Das Syndikat

Das Syndikat

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Eine italienische Genreperle in neuem Gewand

Zugegeben: Wenn man den Namen Jürgen Drews hört, denkt man gemeinhin nicht gerade an große Filmkunst, sondern eher an den Ballermann-Barden, an die Les Humphries Singers und Schlager wie „Ein Bett im Kornfeld“ und allenfalls vielleicht noch an seinen ersten Auftritt im ersten Teil der unsäglichen Die Lümmel von der letzten Bank-Reihe namens Zur Hölle mit den Paukern. Dass es beinahe mal für eine wirkliche Kinokarriere gereicht hätte, daran erinnert die großartige und längst überfällige Neuveröffentlichung der Genreperle Das Syndikat / La polizia ringrazia von Steno alias Stefano Vanzina. Sehnsüchtig erwartet wurde der Film in Fankreisen bislang vor allem deshalb, weil er als einer der besten Film des Subgenres der italienischen „poliziottesci“ gilt und zugleich als Urvater dieses in den frühen 1970ern überaus beliebten Genres.
Italien in den frühen 1970ern: Beinahe hilflos steht die Polizei einer Welle von Gewalt und Verbrechen gegenüber, die Rom und die anderen italienischen Großstädte überrollt. Anstatt die Flut einzudämmen, liefert man sich lieber Straßenschlachten mit Gewerkschaftern oder lässt die Knüppel auf die Schädel aufmüpfiger Studenten niedersausen – so zumindest sieht es die Presse. Und umgekehrt fühlt sich die Polizei von den Politikern und der Justiz zu wenig unterstützt und von den Öffentlichkeit verkannt. Die Umwälzungen der späten 1960er liegen ebenso in der Luft wie konservative Bestrebungen, den Status quo mühsam aufrecht zu erhalten. In diesem explosiven Klima soll der Leiter des römischen Mordkommissariats Mario Bertone (Enrico Maria Salerno) einen brutalen Raubüberfall mit zwei Toten aufklären. Und als sei das nicht schon schwierig genug, treibt zudem eine geheimnisvolle Gruppe ihr Unwesen, die die Straßen der Stadt von Verbrechern, aber auch Huren, Homosexuellen und Gewerkschaftlern säubert und die exekutierten Leichname vor Plakaten deponiert, die zur Sauberhaltung Roms auffordern. Zwar findet Bertone heraus, dass das Killerkommando von illustren Kreisen der Gesellschaft (einschließlich des Vatikan) unterstützt wird und dass die Taten darauf abzielen, einen rechtsgerichteten Staatsstreich vorzubereiten, doch Glauben schenkt ihm niemand. Und so ist sein Kampf ein einsamer und überaus gefährlicher…

Neben dem flotten Rhythmus und der gesunden Härte, die den Film vor allem am Ende auszeichnet, kann sich das Werk aber nicht nur sehen, sondern vor allem auch hören lassen – was definitiv an dem tollen Score von Stelvio Cipriani liegt, der die Handlung konsequent vorantreibt. Bemerkenswert an diesem wirklich gelungenen Film ist aber auch die Besetzung, die neben Jürgen Drews zudem Mario Adorf (ohne Bart!), Mariangelo Melato (kurz darauf eine der Lieblingsdarstellerinnen von Lina Wertmüller) und den großen Cyril Cusack versammelt.

Schön an dieser Neuveröffentlichung ist auch, dass der Film in ungeschnittener Fassung mit reichlich Bonusmaterial (insgesamt 124 Minuten) daherkommt. Neben einer Bildergalerie gibt es unter anderem Interviews mit dem deutschen Co-Produzenten Dieter Geissler, dem Bestsellerautor Peter Berling und natürlich mit dem König von Mallorca höchstselbst.

Für Fans des italienischen Genrekinos der späten 1960er und frühen 1970er Jahre ist dies jedenfalls ein echtes Schmuckstück für die Sammlung.

Das Syndikat

Zugegeben: Wenn man den Namen Jürgen Drews hört, denkt man gemeinhin nicht gerade an große Filmkunst, sondern eher an den Ballermann-Barden, an die Les Humphries Singers und Schlager wie „Ein Bett im Kornfeld“ und allenfalls vielleicht noch an seinen ersten Auftritt im ersten Teil der unsäglichen „Die Lümmel von der letzten Bank“-Reihe namens „Zur Hölle mit den Paukern“. Dass es beinahe mal für eine wirkliche Kinokarriere gereicht hätte, daran erinnert die großartige und längst überfällige Neuveröffentlichung der Genreperle „Das Syndikat“ / „La polizia ringrazia“ von Steno alias Stefano Vanzina.
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