Die 4. Revolution – Energy Autonomy

Die 4. Revolution – Energy Autonomy

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Eine erfreuliche Wahrheit

Nur noch mit Sonne, Wind oder Biogas heizen und fahren? Und das weltweit innerhalb von 30 Jahren? Ein schöner Traum oder realistische Perspektive? Die Macher dieses engagierten Dokumentarfilms halten den Umstieg für möglich. In der Tradition von Eine unbequeme Wahrheit und ähnlich engagiert wie Plastic Planet will Regisseur Carl-A. Fechner mehr als nur aufklären. Er will zum Handeln anregen.
Das Schöne an diesem Film ist: Er macht die real existierenden Alternativen sichtbar. Das Team besuchte Initiativen in der ganzen Welt, die etwas auf die Beine gestellt haben. Hier kann man sich anschauen, wie viel Platz etwa eine Solar- und Windkraftanlage braucht, die 100.000 Menschen mit Strom versorgt. Es sind 200 Hektar, so viel, wie ein großer Bauernhof bewirtschaften würde. Aber was heißt das genau? Die Kamera fliegt darüber und zeigt, wie sich die glitzernde Fläche in die Landschaft einfügt. Und in welchem Verhältnis sie zu der Stadt steht, die sie versorgt. Da erfährt der Zuschauer einen sinnlichen "Beweis": Das ist machbar. Und plötzlich kann man sich vorstellen, dass man auch eine Millionenmetropole wie Los Angeles nach diesem Prinzip versorgen könnte. Die Wüste ist ja gleich in der Nähe.

Die 4. Revolution – Energy Autonomy basiert auf dem Buch des Bundestagsabgeordneten und Träger des Alternativen Nobelpreises Hermann Scheer. Es stammt aus dem Jahr 2005 und trägt den Titel "Energieautonomie". Nach Ansicht von Scheer, der auch einer der Hauptakteure des Films ist, steht die Menschheit vor einer vierten Revolution, vergleichbar der industriellen, Agrar- und digitalen Revolution. Dieser Umbruch bedeutet, dass sämtliche Energie nur noch aus Quellen kommt, die kostenlos sind und dass die Kosten lediglich durch die Technik entstehen, Sonnenstrahlen, Wind oder Wasserkraft nutzbar zu machen. Der SPD-Politiker, der 2008 als hessischer Umweltminister im Gespräch war, lässt keinen Zweifel daran, dass eine solch dezentrale Energieversorgung massive wirtschaftliche Konsequenzen für die großen Energiekonzerne hätte. Nach seiner Ansicht setzen diese Unternehmen alles daran, die vierte Revolution zu verhindern.

Man muss Scheers Feindbild nicht teilen, um über die Projekte zu staunen, die bereits Wirklichkeit sind. Zum Beispiel über das "Nordic Folk Center" im Nordwesten Dänemarks, das rund 50.000 Menschen ausschließlich mit Strom aus Windkraft und anderen erneuerbaren Energien versorgt. Hier erfahren wir von Gründer Preben Maegaard, wie das Speicherproblem bei der Solarheizung gelöst wurde. Es gibt riesige gedämmte Tanks, die 80 Grad heißes Wasser vorrätig halten und die Schwankungen der Sonnenenergie ausgleichen.

Der Film nimmt den Zuschauer mit zu einer ganzen Reihe praktischer Beispiele. Sie treiben die vierte Revolution von ganz unterschiedlichen Seiten voran, mit größerem oder kleinerem Aufwand, in Europa, Afrika, den USA oder China. Ob nun ein Mehrfamilienhaus im hessischen Pfungstadt, ein Elektrosportwagen in Kalifornien oder das Solarmodul auf dem Dach einer Entbindungsstation in Mali – überall wird sichtbar, was erneuerbare Energien leisten können.

