Des Teufels General

Des Teufels General

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein zwiespältiger Held nach realem Vorbild

Er ist wahrlich ein Teufelskerl: Harry Harras (Curt Jürgens), ein leidenschaftlicher Flieger, der es unter den Nazis bis zum Rang eines Generals gebracht hat, ist ein Kriegsheld. Und doch ist Harras aufgrund der politischen Lage und der fatalen Fehlentscheidungen der Obersten Heeresleitung längst zum Zyniker geworden, der seinen Frust in edlem Cognac ersäuft. Allen Anwerbungsversuchen von Partei und SS hat er bislang widerstanden. Stattdessen gibt er weiterhin den wortgewandten Frauenschwarm und tollkühnen Flieger, der auch Gegenüber den Nazigrößen kein Blatt vor den Mund nimmt.
Als eine Sabotage-Aktion von Kreisen des Widerstandes einige Prototypen eines neuen Flugzeuges zum Absturz bringt, ist Harras wild entschlossen, den Ursachen für den Defekt am Höhenruder auf den Grund zu gehen – bis er erkennen muss, dass ausgerechnet sein engster Vertrauter hinter den Sabotageakten steckt. Der General steht vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens: Soll er sein Wissen preisgeben oder die Aktionen gegen die Luftwaffe vertuschen? Harras findet seinen ganz eigenen Ausweg aus dem moralischen Dilemma – und der führt natürlich hoch hinauf in den Himmel.

Insgesamt hinterlässt Helmut Käutners Verfilmung des Dramas von Carl Zuckmayer einen mindestens ebenso zwiespältigen Eindruck wie seine Hauptperson General Harras. Beinahe scheint es so, als habe der Regisseur den Frieden der noch jungen Bundesrepublik nicht allzu sehr mit Fragen nach Moral, Kadavergehorsam und Offiziersehre stören wollen – im Lichte heutiger Erkenntnisse erscheinen seinen Darstellungen des Verhaltens der Offiziere als zu harmlos. Harras selbst ist bei aller Raubeinigkeit letzten Endes doch ein strahlender Held, dessen schlussendlicher Opfertod die Figur weiter idealisiert, ohne dass seine anfängliche Unterstützung des Nazi-Regimes hinterfragt wird, die ausschließlich über seine Leidenschaft für das Fliegen begründet wird. Zuckmayers Drama aus dem Jahre 1945 hat übrigens ein reales Vorbild – das deutsche Flieger-Ass Ernst Udet, mit dem der Schriftsteller befreundet gewesen war. Was die mangelnde Distanz des Stückes gegenüber seinem Helden dann vielleicht in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen mag.

Andererseits ist dieser Film bei aller teilweise berechtigen Kritik vor allem ein wundervolles Denkmal für Curd Jürgens, der hier die Rolle seines Lebens spielt. So präsent, so kraftvoll war der „normannische Kleiderschrank“ nie wieder. 1955 wurde er für diese Rolle bei den Filmfestspielen von Venedig als Bester Darsteller ausgezeichnet. Wenn man sich diesen Film anschaut, dann weiß man auch, warum dem so ist.

Des Teufels General

Er ist wahrlich ein Teufelskerl: Harry Harras (Curt Jürgens), ein leidenschaftlicher Flieger, der es unter den Nazis bis zum Rang eines Generals gebracht hat, ist ein Kriegsheld. Und doch ist Harras aufgrund der politischen Lage und der fatalen Fehlentscheidungen der Obersten Heeresleitung längst zum Zyniker geworden, der seinen Frust in edlem Cognac ersäuft. Allen Anwerbungsversuchen von Partei und SS hat er bislang widerstanden. Stattdessen gibt er weiterhin den wortgewandten Frauenschwarm und tollkühnen Flieger, der auch Gegenüber den Nazigrößen kein Blatt vor den Mund nimmt.
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