Der letzte Mord

Der letzte Mord

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Politischen Meuchelmorden haftet häufig ein Moloch an verborgenen, nicht selten unaufklärlichen und verzwickten Zusammenhängen an. Derart verhält es sich auch mit dem tödlichen Attentat auf den schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme von 1986, zu dessen Hintergründen einige gravierende Ungereimtheiten zählen. Mit diesem brisanten Stoff setzt sich der kriminalistische Thriller Der letzte Mord auseinander, der in Anlehnung an den Roman eines anonymen Autors mit dem Decknamen John W. Grow die Ereignisse von damals in spannender Weise rekonstruiert. Regisseur Kjell Sundvall konzentriert sich dabei zum einen auf den im Vorfeld bereits ermittelnden Polizisten, der sich bemüht, das Attentat zu verhindern, und zum anderen auf den Auftragskiller, der die Tat akribisch vorbereitet, so dass Der letzte Mord auch zu einem Duell zweier klassischer Widersacher gerät.
Als er bei einem Einsatz eine Schussverletzung erleidet, ist es für den Polizisten Roger Nyman (Mikael Persbrandt) an der Zeit, sich in eine andere Abteilung mit einem ruhigeren Dienstalltag versetzen zu lassen. Diese Entscheidung ist vorrangig seiner Familie geschuldet, denn seine Frau Nina (Pernilla August) ist nicht länger bereit, mit ihren drei Kindern die Bürde dieses gefährlichen Lebens mitzutragen. Doch der neue Job bei der Geheimpolizei entpuppt sich rasch als keineswegs so unaufgeregt wie erwartet: Ein scheinbarer Routinefall um die Überprüfung einer zwielichtigen Person mit ungeklärter Identität, die nach Schweden eingereist ist, katapultiert Nyman in einen unauslotbaren Abgrund kriminalistischer und politischer Verwicklungen. Während sein Familienleben dieses Mal noch viel existentieller bedroht ist, gerät der Polizist zu einem Einzelkämpfer auf verlorenem Posten, denn seine Kollegen meiden ihn, so weit dies möglich ist, und seine Vorgesetzten berufen ihn von dem Fall ab, nachdem seine Nachforschungen offensichtlich zu unliebsam geworden sind – der ganze Laden stinkt gewaltig nach Korruption.

Obwohl sich das famliäre Klima dadurch zusehends verschlechtert, recherchiert Nyman nun auf eigene Faust weiter, wobei er seinen ehemaligen Kollegen und Vertrauensfreund Bo Ekman (Reine Brynolfsson) in die schier unglaubliche Geschichte einweiht. Derweil bereitet der eiskalte Profikiller John Gales (Michael Kitchen), der offensichtlich mit den ganz Mächtigen der Welt im Geschäft ist, peinlich genau ein Attentat in Schweden vor. Nyman ist ihm auf der Spur, doch weiß er weder, welche öffentliche Persönlichkeit eliminiert werden soll, noch, dass der Killer seinerseits mittlerweile auch ihn ins Visier genommen hat. Als Nyman schließlich die starke Vermutung beschleicht, dass der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ermordet werden soll und Gales sich bedrohlich seinem kleinen Sohn nähert, eskalieren die Ereignisse …

Der letzte Mord erscheint als stimmiger Kriminalfilm mit einer sorgfältigen Rekonstruktion der Ereignisse des authentischen Attentats, der sich auch um die Darstellung der weltpolitischen Zusammenhänge bemüht, wie bereits der Vorspann mit entsprechenden Bildern aus den Medien ankündigt. Dieser Anspruch gelingt vordergründig durchaus, auch wenn das Verfolgen der internationalen Verflechtungen schon einiges an Vorkenntnissen diesbezüglich voraussetzt. Doch davon nur wenig berührt gestalten sich die Aspekte des Thrillers mit ihrer differenzierten Betrachtung der Figur des Polizisten und ihres Antogonisten, des Auftragskillers, spannend mit einem überraschenden Finale. Regisseur Kjell Sundvall (Der Typ vom Grab nebenan / Grabben i graven bredvid, 2002), mittlerweile mit seinen zahlreichen Kommissar Beck Verfilmungen ein Spezialist für Krimis, positioniert sich mit Der letzte Mord deutlich für jene Theorien über die Ermordung Olof Palmes, die von einer erheblichen Involvierung des schwedischen Geheimdienstes in die Ereignisse ausgehen. Schlüssig wirkt seine Variante der Geschichte allemal, auch wenn die Geschehnisse dem Genre geschuldet natürlich dramatisch überhöht inszeniert sind. Doch es geht dem Regisseur und seinem Team auch nicht darum, für letzte Wahrheiten zu plädieren, sondern eine auf sorgfältigen Recherchen beruhende filmische Fiktion zu entwerfen, was auch ansprechend gelungen ist.

Der letzte Mord

Politischen Meuchelmorden haftet häufig ein Moloch an verborgenen, nicht selten unaufklärlichen und verzwickten Zusammenhängen an. Derart verhält es sich auch mit dem tödlichen Attentat auf den schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme von 1986, zu dessen Hintergründen einige gravierende Ungereimtheiten zählen.
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