Der Informant!

Der Informant!

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Agent 0014 und die Mais-Verschwörung

Steve Soderbergh ist immer wieder für eine Überraschung gut. Vor allem aber ist er ein Regisseur, der sich nicht gerne auf ein Genre und einen Stil festlegt, sondern munter zwischen unterschiedlichen Erzähl- und Inszenierungsweisen wechselt. Nach seinem eher zähen und von der Kritik teilweise übel geschmähten viereinhalbstündigen Mammutwerk über Ernesto Ché Guevara wendet er sich mit seinem neuen Film Der Informant! einem eher leichteren Stoff zu. Soderberghs neuester Streich erzählt von einem der größten realen Wirtschaftskrimis in der Geschichte der USA so federleicht und voller subtiler Ironie, dass das Ganze trotz eines vermeintlich eher langweiligen Themas zu einem außerordentlich sehenswerten Vergnügen geworden ist. Zwar sind wir in letzter Zeit ja einiges an Absurditäten in der Wirtschaft gewohnt, Der Informant! aber dürfte die Realität noch um einiges schlagen. Zumindest bis zur nächsten Affäre.
Marc Whitacre (herrlich entstellt in dieser Rolle Matt Damon) hat ein Faible für schnelle und exklusive Sportwagen, für Mais – und für Lügengeschichten. Der Biotechniker beim (real existierenden) Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) im ländlichen Illinois ist ein junger Mann mit besten Aussichten auf einen schnellen Aufstieg und beaufsichtigt dort das Lysin-Geschäft. Was niemand weiß: Dieser Bursche, der so nett und durchschnittlich aussieht, hat es faustdick hinter den Ohren – er ist nicht nur ein notorischer Lügner, sondern leidet zudem unter einer bipolaren Störung. Die lässt ihn intrigieren, was das Zeug hält: Zunächst macht Whitacre seinen Vorgesetzten weis, bei ADM gäbe es einen Maulwurf der japanischen Konkurrenz, der die eigene Lysin-Produktion mittels eines Virus torpediere. Dem FBI, das sich alsbald für die Sache interessiert, erzählt er eine Mär von illegalen Preisabsprachen in der Mais-Branche. Dabei sind Whitarces Lügengeschichten so überzeugend inszeniert, dass die Bundesbehörde ihn als Informant anwirbt, um die Gespräche der Konzernspitze abzuhören und auf Band aufzuzeichnen. Schnell fühlt sich Whitacre wie Agent 0014 ("weil ich doppelt so schlau bin wie 007") und tummelt sich in der Welt der Geheimnisse und Intrigen wie ein Fisch im Wasser. Weder ADM noch das FBI ahnen, dass dieser linkisch wirkende, brave Familienvater ein hundsgemeines Spiel mit beiden Parteien treibt und dabei kräftig in die Firmenkasse greift. Bis schließlich das ganze Ausmaß des Betrugs sichtbar wird – zumindest beinahe...

Gäbe es nicht diese herrlich lässige und seltsam deplatziert wirkende Filmmusik von Marvin Hamlisch, die stilistisch eher auf die 1960er Jahre verweist, und wären da nicht diese ebenso abstrus wirkenden Off-Kommentare von Whitacre, der stets in den spannendsten Momenten Banalitäten und Nebensächlichkeiten von sich gibt, befände man sich als Zuschauer wohl mindestens ebenso lange auf der falschen Spur wie das FBI. Denn dieser Informant mit den abscheulichen Krawatten, dem Kassengestell und der peinlichen Föhnfrisur wirkt wahrlich nicht wie ein gerissener Intrigant, der die verschiedenen Parteien mit viel Chuzpe und einer gehörigen Portion Dreistigkeit gegeneinander ausspielt. Doch sind es gerade diese kleinen Hinweise und die liebevoll eingestreuten Details (wie etwa Whitacres immer größer werdende Autosammlung), die uns schnell ahnen lassen, dass etwas mit diesem Kerl nicht stimmen kann. Genau daraus, aus dieser Mischung aus Harmlosigkeit und den diversen Andeutungen, dass der brave Biotechniker hier eine Riesenshow abzieht, bezieht Soderberghs neuer Film Der Informant! seinen ungeheuren Witz und seinen ganzen Charme.

Selten war ein notorischer Lügner und offensichtlich Gestörter, der sich auf Kosten Anderer bereichert, so sympathisch wie dieser etwas dickliche Mann. Selten hat man sich so über den einfachen Satz "Hören Sie, ich habe Ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt", der sich wie ein Leitmotiv durch den gesamten Film zieht, so gefreut, wie in dieser herrlich schrägen Gaunerkomödie. Weil man weiß, dass sich nach dieser Ankündigung die nächste Pirouette, die nächste Lügengeschichte ankündigt, damit dieser wundervoll leichtfüßige und herrlich verrückte Film noch ein Weilchen andauert, der wieder einmal zeigt, welch ein großartiger Schauspieler Matt Damon sein kann. Wenn man ihn nur lässt.

Der Informant!

Steve Soderbergh ist immer wieder für eine Überraschung gut. Vor allem aber ist er ein Regisseur, der sich nicht gerne auf ein Genre und einen Stil festlegt, sondern munter zwischen unterschiedlichen Erzähl- und Inszenierungsweisen wechselt. Nach seinem eher zähen und von der Kritik teilweise übel geschmähten viereinhalbstündigen Mammutwerk über Ernesto Ché Guevara wendet er sich mit seinem neuen Film "Der Informant!" einem eher leichteren Stoff zu.
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Meinungen
Filmsüchtiger · 07.05.2014

Ich liebe diesen Film, weil er sich traut, sein Publikum vor den Kopf zu stoßen, was jenes nicht als Herabwürdigung verstehen sollte, im Gegenteil. Indem Soderbergh auf geniale Art und Weise den Zuschauer genauso dreist und frech und vor allem: unsinnig hinters Licht führt wie der Protagonist seine Mitmenschen, wird der Rezipient vom passiven Beobachter zum aktiven Teilnehmer.

Die Leute, die sich über den Film ärgern, bestätigen seine Wirkung im Grunde nur.

Peter · 26.11.2009

absolut TOP TOP TOP, subtiler Humor vom feinsten, grandios gespielt und toll in Szene gesetzt. Allein der Soundtrack ein Genuss!!! SEHR EMPFEHLENSWERT

ilhan edis · 08.11.2009

Leute, der Film ist total langweilig. Schade um das Geld, welches ich dafür ausgegeben habe. Sieht euch bitte jeden Film an aber bloß nicht diesen. Dass war der beschiesenste Film den ich mir je angesehen habe.

Kommentare

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