Das Spiel der Macht

Das Spiel der Macht

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Große Hoffnungen, große Enttäuschungen

Louisiana in den Fünfzigern: Im politischen Establishment seines Staates ist Willie Stark (Sean Penn) ein Außenseiter, der sich nicht auf die Machtspiele der Reichen und Mächtigen einlässt und der beharrlich gegen Korruption und Machtmissbrauch ankämpft. Sein Eintreten für die Schwachen und die Benachteiligten macht ihn nicht gerade beliebter, doch seine große Stunde schlägt, nachdem ein unsachgemäß errichtetes Schulgebäude ins sich zusammenbricht. Stark, der als einziger gegen die undurchsichtige Auftragsvergabe beim Bau der Schule eingetreten ist, wird plötzlich ernst genommen und erhält sogar Unterstützung aus den Reihen des Establishments, das ihn vorher noch energisch bekämpfte. Auf Drängen seiner neuen Verbündeten bemüht sich Stark um den Gouverneursposten des Staates und holt sich den Journalisten Jack Burden (Jude Law) an seine Seite. Doch erst als der ihm reinen Wein einschenkt, dass Stark lediglich für die Ziele anderer instrumentalisiert werden soll, wacht der Politiker auf und legt sein ganzes Herz in den Wahlkampf. Der Liebling der Armen und Schwachen wird schließlich unerwartet zum Gouverneur des Staates gewählt. Doch seine Gegner schmieden längst Pläne, wie sie den unbequemen Parvenü wieder loswerden können. In die folgende Schlammschlacht wird auch Jack Burden hineingezogen, denn einer der profiliertesten Gegner Starks ist ausgerechnet Richter Irwin (Anthony Hokins) – der Pflegevater des Journalisten. Und so nimmt der Kampf um die Macht immer verbissenere und persönlichere Züge an, bis er schließlich tragisch endet…
Eigentlich hatte Das Spiel der Macht / All the King’s Men beste Voraussetzungen, um für einiges Aufsehen zu sorgen. Der Film basiert auf einem preisgekrönten Roman, für den dessen Autor Robert Penn Warren im Jahre 1947 den Pulitzer-Preis entgegennehmen konnte. Darüber hinaus beruht der geschilderte Fall auf authentischen Ereignissen rund um den Gouverneur Huey P. Long aus Louisiana, der in den Dreißigern äußerst populär war. Auch Steve Zaillian ist nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt, konnte er doch für sein Drehbuch zu Schindler’s List / Schindlers Liste einen Oscar in Empfang nehmen. Und dann sind da noch die exquisiten Schauspieler, angefangen von Sean Penn und Jude Law über Kate Winslet und Patricia Clarkson bis hin zu Sir Anthony Hopkins – ein Cast, der Großes verspricht. Dass der Film trotzdem scheitert – und zwar auf der ganzen Linie – dafür gibt es viele Gründe, und fast alle davon wiegen schwer. Da ist zum einen ein Drehbuch, das es immer wieder schafft, vom Kernpunkt der Geschichte abzuschweifen, indem es aufgesetzt wirkende Liebesgeschichten verfolgt und zwischen Jack Burden und Willie Stark hin und her springt, als könne es sich nicht entscheiden, wessen Geschichte hier wirklich erzählt wird. Hinzu kommt, dass die Verbindung der beiden Protagonisten niemals wirklich plausibel gemacht wird – und schlimmer noch: Sie gestehen sich sogar selbst ein, dass sie keine Ahnung haben, was sie eigentlich verbindet. Darüber hinaus erscheint vor allem Sean Penn als Schauspieler beinahe übermotiviert, was der Glaubwürdigkeit seiner Rolle und dem gesamten Film nicht gerade gut tut. Ein richtiggehendes Ärgernis ist vor allem die Musik von James Horner; sie ist dermaßen bedeutungsschwanger und kitschig, dass sich der Zuschauer des Öfteren im wahrsten Sinn des Wortes im falschen Film glaubt.

Das Spiel der Macht / All the King’s Men ist die weitgehend misslungene Aufarbeitung politischer Mechanismen, ein Thema, das in Zeiten wie diesen eigentlich eine liebevollere und sorgfältigere Behandlung verdient hätte.

Das Spiel der Macht

Louisiana in den Fünfzigern: Im politischen Establishment seines Staates ist Willie Stark (Sean Penn) ein Außenseiter, der sich nicht auf die Machtspiele der Reichen und Mächtigen einlässt und der beharrlich gegen Korruption und Machtmissbrauch ankämpft.
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