Der dritte Mann (1949)

Der dritte Mann (1949)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Der Krimiklassiker und seine akribischen Dokumentationen

Betrachtet man das umfangreiche Bonusmaterial der zwei DVDs umfassenden, digital nachbearbeiteten Edition Der dritte Mann von Carol Reed nach dem Roman und Drehbuch von Graham Greene, die nun bei Arthaus erschienen ist, so offenbart sich eine so ausführliche wie aufregende Entstehungs-, Rezeptions- und Wirkgeschichte dieses kuriosen Krimiklassikers.

Im Wiener Burg Kino wird der Film seit 1980 ununterbrochen regelmäßig in der Originalversion aufgeführt, und zu den Sehenswürdigkeiten des urbanen Drehorts zählen schon längst das „Dritte Mann Museum“ und eine „Dritte Mann Tour“ durch die lokale Kanalisation, die innerhalb des Films einen schaurigen Schauplatz darstellt. Das vom britischen Filmhistoriker Charles Drazin verfasste Booklet mit dem Untertitel Über die Vermischung von Dichtung und Wahrheit, Dokumentationen, Audiokommentare, Interviews und weitere Informationen unter den Extras der Edition beleuchten hier die kleine fiktive und authentische Welt eines großen Films, dessen erstaunliche eigene Rückbezüglichkeit ein seltenes filmisches Phänomen repräsentiert.

Im besetzten Wien etabliert sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine ausgebuffte Schwarzmarktszene, in welcher offensichtlich der US-Amerikaner Harry Lime (Orson Welles) kräftig mitmischt, der nun seinen finanziell klammen, als Schriftsteller wenig erfolgreichen Jugendfreund Holly Martins (Joseph Cotten) mit der Aussicht auf einen einträglichen Job zu sich einlädt. Doch nach seiner Ankunft in Wien findet Martins den Freund nicht mehr vor, sondern kommt gerade noch rechtzeitig zu dessen Beerdigung nach einem angeblichen Unfalltod. Dort sieht er das erste Mal dessen Freundin Anna (Alida Valli), eine Schauspielerin mit falschen Papieren, in die er sich später verlieben wird, und wird vom britischen Militärpolizisten Major Calloway (Trevor Howard) empfangen, der ihm allmählich enthüllt, dass Harry Lime ein Schurke der übelsten Sorte war. Doch auch aufgrund auffälliger Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dessen Tod stellt Martins eigene Nachforschungen an, bei denen sich einerseits die Vermutung formiert, dass sein Freund ermordet wurde, und andererseits Anhaltspunkte für sein verborgenes Fortleben auftauchen…

Illustre Regisseure wie Martin Scorsese, John Sayles und Franc Roddam kommentieren anhand ausgewählter Sequenzen ihre persönliche Begeisterung für den Film, die Wiener Zitherspielerin Cornelia Mayer trägt das berühmte „Harry- Lime-Thema“ von Anton Karas vor, das 1950 einige Wochen die US-amerikanischen Charts anführte, inzwischen millionenfach verkauft und einige Male in unterschiedlichsten Ausprägungen gecovert wurde, und die entsprechenden Experten ergehen sich in den Details der aufwändigen Restaurierung des Films, der hier erstmals eine 4K-Abtastung zugrundeliegt. Auf diese Weise ist diesem mit dem Oscar für die „Beste Kamera“ von Robert Krasker und dem „Großen Preis der Filmfestspiele von Cannes“ prämierten Film seine eigene akribische Dokumentation beigesellt, die dazu auffordert, sich dieses von einer brillant aufspielenden Darstellerriege präsentierte Werk erneut mit dem Wissen um seine kongeniale Komplexität anzuschauen, bis hin zum Porträt des vielfach ausgezeichneten Autors Graham Greene, der diesen Stoff erst ein Jahr nach der Verfilmung veröffentlichte.
 

Der dritte Mann (1949)

Betrachtet man das umfangreiche Bonusmaterial der zwei DVDs umfassenden, digital nachbearbeiteten Edition „Der dritte Mann“ von Carol Reed nach dem Roman und Drehbuch von Graham Greene, die nun bei Arthaus erschienen ist, so offenbart sich eine so ausführliche wie aufregende Entstehungs-, Rezeptions- und Wirkgeschichte dieses kuriosen Krimiklassikers.

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