Der Engel mit der Mörderhand (Blu-ray)

Der Engel mit der Mörderhand (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Hübsches Gift

Ein Film, der für mehrere Überraschungen gut ist: Das ist Der Engel mit der Mörderhand. Angefangen bei der Erkenntnis, dass sich auch hinter einem lausigen Titel ein großartiger Film verbergen kann, und aufgehört bei dem durchaus unerwarteten schwarzen Humor, der nicht nur die kuriose Handlung, sondern auch die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren erfasst.
Die beiden Hauptdarsteller in Der Engel mit der Mörderhand sind Anthony Perkins, hier besetzt als frisch aus dem Gefängnis entlassener Brandstifter, der sich gerne als Geheimagent ausgibt, und Tuesday Weld, die ein blondes All-American-Girl mit Vorstadt-Mief und dominanter Mutter darstellt. Unter Berücksichtigung des Entstehungsjahres des Films (1968) müsste nun eigentlich klar sein, wie der dramaturgische Hase läuft, der dem ungewöhnlichen Paar zuerst eine stürmische Affäre und dann kriminelle Missetaten beschert, doch tatsächlich dreht Regisseur Noel Black den Spieß schon bald herum.

Anthony Perkins, der zunächst dominante Teil des Paares, darf sich nämlich schon bald als eher hilfloser Handlanger entpuppen, und Tuesday Weld, eigentlich abonniert auf Tussi-Beischmuck, mutiert dafür zu einer unglaublich charmanten „femme fatale“. Die eine ansehnliche kriminelle Energie entwickelt und sich dabei aber auch eine gewisse naive Unschuld bewahrt. Glaubt sie vielleicht wirklich, dass ihr Freund ein Geheimagent ist oder spielt sie einfach sein Spiel mit? Und wie ist das dann mit ihrer Mutter, möchte sie die wirklich umbringen und manipuliert deswegen, oder ist das vielleicht auch nur ein ungewollter Zufall?

Das Schöne an Der Engel mit der Mörderhand ist seine Unverkrampftheit im Umgang mit Erwartungen und Genre-Konventionen. Gerade Tuesday Weld darf sich hier als „natural born killer“ outen und lässt dazu ihre blonde Mähne fliegen, dass man sich beizeiten in der hübsch ausgeleuchteten Schnittmenge aus Juliette Lewis, Faye Dunaway und David Lynch wähnt. Hinter den sonnigen Vorstadtfassaden lauern ungeahnte Abgründe, die in direkter Beziehung zum sowohl geordneten als auch langweiligen Leben dort stehen. Film Noir mit Marschkapelle, sommerlichen Temperaturen und ökologischem Revoluzzertum. Eine der ersten Aktionen des Paares besteht tatsächlich darin, in eine örtliche Chemiefabrik einzubrechen – was dann mit einem nur vielleicht zufälligen Mord endet.

Der Engel mit der Mörderhand ist perfekt besetzt und so sehr uneindeutig, dass der schwarze Humor eigentlich nur eine Interpretationsmöglichkeit bleibt, neben zum Beispiel einem Drama, einem Psychothriller oder einer verqueren Liebesgeschichte. Wie auch immer man den Film sehen will, er bleibt ein großes Vergnügen, das nur dadurch etwas abgemildert wird, dass einzelne Elemente daraus seitdem viel zu oft kopiert wurden…und die deutsche Blu-Ray keine wirkliche Verbesserung gegenüber der schon etwas länger erhältlichen DVD darstellt. Was nicht unbedingt negativ gemeint ist, weil die deutsche Fassung nämlich eine sehr gute Bild- und Tonqualität aufweist, aber halt auch keine klare Kaufempfehlung ermöglicht – oder diese zumindest auf diejenigen beschränkt, die den Film noch nicht kennen. Und eine ausgewachsene Toleranzschwelle gegenüber furchtbar designten Blu-Ray-Covern haben.

Der Engel mit der Mörderhand (Blu-ray)

Ein Film, der für mehrere Überraschungen gut ist: Das ist „Der Engel mit der Mörderhand“. Angefangen bei der Erkenntnis, dass sich auch hinter einem lausigen Titel ein großartiger Film verbergen kann, und aufgehört bei dem durchaus unerwarteten schwarzen Humor, der nicht nur die kuriose Handlung, sondern auch die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren erfasst.
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