Die 27. Etage

Die 27. Etage

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Das Dunkel der Erinnerung

Edward Dmytryk inszenierte 1965 Die 27. Etage in expressionistischem Schwarzweiß. Zu dem Zeitpunkt setzten die großen Studios schon auf Farbe, speziell das Spiel von Licht und Schatten im Treppenhaus profitiert aber extrem von der schwarzweißen Optik.
David (Gregory Peck) kann sich nach einem Stromausfall in einem Hochhaus, das er über die Treppe verlassen wollte, nicht mehr an die letzten zwei Jahre seines Lebens erinnern. Im Treppenhaus trifft er eine Frau, die ihn zu kennen scheint, dann aber im Keller verschwindet. Nur: Das Haus hat gar keinen Keller! David heuert einen Privatdetektiv an, der ihm helfen soll, die Wahrheit über sich selbst herauszufinden.

Die 27. Etage ist ein mysteriöser Thriller, der den Zuschauer ebenso wie den Protagonisten bis zum Ende im Unklaren lässt. Gregory Peck ist ein kafkaesker Held, der zum Spielball einer undurchsichtigen Verschwörung gerät. Dmytryk setzt das Skript nach einer Romanvorlage von Howard Fast (Spartacus) so elegant um, wie es ein Alfred Hitchcock getan hätte. Er schraubt konsequent an der Spannungskurve, während das böse Verwirrspiel, in dem sich der Protagonist befindet, diesen wie Treibsand zu verschlingen droht.

Dmytryk hat seinen Film mit elegantem Schnitt versehen. Speziell das Finale ist phantastisch, springt die Geschichte doch zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Anders als zu jener Zeit üblich werden die Rückblicke jedoch nicht durch einen wabernden Effekt von der gegenwärtigen Handlung abgegrenzt, sondern gehen glatt ineinander über. Beide Zeitebenen spiegeln einander, wobei die Auflösung, was mit David geschah, in Vergangenheit und Gegenwart voranschreitet. Nur dem Zuschauer offenbart sich das ganze Geschehen, da für ihn die Montage linear ist und Zeitgrenzen überwindet.

Die 27. Etage ist ein atemberaubender, extrem spannender Thriller, der zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist – auch wenn das davor bewahrt, dass Hollywood einem großartigen Original ein durchwachsenes Remake folgen lässt.

Die 27. Etage

Edward Dmytryk inszenierte 1965 „Die 27. Etage“ in expressionistischem Schwarzweiß. Zu dem Zeitpunkt setzten die großen Studios schon auf Farbe, speziell das Spiel von Licht und Schatten im Treppenhaus profitiert aber extrem von der schwarzweißen Optik.
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