Der Herr mit der schwarzen Melone

Der Herr mit der schwarzen Melone

Eine Filmkritik von Martin Beck

Der Gentleman bittet zur Kasse

Pidax mal wieder, nicht zum ersten Mal mit einem Film, der im Spannungsfeld zwischen neugieriger Nostalgie und muffiger Obskurität auf seine Neuentdeckung hofft. Der Herr mit der schwarzen Melone ist eine Schweizer Gaunerkomödie aus dem Jahr 1960, die seinerzeit das Filmfestival in Locarno eröffnete und sich als veritabler Box-Office-Hit behauptete. Walter Roderer, Superstar – zumindest was die Nötzli-Filme angeht, aber auch diese Produktion hier, die nach Der Mustergatte die zweite erfolgreiche Zusammenarbeit mit Produzent Erwin C. Dietrich darstellte. Ocean’s One im behäbigen Umfeld ironisch angehauchter Gesellschaftskritik.
Die Gaunerei in Der Herr mit der schwarzen Melone hat nämlich einen amourösen Antrieb und führt dazu, dass der titelgebende Hutträger auf einmal von der Genfer High Society hofiert wird. Jeder ist dein Freund, wenn du gerade eben 3 Millionen Franken aus einem Geldtransporter entwendet hast. Der kleine Bankangestellte Hugo Wiederkehr (Walter Roderer) wird zum Kriminellen, weil er seinem sturen Chef eins auswischen und seiner heimlichen Flamme Christine (Sabina Sesselmann), einer Industriellentochter, imponieren möchte. Nach dem Coup steigt er in einem Luxushotel ab und wird sofort zum Mittelpunkt eifriger Bittsteller. Da in dem Hotel auch noch eine Atomkonferenz steigt, kann es natürlich nicht ausbleiben, dass der Geldkoffer alsbald mit der mit Geheimpapieren gefüllten Aktentasche der russischen Delegation verwechselt wird.

Wirklich schwere Kost ist Der Herr mit der schwarzen Melone ganz sicher nicht, die Spitzen gegen Geldgeilheit, Klassendenken oder die Wirtschaftswundermentalität kommen mit der gleichen sanften Ironie, die auch viele Filme Heinz Rühmanns begleitet hat. Der kleine Mann, der aufbockt, das sowohl höfliche als auch unscheinbare Rädchen, das es denen da oben nur einmal zeigen möchte. Alleine schon der Untertitel, Hochstapler für drei Tage macht deutlich, dass das alles hier gar nicht so gemeint ist. Das was Wiederkehr zum Beispiel mit Falling Down gemein hat, reichte 1960 noch lange nicht für eine Burnout-Therapie. Der Hobby-Erfinder, der unsere Hauptfigur auch noch ist, bewahrt eine positive Aura und weiß sich stets selbst zu helfen.

Ein wenig erinnert Der Herr mit der schwarzen Melone ebenfalls an die klassischen Ealing-Komödien, bei denen sich Regisseur Karl Suter den verschmitzen Charme ausborgt und zumindest bis zu dieser Koffer-Verwechslungs-Nummer in Genf auch aufrecht erhalten kann. Dass dann Geheimdokumente und viel Geld vertauscht werden, lässt den Film etwas von seiner feinen Rebellion einbüßen, doch richtig böse kann man dem Geschehen unmöglich werden – dafür ist es nämlich zu unterhaltsam und Walter Roderer einfach zu sympathisch. Das Drehbuch baut ihn geschickt zu einem vom Unrecht gebeutelten Sympathieträger auf, der dann genau das macht, was so viele seiner Zeitgenossen nur träumen: den einen, großen Coup, einen eleganten Heist, der weder Tote noch verbitterte Vergeltung nach sich zieht.

Der Herr mit der schwarzen Melone fällt unter neugierige Nostalgie und passt perfekt zu den Stichworten Regen, Sonntagnachmittag und Couch. Neben Roderer erfreuen auch etliche bekannte deutsche Gesichter, wie zum Beispiel Gustav Knuth, Hubert von Meyerinck oder Charles Regnier. Die DVD bietet eine ordentliche Präsentation, inklusive Untertiteln, und erscheint wie üblich bei dem Label mit dem originalen Kino-Artwork. Dass auch noch ein verkleinerter Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne beiliegt, ist ein charmanter Tupfer, der charmant unterstreicht, es hier mit einer durchaus charmanten Veröffentlichung zu tun zu haben.

Der Herr mit der schwarzen Melone

Pidax mal wieder, nicht zum ersten Mal mit einem Film, der im Spannungsfeld zwischen neugieriger Nostalgie und muffiger Obskurität auf seine Neuentdeckung hofft. „Der Herr mit der schwarzen Melone“ ist eine Schweizer Gaunerkomödie aus dem Jahr 1960, die seinerzeit das Filmfestival in Locarno eröffnete und sich als veritabler Box-Office-Hit behauptete.
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