Devil’s Miner

Devil’s Miner

Gestohlene Kindheit

Basilio Vargas ist 14 Jahre alt, sein Bruder Bernardino gerade mal 12. Und doch arbeiten die beiden Brüder aus Bolivien Tag für Tag in den Silberminen des Cerro Rico (des „reichen Berges“) bei Potosí. Dort, auf 4300 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, gab es früher einmal in besseren Tagen die größten Silbererzvorräte der Welt. Die Stadt war einstmals so bedeutend wie London, Paris oder Berlin. Heute arbeiten hier rund 6.500 Kinder zwischen sieben und 16 Jahren unter teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen – mindestens 800 von ihnen unter Tage. Der Lohn für die Zehn-Stunden-Schichten beträgt 4 Dollar pro Tag, Arbeitsverträge sind ein Fremdwort und die Angst vor Stolleneinstürzen und dem allgegenwärtigen Arsengas in der Luft ist allgegenwärtig. Doch wenn Basilio und Bernardino nicht tagtäglich ihre Angst überwinden würden, hätte die Familie nichts zu essen, denn der Vater der beiden – ebenfalls ein Bergarbeiter – starb mit 35 Jahren an einer Staublunge. Und es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass auch Bernardino und Basilio keine allzu hohe Lebenserwartung haben werden. Im Durchschnitt rechnet man für die Minenarbeiter in Bolivien mit einer Lebenserwartung von 38 Jahren.

Sieben Jahre lang hat der österreichische Fotograf und Filmemacher Richard Ladkani gemeinsam mit seinem amerikanischen Kollegen Kief Davidson daran gearbeitet, einen Film über die kleinen Bergarbeiter von Potosí zu realisieren. Entdeckt hat er die unglaublichen Lebensumstände der Kinder, die er in seinem Film zeigt, eher beiläufig, auf einer Fototour durch die Anden. 2004 war es dann endlich so weit. Hautnah erlebten die beiden Filmemacher die schrecklichen Arbeitsbedingungen der Kinder mit, erfuhren die klaustrophobische Enge in den Schächten und die allgegenwärtige Angst der kleinen und großen Arbeiter. Was sie dort unten erlebten, kam ihren Vorstellungen von der Hölle ziemlich nah, giftige Dämpfe, eine Temperatur von 40 Grad Celsius und die beständige Gegenwart des Todes macht aus den Minen einen Ort des Grauens. Doch es gibt auch kurze Momente, in denen man merkt, dass die kleinen Arbeiter noch Kinder sind, wenn sie sich etwa in ihrer spärlich bemessenen Freizeit bemühen, das Erlebte spielerisch zu verarbeiten.

Der erste und natürliche Reaktion auf den Film wäre es zu fordern, dass die Kinder sofort aus den Minen herausgeholt werden müssen, was von unserem Standpunkt auch vollkommen richtig ist. Doch die bittere Armut in dieser Region lässt an diese Art der Lösung kaum denken, denn wie anders sollen die Familien überleben, das weiß auch Richard Ladkani. Er und sein Co-Regisseur sind sich dieser Tatsache bewusst, und sie haben sich im Zuge ihres Films mit der Kindernothilfe zusammengefunden, um den Kindern wenigstens eine schulische Ausbildung zu ermöglichen, so dass sie vielleicht eines Tages die Stollen des Cerro Rico niemals wieder betreten müssen.

Devil’s Miner –Berg des Teufels ist eine Dokumentation, die es wie kaum eine zweite schafft, die Lebensumstände von Kindern aus der so genannten „Dritten Welt“ körperlich spürbar zu machen. Einen Ausweg aus dem Teufelskreis von Armut und Kinderarbeit weiß auch dieser Film nicht, doch immerhin zeigt er, dass noch Hoffnung besteht für Bernardino und Basilio.

Devil’s Miner

Basilio Vargas ist 14 Jahre alt, sein Bruder Bernardino gerade mal 12. Und doch arbeiten die beiden Brüder aus Bolivien Tag für Tag in den Silberminen des Cerro Rico (des „reichen Berges“) bei Potosí.

  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
Sabine Wolff · 19.08.2006

Ein wirklich guter Dokumentarfilm, der das ganze Elend der Kinderarbeit zeigt.

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme mit