Der Manchurian Kandidat – The Manchurian Candidate

Der Manchurian Kandidat – The Manchurian Candidate

Cineastische Wahlkampfmunition?

Remakes im Kino sind so eine Sache: Einerseits freut man sich auf ein Wiedersehen mit bekannten Figuren und Stories (sofern sie nicht gar zu blöd sind), andererseits bleibt stets der Verdacht, dass ein Remake nur ein müder Abklatsch sein kann. Und echte Filmkenner bevorzugen selbstverständlich immer das Original. Denn früher war sowieso alles besser. Bei diesem Thriller unter der Regie von Jonathan Demme (Das Schweigen der Lämmer) werden allerdings all diese cineastischen Klischees locker beiseite gewischt. Denn der Film kann locker mit dem Original aus dem Jahre 1962 unter der Regie von John Frankenheimer mit Frank Sinatra mithalten, was ganz bestimmt auch an der Aktualität und Brisanz der Neubearbeitung liegt.

Major Bennett Marco (Denzel Washington) wird nachts von schrecklichen Alpträumen heimgesucht. Immer wieder durchlebt er die traumatischen Ereignisse, die er im ersten Golfkrieg erlebte, als er mit seiner Truppe in einen feindlichen Hinterhalt geriet. Tagsüber vertritt er bei Vorträgen die Überzeugung, dass Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber), der sich nun mit Hilfe seiner machtbewussten Mutter, der einflussreichen Senatorin Eleanor Prentiss Shaw (Meryl Streep) um das Amt des Vizepräsidenten der USA bewirbt, ihn und seine Jungs gerettet hat, doch in seinem Unterbewusstsein bohrt der Zweifel. Zunehmend verunsichert beginnt Marco die offizielle Version der großartigen Rettungsaktion, die fester Bestandteil des Mythos um Shawn geworden ist, in Frage zu stellen. Und immer ungeheurer werden die Abgründe an Verrat und Manipulation, auf die er stößt. Immer unheimlicher werden seine Enthüllungen. Worauf das Pentagon freilich nicht gerade erfreut reagiert, denn die Demontage des Kriegshelden würde dessen Wahl gefährden. Oder ist Marco nur ein paranoider Spinner, dessen Golfkriegssyndrom ihm seltsame Streiche spielt? Nur: Wie ist das seltsame Metallteil zu erklären, dass sich unter seinen Haut befindet? Warum muss der liberale Senator Thomas Jordan (Jon Voight) sterben? Und was hat der Rüstungskonzern Manchurian Global mit der ganzen Sache zu tun?

Trickreich und gewohnt souverän inszeniert Jonathan Demme das Spiel seiner Akteure zwischen Wahnsinn, Besessenheit, Machtgier und der Wahrheit, ein Spiel, bei dem die Spannung von Anfang bis Ende durch immer neue Wendungen und Finten aufrecht erhalten wird. Und wer ein klein wenig den US-amerikanischen Wahlkampf verfolgt, wird manche Parallele zur Filmhandlung entdecken, denn Manchurian Global erinnert recht deutlich an den einflussreichen Haliburton-Konzern von Dick Cheney. Und die Verschwörung der alten Männer, die Shawn ins Amt hieven wollen, würde Michael Moore allemal als treffende Beschreibung für die Seilschaften des George Walker Bush gelten lassen. Doch auch von diesen (zufälligen?) Bezügen abgesehen, ist Der Manchurian Kandidat ein spannender, brillant besetzter Polit-Thriller in bester Hollywood-Tradition. Was in diesem Fall mal ein Lob sein soll.

Der Manchurian Kandidat – The Manchurian Candidate

Remakes im Kino sind so eine Sache: Einerseits freut man sich auf ein Wiedersehen mit bekannten Figuren und Stories (sofern sie nicht gar zu blöd sind), andererseits bleibt stets der Verdacht, dass ein Remake nur ein müder Abklatsch sein kann.

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Meinungen
· 03.06.2005

ein ganz, ganz schlimmer film. plattfüßig durch alle modernen ängste hinkend. schummrig dunkel und dümmlich.

· 03.06.2005

ein ganz, ganz schlimmer film. plattfüßig durch alle modernen ängste hinkend. schummrig dunkel und dümmlich.

Kommentare

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