Der letzte Zug

Der letzte Zug

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Reise in den sicheren Tod

Anlässlich des bevorstehenden Geburtstags von Adolf Hitler entschließt sich die Führung des Dritten Reiches im Frühjahr des Jahres 1943, ihrem geliebten Führer ein Geschenk der besonderen Art zu machen: Die Hauptstadt des deutschen Reiches soll bis zu diesem Zeitpunkt „judenfrei“ sein. Für die wenigen Juden, die es überhaupt noch in Berlin gibt, beginnt damit eine Zeit zermürbender Ungewissheit und ängstlichen Wartens, denn jeden Moment können die Schergen von SS und Gestapo vor der Tür stehen und die letzten Zurückgebliebenen abtransportieren.
Als es schließlich so weit ist, zählen die Aufseher, die die Verladung der letzten Berliner Juden überwachen, 688 Männer, Frauen und Kinder, deren Reise vom Berliner Bahnhof Grunewald ihren Ausgangspunkt nimmt und die in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht werden – eine Reise in den sicheren Tod beginnt. Die Fahrt in den Viehwaggons dauert sechs Tage, es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben, denn Hitze, Durst und Hunger setzen den Passagieren schwer zu. Verzweifelt versucht eine Gruppe von Juden, unter ihnen das Ehepaar Henry und Lea Neumann (Gedeon Burkhard und Lale Yavas) mit ihren beiden Kindern, ein älteres Liebespaar, der Kabarettist Jakob Noschik (Hans Jürgen Silbermann) und die Pianistin Gabriella Hellmann (Brigitte Grothum), der Arzt Dr. Friedlich (Juraj Kukura), ein junger Mann namens Albert Rosen (Roman Roth) und Ruth Zilberman (Sibel Kekilli), dem dahinrollenden Gefängnis zu entrinnen. Nach dem vergeblichen Versuch, die Gitter des Wagens durchzusägen, soll mit primitivsten Mitteln ein Loch in den Boden des Waggons gemacht werden, durch das die waghalsige Flucht gelingen soll. Doch die Zeit wird knapp und die Kräfte sind erschöpft…

Trotz einer bewegenden Geschichte und eines exquisiten Drehbuchs, das auf historischen Fakten beruht, hatten sich die Vorbereitungen und Dreharbeiten als äußerst schwierig erwiesen, zumal im Vorfeld mehrere Regisseure wie Armin Mueller-Stahl, Rolf Schübel, Ivan Fila und Juraj Herz zunächst zu- und dann wieder abgesagt hatten. Und als Joseph Vilsmaier schließlich den Regiestuhl gemeinsam mit seiner Frau Dana Vávrová übernahm, setzte sich die Pechsträhne fort, als Vilsmaier bei den Dreharbeiten mit einem Kamerakran umstürzte und sich schwere Prellungen zuzog. Der Dreh musste sogar unterbrochen werden, da Vilsmaier nach dem Unfall eine Woche im Krankenhaus lag.

Der letzte Zug ist ohne Zweifel ein bewegender Film über ein bewegendes Thema. Getragen von glänzend aufgelegten Schauspielern, bei denen vor allem Sibel Kekilli beweist, dass sie endgültig aus dem Schatten von Gegen die Wand herausgetreten ist, verdeutlicht der Film auf beinahe schon körperlich spürbare Weise die Strapazen jener Fahrt, die quälende Ungewissheit und die nahende Vernichtung. Möglicherweise der intensivste Film Vilsmaiers in einer an Höhepunkten nicht gerade armen Karriere. Auf der anderen Seite ist Der letzte Zug genau der Film geworden, den man erwartet hat, in gewisser Weise unterscheidet er sich nur marginal von anderen Werken zu einem ähnlichen Thema. Und genau das wiederum regt zum Nachdenken an: Gibt es nur diese Möglichkeit, diese Erzählweise so stellt sich die Frage, über die Schrecken des Holocausts zu berichten? Es finden sich nur wenige Regisseure wie Roberto Benigni in Das Leben ist schön / La Vita é bella oder Die Grauzone / The Grey Zone von Tim Blake Nelson, die versucht haben, von den Schrecken der Vergangenheit auf andere Art und Weise zu erzählen. Manchmal wünscht man sich bei aller Betroffenheit mehr Mut, dem Thema neue Seiten und Perspektiven abzugewinnen. Denn wenn die Erinnerung daran und der Umgang damit zur bloßen Formelhaftigkeit geraten, dann ist das ein sicheres Zeichen für einen beginnenden Stillstand in den Köpfen. Und das wäre gerade im Falle des Holocaust ein Indiz dafür, dass die Erinnerung stirbt.

Der letzte Zug

Anlässlich des bevorstehenden Geburtstags von Adolf Hitler entschließt sich die Führung des Dritten Reiches im Frühjahr des Jahres 1943, ihrem geliebten Führer ein Geschenk der besonderen Art zu machen:
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Meinungen
@KaTi · 08.04.2007

Hallo KaTi, es gibt leider noch keinen genauen Termin für die DVD-Veröffentlichung.

KaTi · 08.04.2007

Ab wann kann man den Film auf DVD kaufen?

hitsimo · 12.02.2007

kann man "der letzte Zug" auf Dvd kaufen?

Hans Alberts · 22.11.2006

So ein Film läuft eine Woche,wird dann abgesetzt. Im Zuschauerraum drei Zuschauer !
Das ist bitter. Vilsmaier erspart uns sicher noch viel von dem Schrecken, wir können nicht unmittelbar spüren,wir riechen nicht den Gestank, den Verwesunsgeruch, den Angstschweiss und doch möchte man, der Albtraum höre auf. Ob es so " anständig" in diesem Zug zugegangen ist ? Das, was man an Entwürdigung sehen muss, zerrt schon an den Nerven. Die Gleichgültigkeit des Bewachungspersonals, das kaltblütige Abknallen macht uns deutlich, wozu " normale" Männer fähig sind. Ein Leben zählt gar nichts.Man ist absoluter Gewalt total unterworfen. Der Film geht sehr unter die Haut und man wünschte sich, die ewig Gestrigen sähen diesen Film als Reaktion auf ihre Meinungen und Taten !

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