Der Killer und der Kommissar

Der Killer und der Kommissar

Eine Filmkritik von Martin Beck

Keine Überraschungen

Das europäische Genrekino Anfang der siebziger Jahre bot reichlich Anlässe zur Freude, unter anderem auch wegen der großen Beliebtheit multinationaler Koproduktionen, die gar erstaunliche Star-Ensembles vor der Kamera versammeln konnten. Jedes Geldgeber-Land entsandte mindestens einen großen Namen, um dann auf dem heimischen Kinomarkt punkten zu können und zugleich auf internationaler Ebene anzukommen. Ein Polizeithriller mit Jean Gabin, Fabio Testi, Uschi Glas, Gérard Depardieu und Bernard Blier – keine Frage, das muss ein Kracher sein!
Oder auch nicht, denn Der Killer und der Kommissar hat jenseits seiner tatsächlich großartigen Besetzung kaum etwas nördlich des Durchschnitts-Äquators vorzuweisen. Mit etwas Wohlwollen kann die Geschichte des Films, die sich überraschenderweise um einen sadistischen Killer (Fabio Testi) und den ihn verfolgenden Kommissar (Jean Gabin) dreht, als bodenständige Knochenkost eingestuft werden, doch genauso kann man auf überschaubare Überraschungsarmut plädieren. Jean Gabin steht natürlich kurz vor dem Ruhestand, sein Chef (Bernard Blier) ist natürlich ein verständnisloser Schreibtischtäter und der Killer entkommt natürlich etliche Male, bevor dann die natürlich clevere Falle des alten Hasen zuschnappt.

Ein Cop gegen einen Killer, die absolute Basis des Polizeifilms. Tja, und das war es dann auch fast schon. Regisseur Denys de La Patellière, der in seiner langen Karriere stets den konturenlosen Auftragskurbler gab, schafft auch hier den Weg von A nach B, doch inszenatorische Kniffe, überraschende Wendungen oder herausragende Schauspielleistungen gibt es dabei nicht. Der Killer und der Kommissar kondensiert sich auf eine lange Verfolgungsjagd, bei der die Idee asketischer "film noir"-Coolness bereits nach wenigen Minuten in einen maulfaulen Allerweltskrimi umschlägt. Der auch noch Dialoge enthält, die leider nicht doof genug sind, um saftigen Italo-Trash zu entfachen.

Was bleibt, ist hier tatsächlich die Besetzung. Jean Gabin ist immer gut, auch wenn seine Rolle kaum mehr als dezent gelangweiltes Widerkäuen verlangt, und Fabio Testi darf immerhin fiese Morde begehen und bei der Nutte Gerda (Uschi Glas) ein paar spärliche Emotionen zeigen. Gérard Depardieu taucht leider nur in einer kleinen Rolle auf, Bernard Blier spielt genau das, was er immer spielt (=den Amtsschimmel mit den zusammengekniffenen Pobacken) und über allem ertönt ein mittelprächtiger Score von Ennio Morricone. Es bleibt zumindest überraschend, wie wenig überraschend all diese klangvollen Herrschaften hier zu Werke gehen.

Der Killer und der Kommissar ist ein Routine-Krimi für Fans der Darsteller, die sich dann allerdings daran stören könnten, dass die deutsche DVD genau die gleiche stark geschnittene Fassung bietet wie die vor einigen Jahren erschienene Jean-Gabin-Box. Satte 30 Minuten fehlen hier, das nicht-anamorphe Bild ist immer noch ausgewaschen und rumpelig, und auf der Tonspur gibt es lediglich die (gute) deutsche Synchro. Wirklich schade, dass es Universum einfach nur um eine Neuauflage und keine aufgepimpte Sammler-Edition ging. Auch wenn bezweifelt werden darf, ob die zusätzlichen 30 Minuten das vorherrschende Mittelmaß noch entscheidend nach oben korrigieren würden.

Der Killer und der Kommissar

Das europäische Genrekino Anfang der siebziger Jahre bot reichlich Anlässe zur Freude, unter anderem auch wegen der großen Beliebtheit multinationaler Koproduktionen, die gar erstaunliche Star-Ensembles vor der Kamera versammeln konnten. Jedes Geldgeber-Land entsandte mindestens einen großen Namen, um dann auf dem heimischen Kinomarkt punkten zu können und zugleich auf internationaler Ebene anzukommen.
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