Der Schwanz des Skorpions (filmArt Giallo Edition Nr. 2)

Der Schwanz des Skorpions (filmArt Giallo Edition Nr. 2)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Der Killer von Athen

1971 war die Giallo-Welt noch in Ordnung. Dario Argento hatte gerade mit seiner Tier-Trilogie (Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe, Die neunschwänzige Katze und Vier Fliegen auf grauem Samt) mächtig vorgelegt, was vielerorts schwarze Handschuhe aus dem filmischen Boden sprießen ließ. Auch Sergio Martino, der Regisseur von Der Schwanz des Skorpions, beteiligte sich an dem Boom und konnte mit Der Killer von Wien sogar schon einen Hit landen. Es war eine verdammt gute Zeit für maskierte Killer…und eine verdammt schlechte Zeit für top-modisch gekleidete Damen.
Eine dieser top-modisch gekleideten Damen ist Lisa Baumer (Ida Galli), die zwar nach dem Tod ihres Mannes Millionärin wird, doch schon bald größere Lücken in ihrem Bekanntenkreis verkraften muss. Ein vermummter Mörder mit schwarzen Handschuhen treibt sein Unwesen und lässt Peter Lynch (George Hilton), den Detektiv der Versicherungsgesellschaft, immer wieder roten/toten Heringen nachjagen. Wer ist nur der mysteriöse Meuchelmörder? Die selbstverständlich bekloppte Auflösung sorgt für eine nachhaltige Erzitterung der uns vertrauten Realität.

Was aber natürlich überhaupt nicht schlimm ist, sondern vielmehr zum „Spiel“ eines Giallo gehört – dessen sehr eigene Regeln im besten Fall einen schier hypnotischen Sog ausüben können. Stylische Traumfrauen, enge Wendeltreppen, knallrotes Blut, exzessiv ausgekostete Morde, ein geheimnisvoller Killer, der oftmals nur seine behandschuhte Hand zeigt, Kameragefuhrwerke zwischen knallig und schwindlig, mächtig groovende Beat-Mucke, viele, viele Primärfarben und dann eben ein Finale, das die ganzen inzwischen toten Heringe zu erneuten Lachzuckungen bringt. Ein Giallo ist sattes Italo-Kino auf der ganzen Bandbreite zwischen wunderschön und bucklig.

Der Schwanz des Skorpions schlägt auf dieser Skala klar nördlich der Mitte ein und vereint all die genannten Eigenschaften plus noch einige mehr – wie z.B. den schier poetischen Gegenschnitt der Explosion eines niedlichen Flugzeugmodells mit dem grande Finale eines Liebesaktes. Oder die ungewohnt heftige Zurschaustellung von Brutalität, angeführt von einer Szene, in der der Täter mit einem Flaschenhals ein Auge aus seinem Opfer reißt. Oder die hier besonders entfesselte, ständig neue Winkel suchende Kamera, die schließlich sogar mal um 90 Grad kippt — wohlgemerkt für eine komplette Szene.

Zu den großen Klassikern des Genres mag der Film dennoch nicht zählen, dafür ist der inhaltliche Unfug einfach zu groß, doch mächtig unterhaltsam bleibt das Geschehen auf jeden Fall. Besondere Erwähnung verdienen noch Bruno Nicolais großartiger Score, die mit London und Griechenland eher ungewohnte Umgebung, die wunderbaren Kurven von Anita Strindberg, die hier eine zeigefreudige Journalistin gibt, und die optische Ähnlichkeit des maskierten Killers mit dem Meuchler aus Blutige Seide. Was keineswegs negativ gemeint ist, sondern eigentlich nur noch mehr Spaß bringt – frei nach dem Motto: der Giallo als reiches, verqueres und immer wieder überraschendes Puzzlespiel.

Die deutsche DVD von Der Schwanz des Skorpions stammt vom Label filmArt, das hier den zweiten Titel (nach Das Auge des Bösen) ihrer „filmArt Giallo Edition“ vorlegt. Altersbedingt darf natürlich keine Referenzqualität erwartet werden, aber Scope, die deutsche Synchro und auch O-Ton plus Untertitel sind natürlich schon drin. Plus eine sehr schöne Covergestaltung, ein Booklet (von Rochus Wolff), diverse Trailer und ein Featurette mit Sergio Martino – was allesamt gute Argumente für diese Veröffentlichung sind. Zumindest für fortgeschrittene Giallo-Freunde, die mit diesem wilden Film viel Spaß haben werden.

Der Schwanz des Skorpions (filmArt Giallo Edition Nr. 2)

1971 war die Giallo-Welt noch in Ordnung. Dario Argento hatte gerade mit seiner Tier-Trilogie „(Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“, „Die neunschwänzige Katze“ und „Vier Fliegen auf grauem Samt“) mächtig vorgelegt, was vielerorts schwarze Handschuhe aus dem filmischen Boden sprießen ließ. Auch Sergio Martino, der Regisseur von „Der Schwanz des Skorpions“, beteiligte sich an dem Boom und konnte mit „Der Killer von Wien“ sogar schon einen Hit landen. Es war eine verdammt gute Zeit für maskierte Killer…und eine verdammt schlechte Zeit für top-modisch gekleidete Damen.
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