Der Mond und andere Liebhaber

Der Mond und andere Liebhaber

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Das Leben ist ein Märchen

Mit einem Schlag, beziehungsweise einem lauten Knall stehen Hanna (Katharina Thalbach) und ihre Freundin Dani (Fritzi Haberlandt) auf der Straße. Soeben wurde die Parfümfabrik, in der die beiden Frauen aus Grimma gearbeitet hatten, in die Luft gejagt, nun stehen sie da – ohne Arbeit und ohne Hoffnung. Doch Hanna lässt sich im Gegensatz zu Dani von so einem Schicksalsschlag nicht entmutigen. Irgendwie wird es schon weitergehen. Und zum Glück konnte Hanna noch einige Kisten ihres Lieblingsduftes „Silverlady“ in Sicherheit bringen. Es folgt ein wilder Zick-Zack-Lauf durchs Leben, in dessen Verlauf Hannas unerschütterlicher Optimismus immer wieder auf eine harte Probe gestellt wird. Als sie bei einer Verlosung eine Reise in die Türkei gewinnt, erwischt sie dort die einzige Regenperiode seit ewigen Zeiten – und freut sich wie ein Kind, bei solch einem seltenen Ereignis vor Ort mit dabei zu sein.
Zurück in Sachsen nimmt Hanna ihr chaotisches Leben wieder auf, gerät andauernd in Schwierigkeiten, nimmt Jobs an und verliert sie nach kurzer Zeit wieder. Und zwischendrin sucht sie mit aller Macht das Glück, was für sie vor allem die eine große Liebe bedeutet – die Hoffnung darauf ist der einzige Ausweg aus der unübersehbaren Misere, vor der Hanna die Augen verschließt.

Als ihre Tochter Karla (Sarah Blaßkiewitz) bei einem Unfall ums Leben kommt, scheint sie zusammenzubrechen, zumal sie sich eine Mitschuld an dem Unfall gibt. Doch dann geht es wieder weiter, irgendwie. Und nicht einmal die Männer, von denen sie sich garantiert immer den Falschen heraussucht, können Hanna unterbuttern. Das Leben ist ein Märchen, zumindest wenn man solch ein Gemüt hat wie Hanna. Es bleiben die Sehnsüchte, die Träume und die Hoffnungen. Und die kann Hanna niemand nehmen.

Man muss Katharina Thalbach schon mögen, denn sie ist der eindeutige Mittelpunkt des neuen Films von Bernd Böhlich, der von dem Lied „So’ne kleine Frau“ von Silly (die Band ist während des Films übrigens zu sehen und ihr Gitarrist wird zum Opfer von Hannas „Liebkosungen“) zu seiner Geschichte inspiriert wurde. Zur Erinnerung: Auch Du bist nicht allein, Böhlichs letzter Film war ja bekanntlich von einem Schlager von Roy Black beeinflusst. Die Liebe zum Schlager ist typisch für das Milieu, in dem Böhlich seine Filme ansiedelt – es sind die kleinen Leute, die ihn interessieren, deren Niederlagen und ihr Überlebenswille, vor allem jenen Regionen im Osten Deutschlands, wo von den einstmals versprochenen „blühenden Landschaften“ nichts zu sehen ist. Auch wenn die restlichen Rollen mit Anna Loos, Andreas Schmidt (Sommer vorm Balkon) und vor allem Fritzi Haberlandt toll besetzt sind, Katharina Thalbach überstrahlt sie alle mit unbändiger Energie und Lust am oft auch übertriebenen Spiel. Doch alles Agieren kann nicht verbergen, dass Hanna ein zwar grundsympathische, aber zugleich auch zutiefst naive und rein impulsiv handelnde Frau ist, die sehenden Auges von einer Katastrophe in die nächste schliddert. Was man als Zuschauer mit dieser Person anfangen soll, lässt der Film offen: Ist sie ein warnendes Beispiel? – Wohl kaum. Soll sie Hoffnung geben? – Lieber nicht. Dient sie vor allem der Erheiterung? – Hoffen wir mal, dass dem nicht so ist.

Das ständige Auf und Ab Hannas, ihr kindlich-naives Verhalten und das permanente Pendeln zwischen größter Tragik und manchmal recht schlichter Komik macht aus Der Mond und andere Liebhaber ein recht anstrengendes Vergnügen. Als Kommentar zur Lage in Ostdeutschland taugt dieser Film jedenfalls wenig.

Der Mond und andere Liebhaber

Mit einem Schlag, beziehungsweise einem lauten Knall stehen Hanna (Katharina Thalbach) und ihre Freundin Dani (Fritzi Haberlandt) auf der Straße.
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Meinungen
· 24.08.2008

Das ganz normale Leben mit seinen Höhen und Tiefen.
Katharina Thalbach wieder ausgezeichnet in ihrer Rolle. Wer diesen Film nicht nachvollziehen kann hat noch nichts erlebt. Super Musik!

· 03.08.2008

... "muß man sich nicht antun"

bert · 02.08.2008

keine höhen/tiefen, plätschert dahin, musik ist gewöhnungsbedürftig, sujet an sich gut ausgesucht aber der schwung fehlt. thalbach ist sehr stark und als einziges highlight hervorzuheben.

· 24.07.2008

Ein bißchen viel Dramatik und Schicksalsschläge auf einmal...Sehr unruhige Kameraführung - da wird einem fast schwindlig...

Kommentare

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