Das Netz

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Wer ist Theodore J. Kaczynski?

Was hat Computertechnik mit den Flower-Power-Hippies, was Mathematik des 20. Jahrhunderts mit Terrorismus, was Bewusstseinsforschung der 50er Jahre mit Paranoia zu tun? Die Antwort auf diese und noch etliche anderen Fragen, fasste der Berliner Tagesspiegel recht ratlos zusammen: „Deckt nicht nur verborgene Zusammenhänge auf, sondern bringt einfach nur Dinge zusammen, die bisher noch nicht zusammengefasst wurden“, fabulierte nebulös die Tageszeitung an der Spree.
Fakt ist: 1930 erschüttert der Wiener Mathematiker Kurt Gödel mit seinen Unvollständigkeitssätzen die Grundlagen der Mathematik. 1968 arbeitet der Physiker und Ingenieur Heinz von Foerster in seinem Biological Lab an der Universität von Illinois an der Verschmelzung von digitalen und biologischen Systemen. 1995 verhaftet das FBI in der Wildnis Montanas den ehemaligen Mathematik- Professor Theodore J. Kaczynski als den so genannten „Unabomber“. Was verbindet diese Personen, Orte und Ideen zu einem Netz? Die Suche nach einer Antwort führt weit zurück in die 40er bis 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück; jene Epoche, in der sich Wissenschaft, Kunst und Technologie die Horizonte nach allen Seiten öffneten. Mit Kybernetik, Multimediakunst und militärischer Forschung wurden die Fundamente der Moderne neu postuliert. Die Basis für heute weltweit vernetzte Maschinensysteme, die von Mathematik, Internet, Logik und binären Codes bestimmt wurden. Das Netz exponiert eben jene Konstrukteure, Maschinisten und Agenten dieser verwirrenden und unendlichen Systeme.

Irgendwo im Wald begann es, und in einem gewissen Sinn kehrt Lutz Dammbeck (Dürers Erben, Das Meisterspiel) immer wieder dorthin zurück. In Wald und Flur zurück wollte schon Henry David Thoreau (1817-62) die Amerikaner bewegen. Dies aber zu einer Zeit, als viele ihn noch gar nicht verlassen hatten. Thoreaus Buch Walden oder das Leben in den Wäldern avancierte zum Kultbuch der Antitechnik-Strömungen und einer „Zurück-zur-Natur“-Generation à la Jean-Jaques Rosseau. Dort strandete ebenso der Thoreau-Leser Ted (eigentlich Theodore John) Kaczynski. Der einstens geniale Mathematiker mit Harvard-Abschluß werkelte sich dort Anfang der 70er Jahre ein Haus gemäß Thoreaus Prinzipien zusammen, ohne fließend Wasser und Strom, jedoch mit seinem indiiduellen amerikanischen Traum. Im Jahr 1996 wurde er verhaftet, und schmachtet seitdem hoffnungslos hinter Gittern.

Warum? US-Ermittlungsbehörden, Staatsanwaltschaft und Gericht sind überzeugt, dass es sich bei Kaczynski um den legendären „Unabomber“ handelt. Dieser — laut FBI — „intelligente Einzeltäter“ verübte zwischen 1978 und 1995 per Briefbomben eine umfangreiche Attentatsserie, die gegen Wissenschaftler und Chefs von Fluggesellschaften richtete (der Name ist ein Kürzel für University und Airlines). Dabei ließen drei Menschen ihr Leben, 23 weitere wurden verletzt.

Kaczynskis Gedanken, sein Schicksal und die immer noch quälenden, offenen Fragen zu dieser komplexen Thematik, bilden den Ausgangspunkt der filmischen Analyse des Dokumentarfilm-Künstlers Lutz Dammbeck. Eine epische und enervierende Zelluloid-Analyse über LSD, Mind-Control, Mathe, Kunst und Adorno. Und die ist packender als mancher Hochglanz-Thriller; allein die Interviews mit namhaften Persönlichkeiten garantieren Gänsehaut pur.

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Als am 3. April 1996 der ehemalige Mathematikprofessor Theodore J. Kaczynski in den Bergen Montanas verhaftet wurde, ging ein Aufatmen durch die amerikanische Öffentlichkeit.

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