Der große Coup

Der große Coup

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dienstag, 13. November 2012, WDR, 23:15 Uhr

Mit seinen markanten, keineswegs dem gängigen Schönheitsideal entsprechenden Gesichtszügen, seiner legendären „Nebelhorn“-Stimme und seiner ureigenen, kategorisch-kauzigen Konstitution eroberte sich der US-amerikanische Schauspieler Walter Matthau (1920-2000) seinen populären Platz auf der großen Kinoleinwand, wo er sowohl als Komiker, nicht zuletzt gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Filmpartner Jack Lemmon (1925-2001), brillierte, als auch in zahlreichen spannungsgeladenen Thrillern zu bewundern war. Der große Coup, unter der Regie von Don Siegel aus dem Jahre 1973, zählt fraglos zum letzteren Genre und präsentiert den unvergesslichen Walter „Matuschanskayasky“ Matthau in einer Rolle als kruden Kleinganoven, der sich so unbeabsichtigt wie lebensgefährlich mit dem organisierten Verbrechen anlegt.
Als „The last of the Independents“ bezeichnet sich der einstige Kunstpilot Charley Varrick (Walter Matthau), der sein wenig einträgliches Geschäft als fliegender Bekämpfer von Schädlingen an den Nagel hängt und fortan mit seiner Frau Nadine (Jacqueline Scott) sowie ihren beiden Komplizen Al und Harman (Andy Robinson) durch verschlafene Kleinstädte tingelt und die dortigen Banken um ihre bescheidene Barschaft erleichtert. Als die Gang eines Tages bei einem Überfall in New Mexico, wo sie ein nicht geplantes Blutbad anrichtet, währenddessen zunächst Al und später auf Grund einer Schussverletzung auch Nadine stirbt, überraschend eine enorme Summe erbeutet, werden Charley und Harman nicht nur von der Polizei, sondern auch von der Mafia gejagt, die den diabolischen Killer Molly (Joe Don Baker) auf die Flüchtigen ansetzt …

Spektakuläre, temporeiche Verfolgungen innerhalb einer stringent und packend angelegten Dramaturgie vor landschaftlich ansprechender Kulisse prägen diesen puristisch und kühl inszenierten Thriller, dessen bedrohliche Stimmung von heiter-sanften Mundharmonikaklängen konterkariert wird. So aussichtslos ein Entkommen vor den hartnäckigen Verfolgern auch erscheint, gelingt es dem wendigen Charley Varrick als findigem Einzelkämpfer letztlich doch, sich trickreich aus der Affäre zu ziehen. Der große Coup nach dem Roman The Looters von John Henry Reese aus dem Jahre 1968 zeichnet sich durch seine ganz spezielle anarchistisch anmutende Atmosphäre sowie seine sich stets erneuernde Hochspannung aus, wobei Walter Matthau, der für seine Darstellung mit dem BAFTA Award prämiert wurde, mit seinem lässigen, umwerfend souveränen Schauspiel eine Glanzleistung zeigt, die ihn als einen der ganz großen Helden Hollywoods verortet.

Der große Coup

Mit seinen markanten, keineswegs dem gängigen Schönheitsideal entsprechenden Gesichtszügen, seiner legendären „Nebelhorn“-Stimme und seiner ureigenen, kategorisch-kauzigen Konstitution eroberte sich der US-amerikanische Schauspieler Walter Matthau (1920-2000) seinen populären Platz auf der großen Kinoleinwand, wo er sowohl als Komiker, nicht zuletzt gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Filmpartner Jack Lemmon (1925-2001), brillierte, als auch in zahlreichen spannungsgeladenen Thrillern zu bewundern war.
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