Das Konklave

Das Konklave

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Donnerstag, 26. März 2015, SWR, 23:15 Uhr

Nachdem er bereits einige Filme und auch Serienfolgen für das Fernsehen hierzulande gedreht hatte, legte der Regisseur Christoph Schrewe 2006 mit der deutsch-kanadischen Koproduktion Das Konklave seinen ersten Kinofilm vor, der aus der Perspektive eines jungen Kardinals von der Papstwahl des Jahres 1458 erzählt, aus welcher letztendlich Aeneas Silvius Piccolomini – besser bekannt als Pius II. – als neues Oberhaupt der katholischen Kirche hervorgeht. Ostern naht, und damit präsentiert vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm zunehmend Stoffe aus religiösen Zusammenhängen, wobei dieses geschichtsträchtige Drama mit seiner Konzentration auf die komplexen Vorgänge zuvorderst innerhalb, aber ferner auch außerhalb des Konklaves in Rom hinsichtlich der politischen Hintergründe sicherlich einen Nischenfilm zu diesem ganz speziellen Thema darstellt.
Als sein Onkel, der amtierende Papst Kalixt III. (Joseph Rutten) aus dem spanischen Adelsgeschlecht der Borgia, nach drei Jahren seiner stark nepotistisch orientierten Herrschaft auf dem Sterbebett liegt, ist auch die begünstigte, komfortable Position von Rodrigo Borgia (Manu Fullola) gefährdet, der sehr jung zum Kardinal geweiht wird und an sich mit seiner Geliebten Vanozza (Nora Tschirner) ein sorgloses Leben ohne ausgeprägte Ambitionen zur klerikalen Berufung führt. Nach dem Tode Kalixt III. aber stellt Rodrigo sich trotz der furchtsamen Flucht anderer der Borgia nahen Würdenträger seiner Aufgabe, am Konklave zur Wahl eines neuen Papstes in Rom teilzunehmen und stößt zur geschlossenen Gesellschaft von insgesamt achtzehn Kardinälen, die sich diesbezüglich zurückziehen und in die Debatte über einen geeigneten Nachfolger eintreten. Als Favorit wird der Franzose Guillaume d’Estouteville (James Faulkner) gehandelt, der allerdings so energisch wie polemisch von Kardinal Aeneas Silvius Piccolomini (Brian Blessed) aus Siena attackiert wird, der sich selbst als Kandidaten für das Amt des Papstes vorschlägt und auch einige Unterstützer im Kreise der Entscheidungsbefugten zu gewinnen versteht. Zunächst noch beobachtend und zurückhaltend kann sich Rodrigo, der sein Recht auf den Vorsitz der Konferenz als Vizekanzler der Kirche zu Beginn dem dienstältesten Teilnehmer – ausgerechnet Guillaume d’Estouteville – überträgt, innerhalb der Runde überwiegend alter, ausgebuffter Kirchenpolitiker allmählich eine respektable Position verschaffen. Als die verhärteten Fronten eine gültige Entscheidung verhindern, ist Rodrigo derjenige, der ganz im Sinne der eigenen und auch familiären Interessen der Borgia seinen zunächst geschickt verborgenen Einfluss einbringt …

Ohne Anspruch auf akribische historische Präzision, sondern vielmehr als stimmungsvolles Charakterspiel dicht inszeniertes Drama zuvorderst auf dem stark begrenzten Territorium der Kardinalsversammlung, haftet Das Konklave mit seinen wortreichen wie -gewandten Kaskaden das Ambiente eines von machthungrigen Männern beherrschten Sitzungsfilms an, dessen Qualitäten in ebendieser Unruhe, Stimmung und Diskurskultur begründet liegen. Dabei erhält die ambivalente Figur des historischen Rodrigo Borgia – von 1492 bis zu seinem Tod 1503 als Papst Alexander VI. im Amt – hier die Deutungsmacht über die fiktiven Ereignisse, deren Rekonstruktion auf den Tagebüchern des späteren Pius II. beruht. Auf diese Weise ensteht ein konzentrierter, konspirativer Krimi in Sachen Klerus, der vor dem Hintergrund der brodelnden Machtinteressen deutlich für eine humanistische, an Fragen des Glaubens und der Menschheit orientierte Grundhaltung in den obersten Etagen der Kirchenhierarchie plädiert und dabei wohlweislich die tatsächliche spätere Entwicklung jenes jungen Borgia-Kardinals unterschlägt, der hier zum Helden einer kleinen Geschichte innerhalb der ganz großen sowie zum Repräsentanten eines sich wandelnden Katholizismus avanciert.

Das Konklave

Nachdem er bereits einige Filme und auch Serienfolgen für das Fernsehen hierzulande gedreht hatte, legte der Regisseur Christoph Schrewe 2006 mit der deutsch-kanadischen Koproduktion „Das Konklave“ seinen ersten Kinofilm vor, der aus der Perspektive eines jungen Kardinals von der Papstwahl des Jahres 1458 erzählt, aus welcher letztendlich Aeneas Silvius Piccolomini – besser bekannt als Pius II. – als neues Oberhaupt der katholischen Kirche hervorgeht.
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