Das Badehaus

Das Badehaus

Zauber des Alten, Macht des Neuen

Mitten in Peking erhebt sich ein altes Badehaus, dass der Meister Liu (Zhu Xu) zusammen mit seinem geistig behinderten Sohn Er Ming (Jinag Wu) betreibt. Der ältere Sohn Da Ming (Pu Cunxin) hat die beiden längst hinter sich gelassen und wohnt in der südchinesischen Boomtown Shenzen, das – an der Grenze zu Hong Kong gelegen, eine der wohlhabendsten Städte des Reichs der Mitte ist und den schrittweisen Einzug des Kapitalismus verkörpert. Als Da Ming nun aufgrund eines Missverständnisses – er glaubt den Vater tot und den Bruder allein und hilflos – nach Peking zurückkehrt, prallen Welten aufeinander. Einerseits die Repräsentanten einer Jahrtausende alten Kultur, des traditionellen China also, auf der anderen die verwestlichte und hektische Seite des Reiches, dass sich zunehmend dem hektischen Rhythmus der Marktwirtschaft anpasst und alles möglichst effizient gestalten will. In Peking erfährt der ältere Sohn, dass dem Badehaus die Schließung droht. Als sich am nächsten Morgen die Stammgäste des Bades zu ihren Ritualen und Späßen versammeln – selten sah man in asiatischen Filmen so viel ausgelassene Fröhlichkeit, scheint das Leben unbeirrt weiter seinen Gang zu gehen. Der kühl berechnende Geschäftsmann Da Ming aber kann mit der warmen und herzlichen Atmosphäre des Badehauses nichts anfangen, der verlorene Sohn ist als Fremder in sein eigenes Zuhause zurück gekehrt und wie ihm, so schildert es der Film, wird es ganz China ergehen, wenn man sich allzu sehr an den westlichen Idealen orientiert und darüber die eigenen Traditionen vergisst.

Das Badehaus / Xizao von Zhang Yang ist zwar ein Film, der bereits einige Jahre auf dem Buckel hat – er datiert aus dem Jahr 1999 – und doch sind die Probleme, die er eindringlich als zentrales Moment seiner Geschichte darstellt, nach wie vor aktuell, wenn man Asienexperten Glauben schenken darf. Bei genauerer Betrachtung erweist sich das Thema auch als ein durchaus universelles, denn im Zuge der Ökonomisierung der Lebenswelt gehen allerorten, nicht nur im stark von der Tradition geprägten China, Institutionen und damit identitätsstiftende Momente sang- und klanglos unter und reißen tiefe Gräben in die Seelen der Menschen. Eine Entwicklung, die zwar kaum aufzuhalten scheint, die aber nichtsdestotrotz kritisch betrachtet werden sollte. Übrigens nicht nur in China, sondern auch hierzulande. Ein bisweilen recht simpel gestrickter Film, der aber dank toller Darsteller und liebevoll arrangierter Interieurs interessante Einblicke in die Verwerfungen bietet, die das Reich der Mitte erschüttern.

Das Badehaus

Mitten in Peking erhebt sich ein altes Badehaus, dass der Meister Liu (Zhu Xu) zusammen mit seinem geistig behinderten Sohn Er Ming (Jinag Wu) betreibt.

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Meinungen
· 08.01.2006

Der film ist uebreraus authentisch, was ihn aus meiner sicht absolut sehenswert fuer alle china interessierten macht

Pu der Baer · 27.12.2005

Ich habe den Film schon vor vielen Jahren in der Schweiz gesehen. Er ist wunderschön: melancholisch, lustig, tolle Bilder. Ich gehe nochmal herein und kann ihn jedem empfehlen, der schön erzählte Geschichten liebt.

Kommentare

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