Das Leben, ein Pfeifen

Das Leben, ein Pfeifen

Eine Filmkritik von Mirela Halac

Eine Hommage an das Leben

„Das Leben geschieht während du gerade etwas anderes machst.“ Eines der wohl bekanntesten Zitate von John Lennon führt uns in die Welt Havannas und seiner Bewohner. Regisseur Fernando Perez, bekannt durch seine im Jahre 2003 entstandene Dokumentation Suite Habana, bewegt den Zuschauer bereits mit Lennon’s philosophischer doch banaler Aussage zum Nachdenken. Und dies soll erst der Anfang sein.
Mariana (Claudia Rojas), eine junge Balletttänzerin, kämpft um die Rolle der „Giselle“ in einem Ballettstück, während sie ihrer Leidenschaft für Männer nur schwer widerstehen kann. Ihrer „Sünde“ bewusst verspricht sie vor Gott Enthaltsamkeit, so er ihr nur die sehnsüchtig erwünschte Rolle gebe. Der Tagelöhner und Rumtreiber Elpidio (Luis Alberto Garcia) sucht nach seiner Mutter Cuba – welch ironischer Name – die ihn in jungen Jahren als Nichtsnutz wortlos zurückließ. Schier wahnsinnig vor Verzweiflung versucht er mit seiner Musik einen Weg zurück zu finden. Bei dem Wort Sex wird die hingebungsvolle und selbstlose Altenpflegerin Julia (Coralia Veloz) von Ohnmachtsanfällen heimgesucht, während sie scheinbar ein lang verdrängtes Geheimnis immer wieder heimsucht.

Die drei Geschichten in der kubanischen Hauptstadt Havanna werden uns scheinbar zusammenhangslos von der 18-jährigen Bebé (Bebé Pérez) erzählt: Über allem stehend, die Geheimnisse und Wahrheiten kennend, lässt sie uns voyeuristisch am Leben der drei Hauptdarsteller teilhaben, um erst am Ende den Climax zu enthüllen. Surrealistisch untermalt, taucht Bebé auf und versucht rebusartig ihre Geschichte mitzuteilen und im Zuschauer selbst eine Gedankenflut auszulösen. Angst und Glück gleichermaßen stellen die zentralen Themen und somit den roten Faden von Das Leben, ein Pfeifen dar – die drei Charaktere haben trotz ihrer Unterschiedlichkeit die gleichen Probleme. Ihre Ängste, Sorgen und Wünsche spiegeln sich wiederum in jedem Bewohner Havannas wieder.

Fantastische Bilder, eine gelungene musikalische Untermalung und die mit Religiosität und Mystik gespickten Szenen sorgen trotz ihrer Schönheit auch für Verwirrung hinsichtlich der Frage, ob es sich nun um Realität oder Fiktion handelt.

Der im Jahre 1999 als Geheimtipp gehandelte Film wurde zum Liebhaber der Visualisten – ob in Sundance oder Berlin – La Vida es silbar, so der Originaltitel, wurde stets für seine eindrucksvollen Bilder gelobt. Ohne wirklich politisch zu werden, schafft es der Regisseur mit (soll natürlich mit heissen) seinem humorvollen Drama eine gesellschaftliche Metapher zu entwickeln, in der Freiheit, Liebe und das ewige Streben nach Glück und Selbstbestimmung der oft verschwiegene und verdrängte Fokus einer jeden Gesellschaft sind. Wie ein Bild von Dalí eröffnet sich Das Leben, ein Pfeifen jedem Zuschauer auf seine ganz eigene Art – jedes Element kann als Ganzes oder als Teil eines Ganzen betrachtet werden.

Für Liebhaber des Regisseurs Emir Kusturica ist dieses Werk wärmstens zu empfehlen. Ähnlich wie bei Kusturica lässt sich die Botschaft nicht bei der ersten Vorstellung erkennen, vielmehr schließt sich der Kreis erst durch eigene Gedanken und Auslegungen.

Das Leben, ein Pfeifen

„Das Leben geschieht während du gerade etwas anderes machst.“ Eines der wohl bekanntesten Zitate von John Lennon führt uns in die Welt Havannas und seiner Bewohner.
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