Der Start

Der Start

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Raserei um ein Rennen

Es muss ein Porsche sein, mit dem der Frisuerlehrling Marc (Jean-Pierre Léaud) bei einem Autorennen in Brüssel an den Start gehen will, und da er selbst nur ein schlichtes Moped besitzt, investiert er seine gesamten Ideen und Energien in das waghalsige Projekt, sich für den großen Tag einen solchen edlen Flitzer zu besorgen.
Hatte er zunächst geplant, den schnittigen Sportwagen seines Chefs (Paul Roland) heimlich an den Start zu bringen, mit dem er unverfroren nächtliche Trainingsfahrten unternimmt, muss Marc sich spontan umorientieren, denn am Wochenende des Rennens wird der Friseurmeister persönlich mit seinem weißen Porsche unterwegs sein. Zwei Tage bleiben ihm, um den Wagen seiner Träume zu organisieren, und als realistische Möglichkeit kommt letztlich nur ein Mietauto in Frage, das allerdings eine horrende Kaution erfordert. So verschiebt sich der Fokus auf die Beschaffung des notwendigen Geldes, bei der Marc Unterstützung von der hübschen Michèle (Catherine Duport) bekommt, die er in fließendem Verkehr mit frecher Beharrlichkeit aus der Straßenbahn heraus zur Weiterfahrt auf dem Rücksitz seines Mopeds verführt. Der spontane Flirt wird kurzerhand in die Porsche-Pläne integriert und das Abenteuer mit turbulenten Aktionen zu zweit fortgesetzt. Am Abend vor dem Start ist das kleine Vermögen tatsächlich aufgetrieben, und die beiden quartieren sich in einem kleinen Hotel ein, wobei die aufregenden Umstände eine romantische Annäherung verhindern. Zunächst schläft Michèle, dann schließlich auch Marc erschöpft ein, einem grausamen Erwachen entgegen ...

Bei der Berlinale des Jahres 1967 wurde Der Start von Jerzy Skolimowski uraufgeführt und gewann das Rennen um den Goldenen Bären sowie den Preis der Union International de la Critique de Cinema. In Schwarzweiß und den differenzierten Schattierungen dazwischen ist diese kernige Komödie gehalten, deren temporeicher Charme in seinem strengen technischen Gerüst atmosphärisch von der mal flotten, dann wieder melancholischen Musik von Krzysztof Komeda getragen wird. Diese intensive Stimmung der Umtriebigkeit und des Gehetztseins in einer Mission, die der Sehnsucht eines unruhigen Herzens entspringt, umgibt den jugendlichen Helden mit einer Aura von Idealismus, der sich kurioserweise im Materiellen manifestiert. Da jagt der umwerfend charismatische Jean-Pierre Léaud mit seiner markanten Mimik, seinen dramatischen Gebärden und einer ergebenen, geradezu konturenlosen Eroberung durch den urbanen Raum von Brüssel seinem persönlichen Glück nach, verausgabt sich bis an die Grenze seiner Kräfte und scheitert letztlich so unspektakulär – das ist ganz großes Kino im Kostüm einer kruden Komik, packend und bewegend, pointiert und unbarmherzig.

Wird der riesige Spiegel, den Michèle und Marc als signifikantes Symbol durch die Straßen schleppen, um ihn in Sachen Porsche zu verkaufen, zerbrechen? Szenen wie diese, die eine amüsante Balance zwischen Spannung und kurzweiliger Ablenkung produzieren, zeichnen Der Start als großartige Filmkunst aus. Im Grunde bestreitet der agile Friseurlehrling in rasanter Manier und mit respektabler Leidenschaft sein Rennen vom ersten Augenblick des Films an bis zum denkwürdigen Finale, doch die banale Botschaft, dass der Weg das Ziel ist, wird wohl keinen wahrhaftigen Visionär wirklich trösten können.

Der Start

Es muss ein Porsche sein, mit dem der Frisuerlehrling Marc (Jean-Pierre Léaud) bei einem Autorennen in Brüssel an den Start gehen will, und da er selbst nur ein schlichtes Moped besitzt, investiert er seine gesamten Ideen und Energien in das waghalsige Projekt, sich für den großen Tag einen solchen edlen Flitzer zu besorgen.
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