Day of the Dead

Day of the Dead

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Remake Nummer?

Was lange währte, wurde ziemlich gut: 2004 erblickte das Remake des Zombiefilms Dawn of the Dead das Licht der Kinos. Eine Gruppe von Menschen flüchtet vor einer Invasion der Untoten in eine riesige Mall, muss sich miteinander arrangieren und später gegen plündernde Motorrad-Rocker verteidigen. Mit George A. Romeros Original von 1978, hatte Zack Snyders Film zwar nicht mehr viel zu tun (einzig das Grundgerüst wurde beibehalten), doch war Dawn 04 die dringend nötige Frischzellenkur, die dem Genre einen Haufen neuer Zombiefilme (u.a. 28 Days Later) bescherte. Nicht nur, dass der Horror zurückgestellt und die Action in den Vordergrund gerückt wurde, auch konnten die Zombies wieselflink rennen. Und auch die Atmosphäre wurde von Debütant Zack Snyder (300) unnachahmlich eingefangen. Oder hat schon einmal jemand solche bedrückenden „Erste Zehn Minuten“ gesehen? Großes Kino. Wer etwas anderes sagt, hat vom Horrorkino, respektive dem apokalyptischen Szenario, keine Ahnung. Punkt. Und die Charaktere; die waren zwar simpel, aber glaubwürdig. So blieben vor allem Sarah Polley als Ana (verliert ihren Mann) und Ving Rahmes als Polizist Kenneth (sucht seinen Bruder) in guter Erinnerung.
Und genau dieser Ving Rahmes bildet die (gewollte?) Brücke zum nun vorliegenden Day of the Dead-Remake. Zum besseren Verständnis sei kurz erwähnt, dass der original Day of the Dead 1985 die lose Fortsetzung von George A. Romeros Dawn of the Dead war (dem Ende der 60er Night of the Living Dead voraus ging). In Day 85 ist die Welt von den Untoten überrannt worden. Eine Gruppe Menschen, bestehend aus Ärzten und Militärs, hat sich in einem Raketensilo tief unter der Erde verbarrikadiert. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Konflikt zwischen diesen beiden Gruppen und wie sie mit dem Problem der untoten Bedrohung umgingen. Dank dem gelungenen Dawn-Remake, war die Vorfreude groß, doch muss der Rezensent nüchtern zugeben: Für sich alleine wäre Day 08 ein ordentlicher Genrebeitrag. Als Remake, das sich mit dem Titel und im Vorspann auf Romero bezieht, ist der Film schlicht ein Ärgernis.

Nahe einer Kleinstadt in Colorado. Der junge Trevor ist mit seiner Freundin Nina und einem weiteren Pärchen in einer Hütte im Wald beim Fummeln. Als Nina ihrem Lover mehr als nur Petting in Aussicht stellt, wird kurzer Hand das Lager abgebrochen und auf die heimische Couch verlegt. In der Zwischenzeit sperrt das Militär unter der Leitung von Captain Rhodes (Ving Rahmes) sämtliche Zufahrtsstraßen des nahe gelegenen Heimatortes. Unter den Soldaten befindet sich auch Trevors Schwester Sarah (Mena Suvari), die sich beim Beruhigen der Bevölkerung als ziemlich nützlich erweist, kennt sie doch die ganzen Einheimischen persönlich. Während nun eine Art Supergrippe immer schneller um sich greift und das örtliche Krankenhaus mit Infizierten überfüllt, wird die Lage ernster. Die ersten angefressenen Toten tauchen auf, die Infizierten stecken einander an und schon bald ist der ganze Ort voller blutrünstiger Zombies. Nach waghalsiger Flucht aus dem Krankenhaus und über den örtlichen Radiosender, sammeln sich die letzten Überlebenden in einem unterirdischen Laborkomplex. Hier stellt sich heraus, dass der Ursprung der Grippe ein fehlgeschlagener Versuch des Militärs war. Doch freuen können sich die Überlebenden nur kurz über diese Entdeckung, denn die Untoten sind schon in den Bunker eingedrungen…

Der Titel Day of the Dead ist pures name dropping, da der Film bis auf ein paar Namen, nichts, aber auch gar nichts, mit dem Original zu tun hat. Das dem Ganzen auch noch der Name des Regisseurs Steve Miner (Halloween H 20, Freitag der 13. II und III) vorne an gestellt wurde, ist dann nur bizarr. Doch kennt man die katastrophale Produktionsgeschichte (Drehverzögerungen, schlechte Zuschauerreaktionen, zig Nachdrehs etc.), lies sich das Ergebnis auch für Laien absehen. Leider sind die Charaktere durchweg unglaubwürdig und voller Klischees, hangeln sich durch ein dilettantisches Drehbuch, das viel viel besser hätte sein können. Nein: besser hätte sein müssen! Was sollen zum Beispiel alberne Neuerungen wie die an Decken lang krabbeldne Zombies? Schießende Zombies? Auto fahrende Zombies? Sind wir hier in den 70ern beim Großangriff der Zombies? Und den vegetarischen (!) Zombie fand der Rezensent sogar noch halbwegs originell. Wenn wenigstens Ironie im Spiel wäre, doch es gibt nur pseudo-coole One Liner, den pöbelnden Schwarzen und den fetten, kiffenden Radiomoderator.

Ärgerlich, einfach ärgerlich, ist die verschenkte Chance, an Zack Snyders Dawn-Remake anzuknüpfen. Hat man schon Ving Rahmes daraus herüber gerettet, wäre es ein leichtes gewesen, ihn als den in Dawn 04 eingeführten Bruder des dortigen Kenneth-Charakters zu übernehmen, auszubauen und die Handlung nach Fort Pastor (der potentielle Zufluchtsort in Dawn 04) zu verlegen. Doch Autor Jeffrey Reddick (Final Destination, Tamara) versagt auf ganzer Linie und Regisseur Steve Miner tut es ihm gleich. Ein Trauerspiel – für alle Beteiligten? Nein, denn die Make up-Effekte können überzeugen. Nicht das digitale Blut, das immer wieder im Überfluss herum spritzt, doch wenn Untote und Menschen zerfetzt werden, Köpfe rollen und Gliedmaße abgeschlagen werden, schlägt das Herz eines jeden Splatterfans höher.

Bleibt abschließend zu sagen, das Genrefans auf ihre Kosten kommen werden, doch sollten sie ihre Erinnerungen an Romeros Day of the Dead wegwischen und sich einfach den Titel Smalltown of the Dead dazu denken. Dann passt das alles schon. Irgendwie. Mit einem zugedrückten Auge.

Day of the Dead

Was lange währte, wurde ziemlich gut: 2004 erblickte das Remake des Zombiefilms Dawn of the Dead das Licht der Kinos.
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