Der Fluch der Mumie (Blu-ray)

Der Fluch der Mumie (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Staubiges Glück in brüchigen Bandagen

Die Geschichten vom "Fluch der Mumie", der all jene trifft, die frevelhaft das Grab des Pharaonen öffnen, ist keineswegs, wie man glauben könnte, ein Kind des frühen 19. Jahrhunderts, als man – Napoleons Eroberungszügen in Ägypten folgend – in Europa die Begeisterung über die altägyptische Kultur und ihre Artefakte pflegte. Erst 1890 legte Arthur Conan Doyle mit einer Kurzgeschichte den Grundstein für die Fluchgeschichten, aber erst mit der Öffnung des Grabs von Tut-Ench-Amun im Jahr 1922 wurde die Erzählung von den geheimnisvollen Todesfällen unter Altertumsforschern und ihren Gehilfen zu einer populären, gleichsam viralen Geschichte.
Nachzulesen ist das in einem detailreichen Text von Uwe Sommerlad zu Der Fluch der Mumie, einem durchaus unvollkommenen Film aus den Hammer-Studios, bei dem John Gilling 1966 Regie führte und den Anolis Entertainment nun in einer hochauflösenden Neuabtastung erstmals auf Blu-ray herausgebracht hat. (Das sehr schön gemachte und ausführliche Booklet mit Sommerlads Text liegt leider nur einer limitierten Teilausgabe der Blu-ray bei.) Die Bilder der Blu-ray sind so scharf und klar, dass man in den Szenen, die in der ägyptischen Wüste spielen, im Hintergrund sehr deutlich recht britisch wirkende Nadelbäume erkennen kann – sie entstanden, wie Sommerlad aufklärt, ja auch in der Tat in einer "Kiesgrube zwischen Gerrards Cross und Beaconsfield".

Der renommierte Archäologe Sir Basil Walden sucht nach dem Leichnam des jung gestorbenen Kah-to-Bey, um zu beweisen, dass es sich bei der im Museum ausgestellten Mumie tatsächlich um dessen erwachsenen Leibwächter Prem handelt, der seinen Herrn in der Wüste begraben musste, auf der Flucht vor den Verrätern, die Kah-to-Beys Vater (und damit auch den Sohn) seines Thrones beraubten. Am Grab wird er von einer Schlange gebissen, den Garaus macht ihm aber dann die Mumie Prems – ein Wächter hatte die Gruppe vor dem Betreten des Grabes gewarnt und schickt ihnen nun einem nach der anderen den lebenden Toten auf den Hals.

Der Fluch der Mumie ist wahrlich keiner der strahlendsten Sterne im Hammer-Kosmos, dafür wirkt der dritte Mumienfilm des Hauses (ein vierter sollte folgen) zu uninspiriert; aber es gibt einige leuchtende Momente, insbesondere in der Dynamik zwischen Waldens Geldgeber Stanley Preston (der gerne allen Ruhm selbst einheimsen möchte), seiner desillusionierten Frau und ihrem rebellisch gesinnten Sohn Paul. Dafür muss man allerdings schlucken, dass selbst neben den unzivilisiert streitenden Briten die einheimischen Ägypter im Film bestenfalls als inkompetent, schlimmstenfalls rassistisch gezeigt werden.

Und dennoch ist Der Fluch der Mumie aus einer ganz bestimmten Perspektive ein großes Glück aus einer untergegangenen Ära – ein Gruselfilm aus einer Zeit lange vor billigen CGI-Effekten, in der aber auch zwischen Pappkulissen und in Kiesgruben mit Hingabe gespielt wird und in der das Monstrum am Ende in einer Orgie aus Wachs und Talkumpuder zugrunde geht. Das ist stellenweise herzzerreißend lächerlich, aber mit Liebe gemacht. Und nicht zuletzt ist Gillings Film der letzte Streifen, der in Hammers eigenem Studio gedreht wurde – allein schon deshalb kommen echte Fans um diesen Film nicht herum.

Der Fluch der Mumie (Blu-ray)

Die Geschichten vom "Fluch der Mumie", der all jene trifft, die frevelhaft das Grab des Pharaonen öffnen, ist keineswegs, wie man glauben könnte, ein Kind des frühen 19. Jahrhunderts, als man – Napoleons Eroberungszügen in Ägypten folgend – in Europa die Begeisterung über die altägyptische Kultur und ihre Artefakte pflegte.
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