Deadlock

Deadlock

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Ein glühender Film

„Anarchie ist Ordnung“, befand Roland Klick einmal, und sein Anspruch ist es bis heute gewesen, eben dieser der Ordnung nachzuspüren, die den Dingen innewohnt. Mehr als anarchisch geht es ebenso in seiner unvergesslichen, von der Berliner Filmgalerie 451 in den Handel gebrachten DVD Deadlock zu: Eigentlich bedeutet dieser Begriff so viel wie „Verklemmung“, und das scheint in diesem desolaten Desert-Drama mit filigranen und wohlproportionierten Anleihen vom Krimi, Drama und Italowestern noch sehr gelinde ausgedrückt.
Eine harte, unbarmherzige und alles zermürbende Sonne; so beginnt es und nimmt alles gleich vorweg, das Ende in Sicht. Alles starrt vor Dreck, der Haufen von Menschen, das Kaff draußen in der Sierra, die Dinge, die Gesichter, selbst das geklaute Geld. Wem nützt es? Was soll damit geschehen? Wenn der Überlebende am Ende Richtung Horizont geht, das Geld im Koffer, dann schreitet er auf Ruinen zu, anstatt dem sonst so romantischen Sonnenuntergang entgegen zu reiten. Diese ist symbolischer Bestandteil dieser apokalyptischen Gegenwelt, und das der perfide Schurke „Sunshine“ heißt, versteht sich ganz von selbst. Der Anfang ehelicht das Ende, denn es gibt hier nichts, wofür es sich zu leben lohnen könnte.

Mario Adorf als tölpelhaft-gemeiner Pechvogel, Anthony Dawson als alternder, cooler Killer und die große 60iger Jahre Hoffnung, Marquard Bohm, als verletzter Gangster umschleichen jenen erwähnten Geldkoffer, der aus den staubigen Bretterbuden eine tödliche Falle gemacht hat.

Was Klick hier mit absurdem Scheitern bebildert, ist unbeschreibbar, vor allem nicht definierbar, der stets vergewaltigte Begriff „Meisterwerk“ wäre hier reine Plattitüde. Keinen Zweifel, Klicks Bildanalysen sind politisch, voller Esprit und Zeitgeist, sie fokussieren den Menschen an sich. Bei ihm fehlen glücklicherweise erhobene Zeigefinger (Alexander Kluge), aufgesetzte Botschaften (Volker Schlöndorff), oder ästhetisches Dozieren wie bei Wim Wenders. Der 67jährige Klick warf zeitlebens dem oft als Autorenfilm bezeichneten „Jungen Deutschen Film“ seine Publikumsfeindlichkeit vor und suchte dem stets sein aktionsorientiertes Kino für alle entgegenzusetzen.

Nach seinem ersten Langfilm Bübchen, 1968 als Hoffnung des deutschen Films gepriesen, drehte Klick 1970 in Israel gar unter dem Schutz des israelischen Militärs einen Film mit Mario Adorf, dem von deutschen Kritikern später seine Aktionsorientiertheit zum Vorwurf gemacht wurde. Doch Deadlock, für den Klick sich hoch verschuldet hatte, wurde sein bislang größter Erfolg. Ursprünglich war die Outsider-Milieustudie als deutscher Wettbewerbs-Beitrag für das Filmfestival in Cannes geplant, wurde jedoch nach Protesten von Lobbyisten lediglich in einer Sondervorstellung gezeigt.

Roland Klick, ein Querkopf im kreativen Sinne: Seine Auftragsarbeit Wir Kinder vom Bahnhof Zoo brach Klick 1981 nach Unstimmigkeiten mit der Produktionsleitung mal eben zwei Wochen vor Drehbeginn ab. Unter immensen Finanzierungsschwierigkeiten realisierte er stattdessen zwischen 1981 und 1983 White Star mit Dennis Hopper; der gönnte sich jedoch zu viele Näschen und bescherte dem Dreh erhebliche Probleme. „White Star“ wurde zwar mit dem Bundesfilmpreis belohnt, (wie auch Bübchen , 1968, Deadlock, 1971 und Derby Fever, 1978), floppte jedoch fatal an den Kinokassen. Zwischen 1987 und 1989 entstand die Komödie Schluckauf, nach 1992 arbeitete Klick unter Pseudonym für das Fernsehen:

Kein Zweifel: Der im irischen „Exil“ lebende Roland Klick sollte es noch einmal versuchen; denn wenn der deutsche Film zurzeit wieder etwas dringend gebrauchen könnte, dann wäre das ein weiteres Werk dieses extravaganten und eigensinnigen Regisseurs.

Eigensinnig genial aber auch der Soundtrack der bislang unerreichten deutschen Band Can, die mit Soundtracks zu diversen Filmen bekannt wurden, gleichwohl aber mit avantgardistisch-experimentellen LPs schon Anfang der Siebziger eigentlich vieles vorspielten: Elektro, Punk und Indie im wahrsten Sinne der Musik.

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„Anarchie ist Ordnung“, befand Roland Klick einmal, und sein Anspruch ist es bis heute gewesen, eben dieser der Ordnung nachzuspüren, die den Dingen innewohnt.
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