Das Grauen kam um Mitternacht

Das Grauen kam um Mitternacht

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Wie man aus zwei Filmen einen macht …

Die Roger-Corman-Produktion Das Grauen kam um Mitternacht ist ein höchst kurioser Film, da die Originalfassung und die deutsche Version sich außergewöhnlich stark unterscheiden. Die deutsche Fassung ist länger, weil zur Streckung des Films Material aus der Corman-Produktion Attack of the Giant Leeches eingebaut wurde.
Eine Raumrakete stürzt ab, der Pilot kann nur noch tot geborgen werden. Die Forscher ahnen noch nicht, dass ihr Freund nicht wirklich tot ist. Er erwacht und ein außerirdisches Monster greift an. Einer der Wissenschaftler fällt der Kreatur zum Opfer. Während der Astronaut überzeugt ist, dass der Außerirdische nur Gutes will, sind seine Freunde anderer Meinung. Sie wollen die Kreatur töten.

Der Mercator-Filmverleih war dafür bekannt, Filme zu ergänzen, wenn sie zu kurz erschienen. Manchmal wurde, wie im Fall von Das Vermächtnis des Professor Bondi, eigenes Material gedreht, hier entschied man sich jedoch, einen anderen Film auszuschlachten, was sich anbot, da Michael Emmet in beiden Hauptrollen spielt. Das nutzte man, um mitten im Film einen uninspirierten Rückblick einzubauen, der Emmets Figur bei einem Abenteuer am Amazonas zeigt. Darüber hinaus wurden die Dialoge verändert, so dass Elemente wie die Eier im Leib des Astronauten komplett verschwinden. Das ist kurios, was die deutsche Fassung, die auf dieser DVD ebenfalls enthalten ist, zu einem interessanten filmhistorischen Kuriosum macht und Einblicke gewährt, wie Filmverleiher in den 60er Jahren arbeiteten.

Besser, da homogener, ist die Originalfassung, die mit einer Laufzeit von 60 Minuten recht flott daherkommt. Bemerkenswert an Das Grauen kam um Mitternacht ist der Umstand, dass es einen Diskurs darüber gibt, wie man dem außerirdischen Monster begegnen soll. Der erste Impuls im Science-Fiction-Film der 50er Jahre war in der Regel das Bekämpfen und Töten des Xenomorphs. Das Fremde, das Andersartige war immer auch das Furchteinflößende, dem frei von jeder Rationalität begegnet wird. Nur wenige Filme entfernten sich von dieser Formel. Das vorliegende Werk müht sich, außerhalb bekannter Konventionen zu funktionieren, auch wenn es zum Ende hin eine Kehrtwende hinlegt und bestätigt, was die Freunde des Astronauten schon von Anfang an gesagt haben.

Das unterminiert den guten Willen des Films ein wenig, täuscht aber auch nicht darüber hinweg, dass Das Grauen kam um Mitternacht zumindest mehr wagt, als es im Genrefilm der 50er Jahre die Regel ist. Ansonsten funktioniert er als Variation von Das Ding aus einer anderen Welt und zugleich als eine Art früher Protoyp von Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt.

Die Bildqualität ist bei beiden Fassungen durchwachsen, da es keine durchgehend gute Vorlage gibt. Man setzte viel Mühe darauf, aus verschiedenen Quellen die Filmfassungen so gut als möglich zu rekonstruieren. Bei der Originalfassung sind einige Stellen in OmU, was notwendig wurde, da die deutsche Synchronisation verfälschend war und nicht mit der Geschichte der amerikanischen Fassung kombinierbar war. Neben einem informativen Booklet gibt es einen Audiokommentar von Ingo Strecker und Lino Endorfino, der jedoch relativ substanzlos daherkommt. Dass mitunter Snacks verschlungen werden, während kommentiert wird, ist jenseits von Gut und Böse. Abgerundet wird das Bonusmaterial mit Super-8-Fassung, Bildergalerie und Trailers.

Das Grauen kam um Mitternacht

Die Roger-Corman-Produktion "Das Grauen kam um Mitternacht" ist ein höchst kurioser Film, da die Originalfassung und die deutsche Version sich außergewöhnlich stark unterscheiden. Die deutsche Fassung ist länger, weil zur Streckung des Films Material aus der Corman-Produktion "Attack of the Giant Leeches" eingebaut wurde.
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