Der Knastcoach

Der Knastcoach

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Entlarvendes über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft

Was ist die Aufgabe der Komödie? Außer natürlich ihre Zuschauer zu unterhalten und zum Lachen zu bringen? Ihre Aufgabe ist eine gesellschaftspolitische. Sie hält den Spiegel vor, in dem sich die Gesellschaft einmal von einer anderen Seite sehen und dabei beobachten kann, was sie da eigentlich tut. Es mag ein wenig weit hergeholt sein, aristotelische Gedanken zur Komödie auf einen Film wie Der Knastcoach anzuwenden. Aber das trifft in diesem Fall exakt den Kern der Sache, denn genau auf dieser Ebene will der Film die Frage des amerikanischen Rassismus und der Ungleichbehandlung verhandeln. Doch beginnen wir am Anfang.
James King (Will Ferrell) ist ein reicher Hedgefonds-Manager, der kurz vor dem ganz großen Coup steht. Sein Boss ernennt ihn zum Partner der Firma und er ist kurz davor, die Tochter des Chefs zu ehelichen und damit zu den reichsten 1% der amerikanischen Gesellschaft zu werden. Darnell (Kevin Hart) wäscht Kings Auto in seiner kleinen Firma. Er, ein schwarzer Mann, steht auf der anderen Seite der Nahrungskette. Sein Unternehmen hält ihn und seine Familie gerade so über Wasser. So weit, so klar das (wenn auch stark vereinfachte) Abbild des derzeitigen Grundzustandes der rassentypologisierten amerikanischen Gesellschaft: Schwarz vs. weiß, arm vs. reich.

Doch eine Umkehr dieser Verhältnisse, eine Sprengung des Status Quo muss her. Und diese geschieht auf Kings Verlobungsfeier, die er unvermutet in Handschellen verlässt. Veruntreuung wird ihm vorgeworfen und er wird zu 10 Jahren in San Quentin verurteilt. Er hat einen Monat Zeit bis zum Antritt seiner Haftstrafe. Und in dieser Zeit versucht er, sich auf den Knast vorzubereiten. Aber King braucht einen Coach. Jemanden, der sich auskennt in der Parallelgesellschaft Gefängnis, in der er, der weiße, reiche Mann nicht mehr ganz oben, sondern ganz unten stehen wird. Und wer könnte besser wissen, wie es dort ist, als der schwarze, arme Darnell, der wegen seiner Hautfarbe und seinem Kontostand ja garantiert schon im Knast war? Darnell lässt sich auf den Kuhhandel ein, obwohl er keine Ahnung hat. Denn er braucht das Geld, das ihm für den ungewöhnlichen Job angeboten wird.

Und hier beginnt eine "Bad Taste"-Komödie, die mit schlechten Geschmack und 100 Prozent politisch unkorrekten Witzen das Rassenproblem zu spiegeln versucht. Eigentlich eine gute und derzeit gesellschaftspolitisch hochbrisante Idee - vor allem, wenn man die jüngste Serie von Polizeigewalt gegenüber schwarzen Menschen betrachtet. Was Der Knastcoach jedoch daraus macht, ist nichts weiter als eine hochgradig fragwürdige und langweilige Farce. Trotz des großen Bemühens von Ferrell und Kevin Hart — beide erwiesenermaßen durchaus fähige Komiker — sind die Witze flach und altbacken und beruhen ausschließlich auf der Prämisse, so krass und politisch unkorrekt wie möglich zu sein. Der übertriebene Rassismus vermag an einigen Stellen schon das eigentliche Problem zu entblößen und ab und an zündet auch ein Witz, aber im Grunde genommen ist der Film nur anstrengend eigenartig. Und schlimmer noch: Man bemerkt, dass der Film sich nicht aus dem gesellschaftlichen System zu lösen vermag, um es sich von außen zu betrachten. Im Gegenteil. Der Knastcoach ist der merkwürdige Versuch, mit komödiantischen Mitteln Rassismus aufzuzeigen, während der Film selbst inhärent rassistisch, sexistisch und homophob agiert.

Ein Beispiel: Die wenigen Frauenfiguren des Films dürfen sich folgende Rollen teilen: Putzfrau, Mutter, Hure und reiche Zicke — klassischer geht Sexismus kaum. Doch es wird noch schlimmer. Extrahiert man hier die schwarzen Frauenfiguren, so werden diese — und das nicht innerhalb einer Witzstruktur, die eben auf diese Missstände hinweisen soll — auch noch in die üblichen Kategorien geworfen. Die Ehefrau und Mutter ist eine schlagende, dominante und laute Frau. Eine andere zeichnet sich lediglich dadurch aus, dass sie einen riesigen Hintern hat und damit twerkt. Eine weitere Szene findet in einem Café statt, das ein Treffpunkt für viele homosexuelle Männer ist. Die Statisten sind ein Konglomerat aus homophoben Vorurteilen und bestehen nur aus weibisch-schönen Jünglingen oder älteren, gruselig aggressiven Männern. All diese holzschnittartigen Figuren, die klobigen Witze, die jegliche Art von Feingefühl oder Intelligenz in ihren humoristischen Versuchen vermissen lassen, gepaart mit einer völlig fehlenden Selbsterkenntnis, machen Der Knastcoach zu einem überaus dumpfen, unangenehmen und ganz und gar unwitzigen Film, der die Probleme, die er ansprechen will nicht humoristisch spiegelt, sondern vielmehr repliziert.

Der Knastcoach

Was ist die Aufgabe der Komödie? Außer natürlich ihre Zuschauer zu unterhalten und zum Lachen zu bringen? Ihre Aufgabe ist eine gesellschaftspolitische. Sie hält den Spiegel vor, in dem sich die Gesellschaft einmal von einer anderen Seite sehen und dabei beobachten kann, was sie da eigentlich tut.
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