Der Mondfisch

Der Mondfisch

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Der knurrige Däne und das Meer

Ein Kreisverkehr ist die Attraktivität von Hirtshals im Nordwesten Dänemarks. Es ist ein Kreisverkehr mit einer Ausfahrt, durch die man auch einfährt. Also im wahrsten Sinn des Wortes ein Kreis-Verkehr. Norwegen-Urlaubern dürfte dieser Ort zudem durch die Fährverbindungen bekannt sein, für den Fischer Kesse (Henrick Birch) ist Hirtshals indes der Nabel der Welt und seine Heimat. Sein Großvater und sein Vater lebten schon hier – und wie die Generationen vor ihm verdient auch Kesse seinen Lebensunterhalt als Fischer.
Aber die Zeiten haben sich geändert, die Fischerei ist eine sterbende Industrie. Die niedrigen Fangquoten machen Kesse zu schaffen, längst verdient er nicht mehr genug, um davon zu leben. Aber Kesse ist nicht bereit für Veränderungen, er will sein Leben nicht aufgeben. Also klammert er sich weiterhin an die Hoffnung, irgendwann seine Schulden zurückbezahlen zu können und lebt weiter wie immer. Er fährt mit seinem Angestellten aufs Meer, isst in der Hafenimbissbude stets das gleiche Gericht, ignoriert die flirtenden Avancen der Verkäuferin und geht in sein Haus, das seit der Trennung von seiner Frau ein wenig groß geworden ist. Doch die Schulden drücken immer mehr, die Bank ist nicht mehr bereit, ihm mehr Zeit zu geben. Also nutzt er jede Chance, mehr Geld zu verdienen und nimmt gegen eine Erhöhung seiner Fangquoten die Meeresbiologin Gerd (Susanne Storm) aus Kopenhagen mit auf sein Boot. Gerd bringt frischen Wind in sein Leben – Rettung verspricht jedoch auch sie nicht.

Die Geschichte in Søren Balles Regiedebüt Der Mondfisch (Klumpfisken) klingt vorhersehbar: Mürrischer Seebär trifft auf unkonventionelle Städterin, sie verlieben sich ineinander und alles wird gut. Doch insbesondere in der ersten Hälfte des Films gewinnt Balle diesem bekannten Handlungsgerüst mit pointierten Dialogen sehr viel liebenswürdigen Charme ab, außerdem widmet er sich dem Leben in Nordjütland. Sicher ist es von Routinen bestimmt, zugleich fühlt sich Kesse als Fischer aber auch frei und unabhängig. Das Meer bringt ihm seinen Lebensunterhalt, er respektiert es – und ist sich aber mit Gerd vor allem in den Methoden uneins, mit denen Überfischung vermieden werden soll. Aber solange er sich an die Regeln hält, wird er seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Denn eines wird auch sehr deutlich in diesem Film: Durch die Fangquoten hat der kleine Fischer kaum eine Chance mehr.

Lange Zeit bewegt sich Søren Balle somit auf dem skandinavischen Terrain des Sozialdramas und verzichtet wohltuender Weise sehr häufig auf musikalische Untermalung. Dadurch entspricht sein Film der Ruhe Nordjütlands. Leider rutscht Der Mondfisch mit zunehmender Dauer ins Klischeehafte ab, die Wendungen und Entwicklungen sind zu vorhersehbar und zu einfach. Die Dialoge verlieren zudem ihre Originalität, so dass über den ganzen Film nur die Darsteller überzeugen. Hier ist vor allem Hauptdarsteller Henrich Birch zu nennen, der die bekannte Figur des alten Grantlers mit Überzeugung, rauem Charme und Herz spielt. Deshalb ist Der Mondfisch alles in allem ein teilweise unterhaltsames Debüt aus Dänemark, das ein wenig Sehnsucht nach Nordjütland weckt.

Der Mondfisch

Ein Kreisverkehr ist die Attraktivität von Hirtshals im Nordwesten Dänemarks. Es ist ein Kreisverkehr mit einer Ausfahrt, durch die man auch einfährt. Also im wahrsten Sinn des Wortes ein Kreis-Verkehr. Norwegen-Urlaubern dürfte dieser Ort zudem durch die Fährverbindungen bekannt sein, für den Fischer Kesse (Henrick Birch) ist Hirtshals indes der Nabel der Welt und seine Heimat. Sein Großvater und sein Vater lebten schon hier – und wie die Generationen vor ihm verdient auch Kesse seinen Lebensunterhalt als Fischer.
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