Der tschechische Traum

Der tschechische Traum

Im Kaufrausch

Die Staaten des ehemaligen Ostblocks, allen voran Tschechien sind im Vormarsch: Zumindest was den Konsum anbelangt, haben sie den Westen längst eingeholt, und oft genug auch überrundet. Ein Grund für den Boom sind die riesigen Einkaufszentren, die Hypermarkets, die jeden normalen Supermarkt in den Schatten stellen und alle Waren anbieten, die ein Durchschnittsbürger mindestens einmal im Jahr benötigt – also quasi alles. Freiheit, so scheint es, ist vor allem die Freiheit zu konsumieren bis der Arzt kommt, ein Trend, der nicht nur für die jungen Demokratien des ehemaligen Ostblocks gilt, doch dort sind die Verwerfungen und die Kontraste aus dem allgegenwärtigen Konsumterror schärfer und härter.
Vit Klusák und Filip Remunda haben diese Entwicklung in ihrem Land seit langem beobachtet und beschlossen, darauf auf ihre ganz eigene Weise und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu reagieren – denen des Films. Sie inszenierten einen gigantischen Werbefeldzug für die Neueröffnung eines neuen Marktes namens „Cesky Sen“ (auf Deutsch: der tschechische Traum) – einen Hypermarkt, den es gar nicht gibt und niemals geben wird. Mit Hilfe einer renommierten Werbeagentur starteten sie eine aufwändige Kampagne, schalteten TV- und Radio-Spots, bestückten 400 Leuchtreklametafeln, druckten 200.000 Werbeflyer mit angeblichen Cesky Sen Markenartikeln, kreierten ein Werbejingle, eine eigene Webseite und platzierten Anzeigen in Zeitungen und Magazinen. Die Botschaften, die sie vertraten „Geht nicht hin!“, Gebt kein Geld aus!“, waren witzig und weckten die Neugier – wenn man es so sehen wollte.

Doch als sich am Eröffnungstag auf der grünen Wiese, wo der tschechische Traum vom Super-Billig-Schnäppchenkauf Wirklichkeit werden sollte, 4.000 Menschen drängten, stand dort nur eine 10m x 100m große Fassade, ein potemkinsches Dorf, eine riesige Illusion. Der tschechische Traum war geplatzt wie eine Seifenblase. Aus der Traum.

Der tschechische Traum / Cesky Sen ist eine schlaue, gewagte und zum Nachdenken anregende Parabel über die Allmacht des Konsums, unsere Verführbarkeit und die manipulative Kraft der Werbung und des Marketing, die Bedürfnisse wecken, so lange nur der Preis stimmt. Ganz gleich, was das mit den Menschen anrichtet, welche Träume, Wünsche und Hoffnungen geweckt werden und ob diese überhaupt erfüllt werden können. Ein Film, der betroffen macht und zugleich zum Lachen reizt. Doch seinen wahren Effekt erzielt er nur, wenn man willens ist zu sehen, dass genau das Gleiche auch hierzulande passieren könnte. Denn Der tschechische Traum /Cesky Sen steht nicht allein für ein postkommunistisches Phänomen, sondern für einen allgemeinen Trend in der westlichen Welt: „Immer billiger, immer mehr, und das alles sofort!“ Es wird Zeit, dass wir aus diesem Traum aufwachen. Denn das wahre Glück – so könnte man die Botschaft dieses Films auch interpretieren – liegt auf der Wiese.

Der tschechische Traum

Die Staaten des ehemaligen Ostblocks, allen voran Tschechien sind im Vormarsch: Zumindest was den Konsum anbelangt, haben sie den Westen längst eingeholt, und oft genug auch überrundet.
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Meinungen
Krtek · 08.10.2007

Der Kommentator hat diesen Film völlig falsch verstanden. Es ging überhaupt nicht um das Kaufverhalten "immer billiger" sondern um die Macht der Werbung, hier insbesondere bezogen auf die Werbekampagnen der tschechischen Regierung für den EU-Beitritt. Es sollte demonstriert werden, wie Werbung die Menschen manipulieren und für dumm verkaufen kann, wenn man nur geschickt genug die Schwächen der Menschen ausnutzt. Und für diese Manipulation bezahlt der Kunde auch noch selbst, im Falle der EU-Werbung 200 Mio. Euro aus Steuergeldern. Der Kunde bzw. Wähler wird zu etwas bewegt, was er im Grunde gar nicht möchte.

Sophie · 07.10.2007

was für ein wahnsinnig guter film - schön, dass es heutzutage noch derartige spiegel gibt!

Katja · 24.06.2007

Großartig! Dieser Film sollte auch hierzulande viel besser zugänglich sein!

untergrund · 03.07.2006

klasse film, es sollte mehr von dieser art geben. und, sie sollten mehr aufmerksamkeit durch ebendiese bessere vermarktung erreichten! tolle idee--

Christine Hofer · 01.04.2006

Ja, die Werbung allein an Plakatwänden war auf eine ganz seltsame Weise wahnsinnig aufdringlich, obwohl das Logo doch ganz simpel gemacht ist...
Dieser Film ist wirklich ein Geniestreich, auch wenn ich befürchte, dass sich in Deutschland wieder niemand dafür finden wird. Da merkt man: In Deutschland hätte das auch wunderbar funktioniert.

Midas · 29.03.2006

Ich kann mich selbst an die Werbung erinnern, ich habe sie während eines Prag-Aufenthaltes gesehen. Also ich kann dazu ja nur sagen: einfach genial. Das ist schon fast Kunst.

Sede · 29.03.2006

Genialer Film. Ganz wichtig. Pflichtprogramm!

Kommentare

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