Der Teufel und die zehn Gebote (Remastered Edition)

Der Teufel und die zehn Gebote (Remastered Edition)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Mit satirischem Pfiff

Der alte Jérôme Chambard (Michel Simon) verdingt sich als eine Art Hausmeister in einem Nonnenkloster und entflieht damit dem Haushalt seines Sohnes, wo es offensichtlich dauernd zu erheblichen Streitereien mit der Familie kam. So hilfreich er auch im Konvent, wie er selbst gern erwähnt, als „gute Fee“ bei den alltäglichen Verrichtungen und bei notwendigen Reperaturen im Einsatz ist, so lassen seine derben Umgangsformen doch zu wünschen übrig. Vor allem seine permanenten, äußerst groben Flüche beklagen die gottesfürchtigen Ordensschwestern, und da sich Chambard diesbezüglich so gar nicht beherrschen kann, kündigt die ehrwürdige Oberin (Claude Nollier) ihm den baldigen Verweis aus dem Kloster an.
Nun aber ist der Bischof der Region, Monsignore Troussemier (Lucien Baroux) bei den Schwestern zu Besuch, den Chambard als seinen früheren Nachbarn und Freund Héctor erkennt. Ohne Scheu spricht Chambard den nun hochwürdigen Gefährten seiner Kindheit an, nimmt am offiziellen Festschmaus teil und lässt die alten Bubenstreiche Revue passieren, vom Bischof freundlich bis peinlich berührt begleitet. Als die Oberin anmerkt, dass Chambard allerdings aus dem Orden verbannt werden soll, da er nicht einmal die zehn Gebote kenne, springt der Bischof als Fürsprecher für seinen einstigen Kinderkumpel ein, und es entsteht eine barmherzige Vereinbarung: Chambard soll die zehn Gebote lernen, dann dürfe er bleiben. Doch da meldet sich in Gestalt einer Schlange plötzlich der „Leibhaftige“ persönlich zu Wort, verhöhnt das Anliegen an den alten Chambard als unerfüllbar und schaltet sich teuflisch in das Geschehen ein, als zynischer Kommentator der folgenden Begebenheiten.

Nach dieser Einführung in Der Teufel und die zehn Gebote, die den Rahmen des schwarzweißen Episodenfilms aus dem Jahre 1962 unter der Regie von Julien Duvivier bildet, folgen nun humorvoll bis satirisch einzelne schräge Geschichten zu den ethischen Grundlagen des Christentums. In fünf Episoden um die wenig kaufkräftige Schmuckliebhaberin Françoise (Françoise Arnoul), den rachsüchtigen Jesuiten Garigny (Lino Ventura), eine „göttliche Erscheinung“ (Fernandel) bei einer Bauernfamilie, den Studenten Pierre (Alain Delon), der erst spät seine leibliche Mutter (Danielle Darrieux) kennen lernt, sowie den nachlässigen Bankangestellten Didier Marin (Jean-Claude Brialy), der sich schließlich mit einem Räuber (Louis de Funès) einlässt. Am Ende sind es wieder Chambard und sein Bischof, die bei einem gemeinsamen Festmahl und wilden Kindheitserinnerungen nun zur Prüfung der zehn Gebote schreiten wollen. Doch das trinkselige Gelage bringt selbst den Bischof als Spezialisten ganz enorm ins Schleudern, so dass am Ende das diabolische Reptil zu triumphieren droht.

Amüsant anzuschauen mit dem kruden Charme einer sorgfältig inszenierten Komödie der frühen 1960er Jahre, stellt Der Teufel und die zehn Gebote zuvorderst ein vergnügliches Schaulaufen einer üppigen Truppe von damals und auch später noch beachtlich populären italienisch-französischen Filmstars dar. Es bereitet einige Freude, in die jugendlichen bis jungen Gesichter von Danielle Darrieux, Alain Delon, Louis de Funès, Fernandel und Jean-Claude Brialy zu blicken, die hier mit ungewohnter Sanftheit auf der Leinwand agieren, kennt man sie doch überwiegend in späteren, um einiges energischeren und prägnanten Rollen. Als versierter Meister des Episodischen hat Regisseur Julien Duvivier (Don Camillo und Peppone / Le petit monde de Don Camillo, 1952, Mit teuflischen Grüßen / Diaboliquement vôtre, 1967) mit einem ganzen Team an Drehbuchautoren diese pfiffige, satirisch satte Komödie realisiert, die den heutigen Sehgewohnheiten zwar einige Herausforderungen abfordert, nichtsdestotrotz aber in ihrer restaurierten Fassung mit einer deutschen Exklusivepisode als Bonus kurzweilige, bunte Unterhaltung bietet, die augenzwinkernd, aber nicht anmaßend auf manche Moralvorstellungen der Kirche und der Gesellschaft eindrischt.

Der Teufel und die zehn Gebote (Remastered Edition)

Der alte Jérôme Chambard (Michel Simon) verdingt sich als eine Art Hausmeister in einem Nonnenkloster und entflieht damit dem Haushalt seines Sohnes, wo es offensichtlich dauernd zu erheblichen Streitereien mit der Familie kam. So hilfreich er auch im Konvent, wie er selbst gern erwähnt, als „gute Fee“ bei den alltäglichen Verrichtungen und bei notwendigen Reperaturen im Einsatz ist, so lassen seine derben Umgangsformen doch zu wünschen übrig.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.