Der Fan (Blu-ray)

Der Fan (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Martin Beck

FanFanFanatisch

Désirée Nosbusch, nackt und mit glasigem Blick, steht in der Küche und leckt ein blutbeflecktes Elektromesser ab. Dieses Bild war wohl die Grundidee hinter Der Fan, einem bemerkenswerten Exploitationfilm von Eckhart Schmidt, der 1982 (mal wieder) die richtigen Knöpfe für einen ausgewachsenen Skandal drückte. Kannibalismus, Sex mit einer Minderjährigen, ein süßer Fernsehstar, der nachträglich per Gericht die ganzen Nacktszenen verbieten lassen wollte, und ein hipper NDW-Soundtrack von Rheingold. FanFanFanatisch, bis hin zu einer äußerst hübschen Fotostory in der Bravo.
Der Fan war damals ein Riesenthema und trug lange Jahre einen Ruf mit sich herum, der knapp unter Der New York Ripper angesiedelt war. Was auch immer die Nosbusch geritten hat, ihre TV-Karriere nachhaltig zu demolieren, heutzutage kommt einem die ganze Aufregung (natürlich) etwas befremdlich vor – und macht Platz für die durchaus spannende Atmosphäre des Films. Die vorwiegend kühl ist, blau und gestelzt, und der nicht unbedingt motivierten Handlung einen sowohl faszinierenden als auch reichlich befremdlichen Rahmen gibt. So als hätte da jemand von großer Kunst geträumt und dafür aber nur einen sleazigen Klempnerkasten zur Verfügung gehabt.

Was Simone (Désirée Nosbusch) genau antreibt, erzählen uns leblos abgelesene Off-Kommentare. Der von ihr angehimmelte Star R (Bodo Steiger) gibt sich genauso mechanisch wie seine Kraftwerk-artige Musik. Auf der Fahrt nach München, zu ihrem Idol, wird sie natürlich fast vergewaltigt. Es gibt die ganz der Kunst verhafteten Mitmusiker, die geldgeile Managerin, die verständnislosen Eltern und am Ende dann noch eine Enthüllung, die direkt in Die Wiege des Bösen überleiten könnte. Der Fan ist ganz B-Motiven verhaftet und die Schauspieler, Désirée Nosbusch bedingt ausgenommen, ziehen furchtbar schlechtes Laientheater auf. Inklusive Dialogen, die einen mit ihrer stocksteifen Theatralik selbst zum Elektromesser treiben.

Irgendwie jedoch kriegt der Film trotzdem die Kurve, kann diese unbeholfene Art der Erzählung zumindest konsequent vorantreiben und erzeugt eine zeitgeistliche Kühlschrank-Stimmung, die dem Exploitation-Drall eine ganz eigene Handschrift verleiht. Als nachvollziehbares Portrait exzessiver Verehrung versagt Der Fan zwar auf ganzer Linie, doch spätestens bei seiner zentralen Sequenz, dem Beischlaf mit R und der darauffolgenden kannibalischen Zerstückelung, entsteht hier eine Art deutscher Audition — der gar nicht viel explizit zeigen muss, sondern einfach über seine nüchternen, eindringlichen Bilder wirkt. Das Ablecken des Elektromessers, die Karotten im Kühlschrank, Knochen, die zu Mehl verarbeitet werden: ein ungemütliches, beklemmendes Szenario.

Und dazu halt noch Désirée Nosbusch, die die ganze Zeit nackt herumläuft, was aber ebenfalls nicht halb so exploitativ rüberkommt wie man es potentiell inszenieren könnte. Die Klage der Frau ist eher ein Witz, so von wegen: „Huch, ich war ja die ganze Zeit nackt!?“, und stellt sich auch gegen die klare Wirkung, die ihre Szenen haben. Reißerische Genrekost, inszeniert wie eine post-moderne Ausstellung, und über die fehlende Kleidung dann auch viel ehrlicher und direkter, als es vielen B-Slasher-Bimbos jemals möglich gewesen war. Der Fan ist ein spannender Film, trotz und wegen all seiner Unzulänglichkeiten, und bekommt nun sogar ein Mediabook spendiert – das wie üblich leider vorwiegend Geldschneiderei ist.

Ein bisschen Originaldrehbuch, der Trailer und die Geschichte in Bildern (?), das war’s. Bild und Ton sind okay, aber eine Neuauflage der DVD hätt’s hier eigentlich auch getan. Viel Glück auf den Filmbörsen, für diese „Sammleredition“ 24 EUR zu bekommen…

Der Fan (Blu-ray)

Désirée Nosbusch, nackt und mit glasigem Blick, steht in der Küche und leckt ein blutbeflecktes Elektromesser ab. Dieses Bild war wohl die Grundidee hinter „Der Fan“, einem bemerkenswerten Exploitationfilm von Eckhart Schmidt, der 1982 (mal wieder) die richtigen Knöpfe für einen ausgewachsenen Skandal drückte.
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