Der alte und der junge König

Der alte und der junge König

Eine Filmkritik von Stefan Otto

Propaganda-Kurzware

Der junge Fritz probt den Aufstand gegen seinen Vater. Der kleine Friedrich, der später der Große und der II. heißen wird, gegen Friedrich Wilhelm I. Der Kronprinz gegen den König. Anstatt sich auf seine Rolle als Thronerbe vorzubereiten, anstatt Steuern und Staatswissenschaften zu studieren, geht er lieber seinen musischen Neigungen und seinem Vergnügen nach, spielt Flöte und Karten. „Ich kann dich nicht zwingen, ein guter Sohn zu werden. Aber ein Mann zu werden, der seine Pflicht tut, dazu kann ich dich zwingen“, weiß sein königlich-preußischer Vater. Als Fritz dessen Regiment entkommen und auf einer Reise nach Frankreich fliehen will, wird er erwischt, eingekerkert und sein Freund Katte wird zur Strafe zum Tod durch das Schwert verurteilt. Ein Vorfall, der vielfach künstlerisch überhöht wurde, in der Novelle Der Gefangene von Küstrin, im Drama Preußengeist wie im Film Der alte und der junge König.
Der Film von 1935 ist Propaganda. Ein Film, der spezifische Feindbilder und Themen wie Militär und Nation populär zu machen und zu besetzen sucht. Die Biografie eines „großen Deutschen“ wie später Friedrich Schiller — Der Triumph eines Genies, Bismarck, Ohm Krüger und andere. Eine Apologie des Führerprinzips. Die ihm zugrundeliegende Interpretation der Geschichte feiert Hitler und das Dritte Reich als logischen Endpunkt der deutschen Geschichte.

Die Tode Hindenburgs und Röhms lagen 1935 erst ein halbes Jahr zurück. Die Erschießung Kattes im Film wird analog zu Hitlers Reichstagsrede nach der Liquidierung des SA-Stabschefs Röhm begründet mit: „Sein Wille ist Gesetz, und was sich ihm nicht beugt, muss er vernichten.“ Und weiter heißt es: „Das Land zerfällt, dass nicht einem Willen dient.“ Wenn der Vater gegen die Interessen und den Lebenswandel des Sohnes wütet, dessen Bücher ins Kaminfeuer schleudert und „Hurenlektüre!“ brüllt, so wirkt auch dies wie eine historische Legitimation der Bücherverbrennungen des NS-Regimes.

Die DVD beruht offensichtlich auf einer Kopie, die der Donau-Filmverleih 1958 als Wiederaufführung in die Kinos brachte. Der Film, der ursprünglich 117 Minuten lang war, hat hier nur noch eine Länge von 100 Minuten. Wenn die Intention der Kürzungen allein die Entfernung der schlimmsten Propagandalügen war, so ist dies zu verschmerzen. Andererseits fehlt auf der DVD jeglicher ausdrückliche Hinweis darauf, dass Der alte und der junge König ein Nazi-Film ist. Sie enthält kein Extra über die Entstehung des Films, kein Special über den historischen Kontext, keine Dokumentation über die verschiedenen Schnittfassungen, keine einzige Texttafel über die Kürzungen, nichts. Eine völlig unkritische Veröffentlichung. So sollte man das eigentlich nicht machen, Kinowelt.

Der alte und der junge König

Der junge Fritz probt den Aufstand gegen seinen Vater. Der kleine Friedrich, der später der Große und der II. heißen wird, gegen Friedrich Wilhelm I.
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