Das perfekte Geheimnis (2019)

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Sieben Freunde versammeln sich zu einem häuslichen Abendessen und lassen sich auf ein gewagtes Spiel ein. Alle eingehenden Handy-Nachrichten und -Anrufe sollen offengelegt werden. Bald purzeln die Enthüllungen und selbst scheinbar gefestigte Freundschaften und Paarbeziehungen geraten ins Wanken.

Das perfekte Geheimnis (2019)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Passt bloß auf eure Handys auf!

Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Eva (Jessica Schwarz) haben Gäste zum Abendessen eingeladen. Auf der Terrasse ihrer Wohnung wird man die angekündigte Mondfinsternis sehr gut beobachten können. Roccos Freunde, die er seit Kindertagen hat, trudeln ein, zwei mit Partnerinnen, einer solo. Die Psychotherapeutin Eva liegt gerade im Clinch mit ihrer 14-jährigen Tochter Sophie (Emily Kusche), in deren Tasche sie Kondome gefunden hat. Der Fall kommt zur Sprache und zum Test. Um herauszufinden wie es um die Offenheit der Freunde untereinander steht, schlägt Eva ein Spiel vor: Jeder soll während des Essens sein Handy auf den Tisch legen. Eingehende Nachrichten müssen vorgelesen, Anrufe auf Lautsprecher gestellt werden.

Eva misstraut ihrem Gatten, dem Schönheitschirurgen, der so entspannt wirkt, so gut mit der Tochter umgeht und seine gute Laune folglich einer Geliebten verdanken könnte. Simon (Frederick Lau), der Taxifahrer und Lebenskünstler, will sein Handy partout nicht auf den Tisch legen, aber seine Verlobte Bianca (Jella Haase) überredet ihn dazu. Auch die anderen machen mit und so nimmt zwischen Tapas, Zwischengerichten, Schokohühnchen und Dessert ein sich langsam aber sicher steigerndes Desaster seinen Lauf. Was eine vergnügliche, ja spritzige Komödie im Stil von Der Gott des Gemetzels hätte werden sollen, krankt leider schon an der völlig abstrusen Grundidee. Im Ernst, wer würde sich auf so ein Spiel einlassen, schon mal prinzipiell, und dann erst recht, wenn er oder sie ja weiß, dass die Aufdeckung einer kompromittierenden Beziehung droht?

So erstaunt es umso mehr, dass es sich bei dieser Komödie von Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin (Fack Ju Göhte-Trilogie) um das deutsche Remake eines italienischen Erfolgsfilms von 2016 handelt. Perfetti sconosciuti von Paolo Genovese lockte allein in Italien 2,7 Millionen Besucher ins Kino und wurde bereits in mehreren Ländern adaptiert. Ja nun, wenn die ersten Botschaften auf den Handys eintrudeln, Misstrauen und Missstimmung zwischen den Paaren schüren, entsteht der Eindruck, dass es diesen Leuten einfach zu gut geht. Ein Abendessen in freundschaftlicher Atmosphäre wäre wohl zu langweilig gewesen, nun aber verheißt jede neue Nachricht die spannende Möglichkeit einer enthüllten Affäre. Dass auch die ständige Frage, wer mit sonst noch wem ins Bett geht, ebenfalls langweilen kann, kommt den Beteiligten nicht in den Sinn.

Erstaunlich ist übrigens auch, was in dieser Runde so alles verzehrt wird, denn allein schon die Tapas sehen üppig genug aus für eine zwölfstündige Sättigung. Hausherr Rocco kocht gerne und aufwändig, aber leider nicht immer gut – der eine oder andere Leidtragende greift da schon mal zu heimlichen Abwehrmaßnahmen. Es wäre vielleicht gar nicht uninteressant gewesen, mehr über diese verquere Liebe Roccos zum Kochen zu erfahren, allein, das Thema wird nicht weiter verfolgt. Rocco liebt seine verspannte Frau und ist ein guter Vater, mehr als diese Attribute bekommt der von Wotan Wilke Möhring recht unkompliziert dargestellte Charakter nicht. Wenn er dann aber seiner anrufenden Tochter am Telefon einen Vortrag über die erste Liebesnacht hält, wird klischeehafter Schmalz mit der Schöpfkelle serviert.

