Derek

Derek

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Über den Tod hinaus

Seit beinahe 15 Jahren ist der britische Künstler und Filmemacher Derek Jarmann (1942-1994) bereits tot, doch in den Herzen und Gedanken seiner Freunde Tilda Swinton und Isaac Julien ist er nach wie vor mit erstaunlicher Lebendigkeit präsent. Die Dokumentation Derek stellt eine filmische Liebeserklärung der beiden an den einstigen Seelenverwandten, geschätzten Inszenierungsexperten und feinfühligen Menschen dar, der viele Jahre lang mit der schrecklichen Krankheit AIDS zu kämpfen hatte, die ihm schließlich zunehmend das Sehvermögen raubte. Und doch realisierte Derek Jarman noch kurz vor seinem Tod den Film Blue, bei dem die konsequent blaue Leinwand auf seine Erblindung referiert – eine Haltung wider die Resignation, die seine unverwüstliche Persönlichkeit transportiert und zugleich sein wohl intimstes Werk darstellt.
Die schottische Schauspielerin Tilda Swinton (Caravaggio, Derek Jarman 1986, Orlando, Sally Potter 1992, Broken Flowers, Jim Jarmusch 2005), die auch beruflich viel mit ihrem engen Freund Derek Jarman zusammenarbeitete, eröffnet die sehr persönlich gehaltene Dokumentation unter der Regie und Mitwirkung des Künstlers, Intellektuellen und Filmemachers Isaac Julien (The Darker Side of Black, 1993, Frantz Fanon: Black Skin, White Mask, 1996, Baltimore, 2003) mit der Lesung eines Textes mit dem Titel Letter To An Angel, ein Brief, den sie Jahre nach dessen Tod an ihren vertrauten und verehrten Kreationisten schrieb, voller Bewunderung für sein Schaffen, dessen Unumwundenheit und Mut sie in der vorherrschenden gefälligen Kommerzialisierung schmerzlich vermisse – ebenso wie den Freund selbst.

Es ist ein sehr bewegendes, geradezu vertrauliches und zuvor noch nicht veröffentlichtes Interview mit Derek Jarman von 1991, in dem er sich schonungslos zu seiner damals noch stärker tabuisierten AIDS-Erkrankung bekennt, das im Zentrum des Films steht und von den poetischen wie deutlichen Worten Tilda Swintons sowie von privaten und Archivaufnahmen des verstorbenen Künstlers umgeben wird. So entsteht ein vielseitiges, hoch emotionales Porträt Derek Jarmans, das die Ausprägungen und Wirkungen seines Wesens und seiner Werke mit großer Bewunderung und persönlicher Anteilnahme betrachtet. Derek hat die Qualitäten einer „sentimental journey“, die jenseits der spürbaren Traurigkeiten über die Unersetzbarkeit eines eng verbundenen Menschens und seinen besonderen Begabungen auch einigen Trost im Allgemeinen enthält: angesichts des gewaltigen Reichtums an Gedanken und Gestaltungen, den Derek Jarman hinterlassen hat, und angesichts des kraftvollen Engagements, das seine Freunde zu diesem öffentlichen Gedenken motiviert hat.

Derek

Seit beinahe 15 Jahren ist der britische Künstler und Filmemacher Derek Jarmann (1942-1994) bereits tot, doch in den Herzen und Gedanken seiner Freunde Tilda Swinton und Isaac Julien ist er nach wie vor mit erstaunlicher Lebendigkeit präsent.
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