Das Haus der schlafenden Schönen

Das Haus der schlafenden Schönen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Berühren verboten!

Edmond (Vadim Glowna) ist ein einsamer älterer Herr, der sich seit dem Unfalltod von Frau und Tochter mit Selbstvorwürfen das Leben zur Hölle macht. War es wirklich ein Unfall, oder hat er seine nächsten Angehörigen in den Selbstmord getrieben? Sein Freund Kogi (Maximilian Schell) empfiehlt ihm schließlich zur Linderung seiner wunden Seele einen Besuch im Privatclub von Madame (Angela Winkler), wo ältere Herren einer ganz besonderen Leidenschaften frönen können: Sie bekommen narkotisierte nackte Frauen ins Bett gelegt, um so etwas wie Wärme und Nähe verspüren zu können. Allerdings wacht die Betreiberin des Etablissements streng über die Einhaltung von drei entscheidenden Regeln: 1. Kein Sex mit den Mädchen, 2. kein Kontakt mit den Mädchen, wenn sie wach sind und 3. keine Fragen. Offenbar ist das genau das, wonach sich Edmond gesehnt hat, denn er kommt nun immer häufiger ins Das Haus der schlafenden Schönen, um dort über sein Leben zu räsonieren. Immer wieder kommen ihm Gerüchte zu Ohren, dass das eine oder andere Mädchen den Rückweg aus dem Reich des Schlafes nicht mehr findet, doch Edmond verdrängt dies, denn er hat mit ganz anderen Nöten zu kämpfen: Wie soll es ihm nur gelingen, sich weiterhin trotz sich steigernder Lust an Madames Regeln zu halten?

Trotz reichlich nackten Fleisches ist Das Haus der schlafenden Schönen beileibe kein erotischer, sondern vielmehr ein morbider und mitunter depressiver Film, bei dem man sich mitunter wünscht, der Hauptdarsteller würde endlich mal eine ordentliche Dosis Viagra einwerfen. Mit tiefsinnigen Off-Kommentaren und Lebensbetrachtungen angereichert und einem Thriller-Strang aufgepeppt schwankt der Film unentschieden zwischen verschiedenen Motiven und Haltungen hin und her, ohne sich letzten Endes für eine zu entscheiden. Wirklich ergreifend ist hier nichts, weder Edmonds in Reime gefasste Gedanken über Liebe, den ersten Sex und Vergänglichkeit noch das Bewusstsein seines nahenden Todes noch die schlafenden Frauen. Auch Edmonds Trauer und seine Vorwürfe an die eigene Adresse werden – wie fast alles in diesem Film – niemals klar, so dass eine Identifikation mit dem Protagonisten oder auch nur ein ansatzweises Verstehen vollkommen ausbleibt. Die Geschichte basiert übrigens auf dem Roman Die schlafenden Schönen des japanischen Literaturnobelpreisträgers Yasunari Kawabata, und angeblich soll es ein Etablissement mit schlafenden Prostituierte tatsächlich in den Zwanzigerjahren in Berlin gegeben haben, was den Film aber auch nicht glaubwürdiger macht. Immerhin aber ist Das Haus der schlafenden Schönen atmosphärisch dicht und weiß mit guter Kameraführung die konturlose Geschichte zumindest ansatzweise zu kompensieren.
 

Das Haus der schlafenden Schönen

Edmond (Vadim Glowna) ist ein einsamer älterer Herr, der sich seit dem Unfalltod von Frau und Tochter mit Selbstvorwürfen das Leben zur Hölle macht. War es wirklich ein Unfall, oder hat er seine nächsten Angehörigen in den Selbstmord getrieben?

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Meinungen
hildegard.poettig@t-online.de · 17.01.2007

bin der gleiche Jahrgang wie der Herr Glowna. Den Film finde ich sehr anspruchsvoll aber auch gleichzeitig unendlich traurig. In was für einer zutiefst depressiven Stimmung muß sich der Hauptdarsteller gefühlt haben. Ich könnte mir auch vorstellen, daß er in das Leben zurückgefund.
hätte, wenn er nicht gestorben wäre.

Kommentare

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