Das grüne Leuchten

Das grüne Leuchten

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Einmal in die Sonne blicken

Für den 85jährigen Eric Rohmer, (eigentlich Jean-Marie Maurice Schérer), seines Zeichens französischer Film- und Theaterregisseur, Essayist, Filmkritiker und –theoretiker, ist Liebe stets ein intelligentes Spiel für intelligente Menschen; etwas, das man ernst, aber auch nicht zu ernst nehmen sollte, etwas, über das sich endlos reden läßt, genau wie man über Filme, Musik oder Philosophie redet, weil es intellektuell stimuliert. Obwohl Rohmers Filme immer zeitlich und örtlich genau definiert sind, bleiben sie doch erstaunlich zeitlos. Es entsteht so etwas wie ein ein eigener Rohmer-Kosmos, die Filme verschmelzen zu einem einzigen fantastischen Rohmer-Hauptfilm, so episch und narrativ wie eine Buchreihe.
Vor 25 Jahren beginnt Eric Rohmer mit Die Frau des Fliegers oder Man kann nicht an nichts denken (La femme de l’aviateur) 1982, Die schöne Hochzeit, (Le beau mariage), 1982, Pauline am Strand (Pauline à la plage), 1984, „Vollmondnächte“ (Les nuit de la pleine lune),1986, Das grüne Leuchten (Le rayon vert) und ebenso 1986 Der Freund meiner Freundin (L’ami de mon amie) seinen Zyklus „Komödien und Sprichwörter“.

Das grüne Leuchten, fünftes Filmwerk Werk in benannter Reihe entlehnt seinen Titel aus einer Geschichte von Jules Verne. In ihr wird bekundet, die über dem Meer untergehende Sonne erzeuge in sehr seltenen und kostbaren Augenblicken einen grünen Widerschein, eben das „Grüne Leuchten“, und der Mensch, der dies beobachte, sei von nun an mit sich selbst und der Welt in Einklang …

Es ist aber speziell die Story von Delphine (Marie Rivière), einer Pariser Sekretärin, die der urbanen Einsamkeit entfliehen möchte und doch niemanden so richtig an sich heranlassen kann. So reist sie allein in die kostbarsten Wochen des Jahres, kreuz und quer durch Frankreich, von der Normandie über Paris in den Süden. Dabei aber stets bemüht, sich mit anderen Menschen zu umgeben, um richtige Freunde zu akquirieren. Doch herbe kleine Tragödien sind die Folge: Bis ihr dann, ausgerechnet am letzen Ferientag, das grüne Leuchten am Strand von Biarritz erscheint …

Zugegeben, Action und Unterhaltungsfans sind hier fehl am Platze, zumal Rohmer sehr romanesk filmt. Seine schönen und emotional wuchtige Film-Geschichten, die ins Mark gehen, sind in sensiblen-ruhigen Bildern aufgelöst. Wer auch gute Bücher schätzt, wird nicht vor lauter Ärger grüne Galle wegen dieser bildlichen Erfahrungssuche spucken.

Das grüne Leuchten

Für den 85jährigen Eric Rohmer (eigentlich Jean-Marie Maurice Schérer) ist Liebe stets ein intelligentes Spiel für intelligente Menschen.
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