beinhaltet.

Die drei Tage des Condor

Wie er – wieder einmal verspätet – auf seinem urigen Motarrad durch die Straßen von New York City zur Arbeit heizt, entspricht der smarte Joseph Turner (Robert Redford) keineswegs den gängigen Vorstellungen von einem Geheimagenten. Und doch ist die American Literary Historical Society, für die Turner unter dem Decknamen „Condor“ tätig ist, eine getarnte Außenstelle des Nachrichtendienstes CIA, wo sich wache, gebildete Köpfe wie Turner mit innovativen Ideen aus Literatur und Forschung zur Optimierung der Strategien und Strukturen der Organisation beschäftigen.
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