Eva ist kühl, reserviert und unzufrieden. Jessica Schwarz spielt sie souverän und undurchschaubar, aber der Charakter geht ja ebenfalls nicht in die Tiefe. Auch Frederick Lau hat als der leicht prollige, oft nur missgelaunt dreinschauende Simon eine Rolle, die ihm nichts Neues abverlangt. Als seine fröhliche Verlobte Bianca bringt Jella Haase frischen Wind in die Runde. Sie weckt zudem mit ihren Schauspielkollegen Karoline Herfurth und Elyas M‘Barek in der Rolle des Ehepaars Carlotta und Leo Erinnerungen an die Fack Ju Göhte-Filme. Carlotta und Leo haben als Eltern von Zwillingen im Kleinkindalter eine Ehekrise. Carlotta kehrte in den Beruf bei der Werbeagentur zurück und reibt sich auf, greift zur Flasche. Leo gibt den ebenfalls wenig glücklichen Hausmann und fühlt sich von den Spielplatzmüttern nicht akzeptiert. Last but not least wäre da noch der Lehrer Pepe (Florian David Fitz), der zur Enttäuschung aller ohne seine neue Freundin erschienen ist.

Es geht also nicht nur um Seitensprünge in dieser Komödie, sondern auch um Elternschaft und Beruf, außerdem um die Gratwanderung zwischen Offenheit und Abschottung in einer Ehe, um Homophobie. Irgendwann geht ein Glas zu Bruch, gibt es die eine oder andere Ohrfeige. Nicht alle Paare werden diesen Abend überstehen. Die fehlende inhaltliche Spannung und Relevanz der sich hochschraubenden Enthüllungs- und Kränkungsspirale wird teilweise durch Dialogwitz kompensiert. Die Charaktere legen alle, so weit wie möglich, Wert auf unbekümmerte, entspannte Coolness und erlauben sich gegenseitige Frotzeleien. Simons berufliche Unstetigkeit, seine unglücklichen Jobs – einmal war er Fotomodell für ein abschreckendes Bild auf Zigarettenpackungen — sorgen nicht nur in der Runde, sondern auch im Publikum für Heiterkeit.

Das Tempo des Schlagabtauschs ist flott und oberflächlich und dadurch entsteht durchaus zeitweise der Eindruck einer anregenden Runde. Selbst die unsichtbaren Anrufer sind prominent besetzt, vielleicht erkennen einige Katja Riemann, Alexandra Maria Lara und andere Filmschauspieler*innen an der Stimme. Allein, die Nöte der Charaktere lassen einen kalt, der Boulevardstil wirkt auf Dauer eher aufgesetzt als charmant und natürlich. Wegen der bekannten und beliebten Darsteller*innen ist die Komödie zwar nett anzuschauen, bietet aber doch nur aufgeschäumte Trivialität.

Das perfekte Geheimnis (2019)

Drei Frauen. Vier Männer. Sieben Telefone. Und die Frage: wie gut kennen wir unsere Liebsten wirklich? Bei einem Abendessen wird über Ehrlichkeit diskutiert. Spontan entschließen sich die Freunde zu einem Spiel: Alle legen ihre Smartphones auf den Tisch und alles, was ankommt, wird geteilt, Nachrichten werden vorgelesen, Telefonate mitgehört. Was als harmloser Spaß beginnt, artet bald zu einem großen Durcheinander aus – voller Überraschungen, Wendungen und Offenbarungen. Denn in dem scheinbar perfekten Freundeskreis gibt es mehr delikate Geheimnisse, als man am Anfang des Abends annehmen konnte.

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Meinungen
Nicole L. · 24.11.2019

Ich habe selten so gut und viel gelacht. Ein toller Film. Sehr zu empfehlen.

Coin Master · 23.11.2019

Ist gans ok. Jo, geht gerade noch.

Susanne · 22.11.2019

Der Film ist mega lustig! Ich habe Tränen gelacht.
Vielleicht ist er nicht nachdenklich genug, vielleicht ist er nicht tiefgründig genug für manche Leute. Aber das ist auch gar nicht der Anspruch. Er soll gut unterhalten, entspannen. Und den stressigen Arbeitsalltag mal vergessen lassen. Und das schafft er mit Bravour!
Große Klasse!

