Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der Sinn des Lebens

Seit fast 20 Jahren hat man nun versucht, den Klassiker aus dem Jahr 1947, in dem Danny Kaye die Hauptrolle spielte, neu zu verfilmen. Regisseure und Stars sind gekommen und gegangen, mit Ben Stiller wurde es nun aber wirklich ernst. Herausgekommen ist einer der schönsten Filme des Jahres, der sich trotz locker-leichter Unterhaltung mit den ganz großen Themen beschäftigt, nämlich der Frage, was der Sinn des Lebens ist.
Walter Mitty (Ben Stiller) arbeitet beim "Life Magazine", das eingestellt und durch eine Online-Variante ersetzt wird. Viele Mitarbeiter wird das den Job kosten. Für die letzte Ausgabe soll ein von Starfotograph Sean O’Connell (Sean Penn) gemachtes Foto das Cover zieren. Es drückt, so O’Connell, die Quintessenz des Lebens aus, aber Walter kann es nicht finden. In der Reihe der Negative fehlt es, weswegen sich Walter auf die Spurensuche begibt. Er sucht nach O’Connell, verlässt seine eigene Wohlfühlzone der Tagträumerei und tritt hinaus in die Welt, nicht ahnend, dass das, was er erlebt, ihn für alle Zeiten verändern wird.

Nur selten ist im Leben etwas perfekt. Perfektion hat eine gewisse Hässlichkeit an sich, denn sie wirkt klinisch rein, steril, unwirklich. Dementsprechend ist es ein Kompliment, Das erstaunliche Leben des Walter Mitty als nicht perfekten Film zu bezeichnen. Es sind die Ausreißer im Erzählfluss, die ihn durchaus sympathisch erscheinen lassen. Was Walter Mittys Tagträume betrifft, ist der Himmel das Limit. Wenn Walter sich aus dieser Welt verabschiedet und in seine eigene eintaucht, dann ist alles möglich, selbst ein alberner Gag auf Der seltsame Fall des Benjamin Button, der eher in einem halbgaren Parodie-Film als in dieser liebevollen Zelebration des menschlichen Geistes aufgehoben wäre.

Natürlich handhabt der Film Klischees. Es ist schließlich die Geschichte eines Mannes, der seinen Job macht, nichts erlebt, aber der sich dann für die Welt öffnet. Und sie öffnet sich für ihn, so dass er am Ende ein anderer ist. Der Abenteurer, von dem er immer geträumt hat. Das ist eine in Hollywood beliebte Konvention, haarscharf am Kitsch vorbei und weit jenseits der Realität. Aber Das erstaunliche Leben des Walter Mitty will die Realität nicht abbilden. Dies ist ein Film, der die Phantasie hochleben lässt, der den kleinen Mann feiert und der festen Überzeugung ist, dass man Träume niemals aufgeben darf. Sie sind die Essenz des Lebens, sie sind es, die uns alle antreiben. Wer keine Träume hat, der ist innerlich schon tot. Aber es muss die richtige Art von Traum sein. Je mehr Walter in die Welt hinausgeht und Dinge erlebt, von denen man sonst nur in den Zeitungen liest, desto weniger verfällt er seinen Tagträumen. Denn sie waren nur der Ersatz für etwas, das seinem Leben fehlte.

Exzellent gespielt (so gut wie nie zuvor: Ben Stiller), atemberaubend gefilmt und musikalisch verspielt untermalt, ist Das erstaunliche Leben des Walter Mitty eine Überraschung. Ein Film, der (fast) wie eine normale Romanze beginnt, effekttechnisch wie ein Blockbuster daherkommt, aber vor allem eines kann: Die pure Freude am Leben spürbar werden zu lassen.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Seit fast 20 Jahren hat man nun versucht, den Klassiker aus dem Jahr 1947, in dem Danny Kaye die Hauptrolle spielte, neu zu verfilmen. Regisseure und Stars sind gekommen und gegangen, mit Ben Stiller wurde es nun aber wirklich ernst. Herausgekommen ist einer der schönsten Filme des Jahres, der sich trotz locker-leichter Unterhaltung mit den ganz großen Themen beschäftigt, nämlich der Frage, was der Sinn des Lebens ist.
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Meinungen
Dr. Friedrich Straßer · 14.01.2014

Meine Frau und ich sind beide 60 Jahre alt, aber sehr interessiert am Kino - und damit meinen wir die Altstadtkinos, nicht Cinemaxx! Ich selbst war schon in meiner Studentenzeit in Regensburg ständig im Ostentor. Wenn ich die vielen Filme Revue passieren lasse, habe ich kaum jemals einen derart sinnfreien Quatsch wie "Das erstaunliche (?) Leben des Walter Mitty" gesehen. Wollte schon nach 5 Minuten das Kino verlassen, nur die Lage unseres Sitzplatzes hielt mich davon ab. Meine Frau sah es genauso. Vielleicht hätte ein prima Regisseur, wie der gute alte Woody Allen, aus so einem Sujet was machen können. Die infantile Art des Ben Stiller jedenfalls war einfach grauenhaft.Kann nicht verstehen, daß sich Stars wie der sehr geschätzte Sean Penn für so was hergegeben haben. Shirley MacLaine brauchte vielleicht nur Geld in ihrem vorgerückten Alter. Fazit: Wegen so einem absoluten Flop gehe ich den Altstadtkinos nicht verloren, möchte aber schon dringend darum bitten, daß man so einen kindischen Blödsinn nicht noch einmal zu "einem der schönsten Filme des Jahres" (WOHIN Nr. 307) hochjazzt. Immerhin lesen wir diese Beurteilungen und möchten nicht gerne dermaßen veräppelt werden.
MfG
Dr. Friedrich Straßer
Mail: friedrich.strasser@gmx.de

P.S. Haben übrigens auch die Petition fürs Ostentor unterzeichnet

Frank · 03.01.2014

Guten Abend,

komme gerade aus der Vorstellung. Ich muss sschoon sagen, dass der Film meiner Ansicht nach oberflächlich ist. Sicherlich ist das Motto, welches des öfteren rezitiert wird, anschaulich dargestellt, jedoch hat der Film weder Fantasien beflügelt noch hat er auf einer tieferen Ebene gespielt. Tut mir leid, aber trotz dessen ich auf solche Filme eigentlich stehe, Daumen runter!!

Kommentare

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