Es ist eine geballte Menge Information, die Regisseur Carl-A. Fechner hier zusammengetragen hat. Er macht sie anschaulich durch einfallsreiche Kameraperspektiven und unterlegt sie mit einem emotionalisierenden Soundtrack, der ein Gegengewicht zu der Kopflastigkeit des Themas bietet. Vielleicht wäre es aus filmischer Sicht besser gewesen, den einen oder anderen Erzählstrang wegzulassen. Aber dem Regisseur war sichtlich daran gelegen, so viel Information wie möglich zu transportieren. Denn das ist eindeutig ein Film, der übers Kino hinaus wirken möchte. In 100 Städten soll die Vorführung in ein Event eingebunden werden, das von lokalen Initiativen gestaltet wird. Wie das genau aussieht, hängt von den Ideen und Bedürfnissen der Aktivisten vor Ort ab. Welche lokalen Event-Teams sich bereits gebildet haben, kann man sich unter www.energyautonomy.org anschauen.

Die 4. Revolution – Energy Autonomy

Nur noch mit Sonne, Wind oder Biogas heizen und fahren? Und das weltweit innerhalb von 30 Jahren? Ein schöner Traum oder realistische Perspektive? Die Macher dieses engagierten Dokumentarfilms halten den Umstieg für möglich.
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Meinungen
U. Klaiber · 02.05.2010

Der Vergleich und auch die Hestellung des Bezuges zwischen Leni Riefenstahl und diesem Film zeigt deutlich wie verworren, aussichtslos und ewig gestrig es in manchen Hirnen unserer Zeitgonossen (noch) aussieht. Es gibt keine Alternative zu den EE. Die Zunkunft wird es uns beweisen.

J.Biesenberger · 18.04.2010

Es ist nicht nur eine Frage des Glaubens, sondern es macht einfach Spaß, wenn man erst mal daran gefallen gefunden hat:

Fahrgemeinschaft bilden, Solarstrom ernten, Recyceln, Wiederverwenden, Wiederverwerten, Standby ausschalten, Radtouren usw.

P.Gital · 17.04.2010

Nur für Leute die in Physik nicht aufgepaßt haben und alles glauben. Herr Scheer hat ja mittlerweile seine "Solarfreunde" zu Milliardären!!!! gemacht. So viel Gewinn macht ja nicht mal die EnBW im Jahr (nach Steuern!)
Er hat die größte Umverteilungspolitik in der deutschen Geschichte für die nächsten Jahrzehnte in Gang gesetzt. Alle "armen" Bauern und Hausbesitzer mit Solar auf dem Dach lassen den Rest der Republik incl.HartzIV-Empfänger in den nächsten Jahren ca. 80 Milliarden Euro zusätzlich für Strom blechen. Wenn jeder so ein Ding auf dem Dach hätte, könnte niemand mehr den Strom in D bezahlen.
Dämmt lieber eure Häuser, das ist 20 x effektiver!

g. maas · 29.03.2010

@ Maspik
Was für ein bekloppter Bezug zwischen einem Film zu alternativer Energieversorgung und Propaganda des 3. Reichs.
Völlig hirnverbrannt!

S.C .Reese · 23.03.2010

Es ist keine Halbwahrheit sonderen totale Realität das unsere sichere Energieversorgung bei Erneuerbaren Energien liegt zum Leitwesen der grossen Energieversorger die um ihre Monopolstellung bangen und wir uns von ihnen Unabhängig machen können und werden.

Michael Maspik · 19.03.2010

Dies ist eine kinematisch gelungene Bebilderung des Machwerks des mächtigsten Lobbyisten und Manipulateur Deutschlands, H. Scheer.

Die Fülle an Halbwahrheiten bringt die 4. Revolution ganz in die künstlerischen und ideologischen Nähe von Werken anderer begabten Kineasten, wie z.B. Leni Riefenstahl, die eine andere (dritte?...) Revolution schmackhaft zu machen wusste.

Gottfried Obermair · 19.03.2010

Ein gelungener Dokumentarfilm der das Bewusstsein schärft, wie wichtig es für uns alle ist, dass wir uns mit dem Thema „regenerative Energien“ noch intensiver befassen müssen, als wir es bisher getan haben.

Gottfried Obermair
Kreisrat Landkreis Fürstenfeldbruck

samba · 20.02.2010

jeder sollte diesen film sehen und überlegen was man daraus lernen und für sich mit nach hause nehmen kann. umdenken und innovativ sein und dann haben wir vielleicht eine chance...

Kommentare

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