Frane B. · 18.11.2019

Gerade war ich in diesem Film und muss diesen kommentieren. Für meinen Geschmack: Top, wie besser nicht geht. Erste Sahne. Hatte richtig Spass und gute Laune, auch wenn es kein grosses Kino war. Aber das Thema traf den Zahn der Zeit uns ALLE Darsteller haben es bestens gespielt. Töfte obszöne Sprüche, witzig, real und kurzweilig. Tip Top. Auch wenn es andere nichts sehen, die hier kommentieren. Nach all den Langweilerfilmen die letzte Zeit, mal wieder Pipi in den Augen gehabt vor Lachen. Schade, dass ich keine Zeit zum mitdrehen hatte, liebe Darsteller(-innen). Das war schade! In der Besetzung bin ich das nächste Mal wieder im Kino.

Christiane H. · 18.11.2019

Die ersten 10 Minuten so langweilig, dass ich bereits schon gehen wollte. Der Rest, einfach nicht mein Humor. Ein Film, den man sich anschauen kann, weil das bereits ne Million Menschen gemacht haben,- muss man aber nicht.

Dieter · 16.11.2019

Es wäre schön wenn es mehr so tolle Filme geben würde.Wir haben uns sehr schön amüsiert.Ein richtig toller Film. Alle Besucher im Kino haben laut gelacht, wir auch. So macht "Kinoggucken" richtig spass. Wir sind (meine Frau und ich) 63 Jahre alt oder jung.

Katrin · 06.11.2019

Das Perfekte Geheimnis ist eine billige kommerzielle Komödie, die das Ziel hat, die anspruchslose Masse in die Kinosäle zu locken. Der Cast besteht aus den üblichen Verdächtigen. Teeniestar meets Beauty-Darsteller.
Das Konzept scheint aufzugehen. Schon über eine Million Zuschauer am ersten Wochenende.
Fazit: Constantin Film ist die Bildzeitung der Filmindustrie. Klischees, peinliche Rollenbilder und Oberflächlichkeiten reihen sich aneinander. Masse statt Klasse ist hier die Devise.

Irmgard · 05.11.2019

Ich hoffe, das Bora so weitermacht. Ich habe mich mit meinen 70 Jahren von Anfang bis Ende köstlich amüsiert. Das ist für mich der Anspruch an eine Komödie. Wer die erdacht hat ist mir herzlich egal und die ganze Besserwisserei und "hochintelligenten Kommentare" sind völlig für die Füsse. Wichtig ist: Wir haben uns amüsiert, und das auf einem hohen Niveau.

Erik V. · 04.11.2019

An alle Superexperten, die sich hier ernsthaft beschweren, daß die Story abgekupfert wäre. Der Film ist nicht auf gemeine Art geklaut worden, sondern ein offizielles REMAKE des italienischen Films, von dem es mittlerweile 18 Remakes gibt. Die Original-Autoren und Produzenten haben dafür jede Menge Geld bekommen. Und sie bekommen noch mehr, denn sie sind natürlich gewinnbeteiligt - Und am ersten Wochenende sahen diesen Film in Deutschland mehr als 1 Million Zuschauer. Das ist ungefähr soviel, wie alle anderen deutschen Filme des Jahres zusammen bis dato erreicht haben. Soviel zur riesigen Beliebtheit des deutschen Arthousefilms.:) Ohne Leute wie Bora Dagtekin und Elyas M Barek liefen Film aus Deutschland praktisch ohne Zuschauerbeteiligung. Bitte akzeptiert: Es gibt auch ein Publikum, das in Multiplexe geht. Das sich amüsieren will. Das sich erfreut, diese deutschen Stars zu sehen. Ist doch ok! Soll Kino denn eine elitäre Nummer werden?
Warum übrigens die Schauspieler des Films als Darsteller*Innen bezeichnet werden, bleibt das politisch korrekte Geheimnis der Kritikerin. Finde ich hochinteressant. Denn es spielen in dem Film kein einziger Darsteller und keine einzige Darstellerin mit, die sich von * angesprochen fühlen könnten. Diese streberhafte politische Korrektheit ist übrigens auch das Problem der meisten deutschen Arthouse Filmchen - wie zum Beispiel "Deutschstunde". Als ob Filmemachen eine Unterrichtsstunde in der Schule wäre. 1 mit *. Brav. Spießig. Dann lieber ehrliche, gut gemachte, offen kommerzielle Filme wie die von Bora Dagtekin.

