Deadpool

Deadpool

Eine Filmkritik von Andreas Günther

Superheld mit Narrenfreiheit

Technisch gesehen sei das ja Mord, kommentiert Wade Wilson (Ryan Reynolds) ein eingefrorenes Szenenbild, in dem er als Superheld Deadpool auf hochgereckten, bluttriefenden Schwertern einen bulligen Mann aufgespießt hält. Mord? Eher liegt Selbstverteidigung vor. Hier wie anderswo übertreibt der ehemalige Special-Forces-Mann mal wieder gnadenlos. Dieser Antiheld bringt mit – gediegen ausgedrückt – buntscheckiger Narrenrede aber nicht nur moralische Standards, sondern auch Vulgär- und Literatursprache durcheinander und ist seinen Aktionen selbstironisch und selbstreferentiell immer einen Schritt voraus. Hehres Superheldenkino erlebt in dieser Comicverfilmung seine parodistische Implosion, Darsteller Ryan Reynolds eine ungeahnte Explosion der Virtuosität.
Schon der Vorspann macht klar: Der Film wird nicht nur ungeheuer brutal, er hält auch zur Mitarbeit mit den grauen Zellen an, um nicht verwirrt zu werden. Während die Credits nicht etwa Namen, sondern Funktionen angeben – "geschrieben von den wahren Helden" –, werden übereinandergeschichtete Teile einer blitzenden Mechanik und Körperpartien einander sehr hart verletzender Männer sichtbar, die sich im Kopf zu einer Metzelei im Auto zusammensetzen. Das ist wie ein Blick in das fiktionale und metafiktionale Getriebe des Films.

Der gute alte Bertolt Brecht hätte sicherlich manches an Deadpool auszusetzen. Indes hätte er seine Freude daran, wie der rotkostümierte und -maskierte Rächer immer wieder die vierte Wand des Illusionismus einreißt und sich direkt ans Publikum wendet, und wie seine umständliche Erzählung, wie er zu dem geworden sei, der er ist, mit schöner Regelmäßigkeit abbricht oder Haken schlägt. Immerhin ist soviel zu erfahren: Ex-Soldat Wade Wilson verdient sich ein paar Mäuse als Schläger für bedrängte junge Damen, lernt die Stripteaselokal-Bedienung Vanessa (Morena Baccarin) kennen und innig lieben – und erfährt plötzlich, dass er Krebs hat.

Um Vanessa sein Leiden zu ersparen, verdünnisiert er sich, doch nicht, ohne das zweifelhafte Angebot einer Heilung anzunehmen, die ihn zugleich zum Superhelden machen soll. In einer Klinik, die eher wie ein Gulag-Lazarett aussieht, behandelt ihn der geheimnisvolle Francis (Ed Skrein). Den verspottet Wade so sehr, dass Francis ihn zwar vom Krebs kuriert, aber sein Gesicht völlig verunstaltet. Francis will ihn sogar töten, doch Wade entkommt. Nur kann er seinem Empfinden nach sein Gesicht niemandem mehr zeigen, weshalb er sich für die Vergeltung an Francis für die Superhelden-Laufbahn entscheidet, sich völlig in Rot verbirgt und 'Deadpool' nennt. Zusammen mit dem Riesen Colossus (Stefan Kapicic) und dessen Tochter Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) liefert er sich mit seinen Gegnern eine erbarmungslose Schlacht mit technischen Waffen und übernatürlichen Kräften.

Die fasziniert nicht unbedingt. Aber wie Ryan Reynolds mit unerschöpflich kreativer Stimmtechnik und Burleske die Nuancen der Deadpool-Persönlichkeit aufblättert, ist sehr viel Applaus wert.

Deadpool

Technisch gesehen sei das ja Mord, kommentiert Wade Wilson (Ryan Reynolds) ein eingefrorenes Szenenbild, in dem er als Superheld Deadpool auf hochgereckten, bluttriefenden Schwertern einen bulligen Mann aufgespießt hält. Mord? Eher liegt Selbstverteidigung vor. Hier wie anderswo übertreibt der ehemalige Special-Forces-Mann mal wieder gnadenlos.

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