Dictado

Dictado

Eine Filmkritik von Festivalkritik Berlinale 2012 von Joachim Kurz

Schatten der Vergangenheit

Besuche aus der Vergangenheit bringen selten etwas Gutes mit sich — und das ist auch im Falle von Antonio Charravías‘ Spielfim Dictado nicht anders. Der sanfte und leise Psychothriller im Stile Alfred Hitchcocks, Claude Chabrols und Roman Polanskis gruselt auf sehr altmodische Weise und ist mit Sicherheit kein Film, der die Gefilde des Genres erweitert oder neue Aspekte beleuchtet. Auf eine rückwärtsgewandte Art und Weise aber ist Dictado ein Film, der es trotz einiger psychologischer Fallgruben, die nicht immer souverän gemeistert werden, doch zu fesseln versteht. Ob das für den Wettbewerb eines A-Festivals wie die Berlinale unbedingt reicht, ist zwar fraglich, andererseits ist man für ein wenig Varianz und Ausflüge wie diese in ansonsten selten vertretene Genres im Rahmen des Wettbewerbs schon dankbar.
Vor vielen Jahren, als Daniel noch ein Kind war, hat er gemeinsam mit seinem Freund Mario den Tod von dessen Schwester Clara verursacht. In einem grausamen Kinderspiel haben die beiden Jungen das Mädchen lebendig begraben und mussten fortan mit der Schuld leben, die sie auf sich geladen haben. Nun steht Mario (Marc Rodríguez) eines Tages wieder vor Daniel (Juan Diego Botto), doch der kann sich kaum mehr an die Geschehnisse erinnern — so tief hat er die Tat in seinem Inneren begraben, um mit der Schuld zurecht zu kommen, die er auf sich geladen hat.

Der Besucher aus der Vergangenheit, mit der Daniel abgeschlossen haben will, ist offensichtlich verstört und fordert den Freund aus Kindertagen dazu auf, dessen Tochter Julia (Mágica Pérez) aufzusuchen. Daniel lehnt ab, doch so einfach lässt sich die Vergangenheit nicht abschütteln. Als Mario sich das Leben nimmt, übernimmt Daniel auf Drängen seiner Frau Laura (Bárbara Lennie) die Pflegschaft für das kleine Mädchen, zumal sich kein anderer Angehöriger von Julia auftreiben lässt. Während aber Laura und Julia bald schon ein enges Verhältnis verbindet, stellen sich bei Daniel Irritationen ein, denn Julia erinnert ihn in fataler Weise an Clara, das Mädchen, für dessen Tod er verantwortlich war. Doch es ist nicht allein er, der Julia mit der Toten assoziiert, auch Julia scheint sich auf seltsame Art und Weise mit ihrer verstorbenen Tante zu identifizieren.

Trotz seines modernen Looks und seiner Verortung im Hier und Jetzt ist Dictado ein Film, den man sich am allerliebsten in Schwarz-Weiß mit einigen Farbakzenten wünschen würde. Und das liegt nicht allein an der Stimmung, die der Film anfangs recht gemächlich entfaltet, sondern auch an dem klassischen (und klassisch katholizistischen) Themenkomplex um Schuld und Sühne, um Wahn und Erlösung, mit dem Charravías im Wesentlichen operiert.

Passend dazu ist auch die Musik von Joan Valent und Zacarías de la Riva, die die vollkommen gegensätzlichen Gefühlswelten von Daniel und Laura und den Suspense im Stile einer Daphne du Maurier treffend untermalt und unterstützt. Dictado ist einer der seltenen Fälle, in dem man sich dringend ein Remake wünscht, das zeitlich vor dem Original angesiedelt sein sollte, um seine ganze Wirkung zu entfalten. So aber wirkt der Film auf nicht unangenehme, aber dennoch seltsam unpassende Weise aus der Zeit gefallen.

(Festivalkritik Berlinale 2012 von Joachim Kurz)

Dictado

Besuche aus der Vergangenheit bringen selten etwas Gutes mit sich — und das ist auch im Falle von Antonio Charravías‘ Spielfim „Dictado“ nicht anders. Der sanfte und leise Psychothriller im Stile Alfred Hitchcocks, Claude Chabrols und Roman Polanskis gruselt auf sehr altmodische Weise und ist mit Sicherheit kein Film, der die Gefilde des Genres erweitert oder neue Aspekte beleuchtet.
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