Inga · 13.11.2019

Dann ist es ja noch trauriger, wie ich vermutete.
Ich persönlich finde es peinlich, einen Film, der anscheinend das 18. (!!!) Remake ist, so zu feiern und hoch zu jubeln.
Anschauen kann es sich, wer möchte. Und ich beschwere mich nur, dass solche Filme total gehypt werden (sorry, muss es an der Stelle nochmal wiederholen....das 18 Remake - ich krieg echt die Tür nicht zu :-D) und andere total untergehen und kaum Beachtung finden.
Für mich unfair!

Eric · 18.11.2019

Wer feiert und jubelt den Film denn hoch, Inga? In erster Linie nur das Publikum.Verstehe nicht ganz, wieso Dich das sauer macht. Solange auch andere Filme im Kino laufen, die Dich mehr interessieren und amüsieren, ist doch alles ok! Aber es ist wichtig, daß es solche deutschen Filme gibt, die Blockbuster werden können. Sonst kann man den Laden gleich komplett zumachen. Deutsche Arthouse Filme spielen zu 99 Prozent nicht ihr Budget ein, sie werden in erster Linie vom Staat, bzw der Filmförderung finanziert. Um solche Filme zu finanzieren, braucht man auch die Millionen von Bora, die er der Filmförderung zurückzahlt. Ist doch ganz ok, als System, oder?
Und wenn es Dich wundert, warum die Filme von Leuten wie Bora so erfolgreich sind, vielleicht lässt Du Dich ja mal darauf ein, wirklich realistisch zu sehen, wie unfassbar gute Dialoge er schreibt. Die sind einfach wirklich gut getimed, unterhaltsam, pointiert, clever. Das ist eine andere Liga als viele andere. Darin liegt sein Erfolg. Kann man auch durchaus respektieren ohne "haten" zu müssen.

Irene · 03.11.2019

Wie ist es mir völlig egal, ob der Film eine italienische Vorlage hatte oder nicht!!!
Es hat total Spaß gemacht ihn zu sehen, ein toller Streifen, super gespielt! Sehr zu empfehlen!
Zum Glück identifiziere ich mich nicht mit der Nation in der ich lebe, was für ein Segen.
Italiener hatten diese Idee, Deutsche haben sie aufgegriffen, ja wunderbar!
Gelungen, das Zusammenspiel!

Martin Betzwieser · 30.10.2019

Die Deutschen sind nicht mal mehr in der Lage, eigene schlechte Filme zu machen, sondern kopieren erfolgreiche Stoffe aus dem Ausland.
Til Schweiger kopiert eine erfolgreiche Komödientrilogie aus Dänemark (KLASSENTREFFEN 1.0). Sönke Wortmann kopiert den französischen VORNAMEN und die hier kopieren das da aus Italien. Und wieder meint man, dass es in Deutschland nur sieben, acht Darsteller einschließlich der halben FACK-JU-GÖTHE-Baggage gibt. Und fast ist man froh, die Clans von Schweiger und Schweighöfer nicht sehen zu müssen.

Steffen · 27.10.2019

Die Franzosen habens aber auch nur von den Italienern abgekupfert: Perfetti sconosciuti ist die Vorlage.

Ich · 22.10.2019

Ein Armutszeugnis für den deutschen Film, so dermaßen von LE JEU abkupfern zu müssen, weil einem selber nichts mehr einfällt. Ich kann hierin keine besodere Leistung erkennen. Germany no points.

Inga · 13.11.2019

Danke! Und ich dachte schon, ich bin die Einzige, die das so sieht.
Unfassbar! Eine 1:1 Kopie des französischen Originals (und ich meine wirklich 1:1 - alle Charaktere sind absolut identisch) so zu feiern!
Einfach nur traurig und, da gebe ich dir völlig recht, ein Armutszeugnis sondergleichen. Für so eine "Leistung" würde ich gerne Negativpunkte vergeben.

Katyes · 14.10.2019

Schade, dass dir Story kopiert ist.
LE JEU - nichts zu verbergen

Lisa · 06.08.2019

Die Besetzung ist super, die Handlung allerdings nur von "Le Jeu - Nichts zu verbergen" abgekupfert.

Gordon · 10.11.2019

Dein Ernst? Es ist ein Remake (und ein besseres noch dazu). Nichts zu verbergen ist auch nur eine Kopie des italienischen Originals.

Kommentare

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