Convoy

Convoy

Eine Filmkritik von Martin Beck

Gemeinsam sind wir stark

Als Convoy 1978 veröffentlicht wurde, war der Film ein großer Hit. Die Kritiken allerdings zeigten sich eher enttäuscht, was sich seitdem auf wundersame Weise gewandelt hat. Inzwischen gilt Convoy als Inbegriff eines Trucker-Films und Roadmovies – ein Film, der für Freiheit und Unabhängigkeit steht, und den Trucker als raubeinigen Vorzeige-Amerikaner präsentiert.
Was genau diesen Wandel verursacht hat, ist nicht ganz klar, denn auch heutzutage bleibt Convoy ein eher schlichtes Werk, das wesentlich mehr mit Auf dem Highway ist die Hölle los als rebellischem siebziger-Jahre-Kino zu tun hat. Regisseur Sam Peckinpah schien zum Zeitpunkt der Dreharbeiten kaum noch Energie für einen weiteren Querschuss gegen das amerikanische Studiosystem aufzubringen und arrangierte sich lieber mit wehmütigen Western-Reminiszenzen und einer simplen Gut-gegen-Böse-Geschichte.

Der Protagonist des Films ist ein Trucker namens Rubber Duck (Kris Kristofferson), der sich mit einem korrupten Sheriff (Ernest Borgnine) anlegt und dadurch die Solidarität zahlreicher Trucker-Kumpel entfacht. Gemeinsam bilden sie einen riesigen Konvoy, der quer durch Arizona donnert und die Grenze nach New Mexiko erreichen möchte – immer natürlich „begleitet“ von zunehmend cholerischer und zahlreicher werdenden Staatsdienern.

Was man Convoy zugute halten kann ist seine wunderbare Inszenierung, die das Gefühl der Freiheit der Straße eindringlich vermittelt und dazu dann ganz viele Autos schrottet. Sam Peckinpah durchsetzt den Film mit Western-Motiven, die die Pferde in Trucks verwandeln und die Cowboys per Gaspedal galoppieren lassen. Ein archaischer Kampf zwischen zwei deutlichen Gegensätzen entbrennt, wobei die Sympathien des Regisseurs klar bei den ungehobelten, aber irgendwie doch sympathischen PS-Outlaws liegen.

Für die Trucker zählt nur ihre Freiheit. Man pflegt einen direkten bis humorvollen Umgangston, der in der Solidaritätsbekundung des Konvois wahre Freundschaft durchblicken lässt. Ja, genau so ist er nunmal, der wahre Amerikaner, und besonders breit wird seine Brust natürlich dann, wenn er irgendwie gemaßregelt werden soll. Vom Staat, von Polizisten, von Gesetzen – die im Zweifelsfall völlig spießig und immer so dehnbar sind, dass seine Repräsentanten sie für korrupte Zwecke missbrauchen können.

Die Botschaft von Convoy mag vielleicht einen wahren Kern haben, gerade im Kontext eines traditionell liberalen Roadmovies, doch die Art und Weise, wie hier simpelste Konflikte von simpelst gestrickten Charakteren ausgetragen werden, geht trotzdem nach hinten los. Alleine dieses ewige Gesabbel via CB-Funk, das wohl nur diejenigen lustig finden, die zu lange bei offenem Fenster Truck gefahren sind, treibt jedem Bauarbeiter die Schamesröte ins Gesicht, und dieses ewige „zusammen schaffen wir es“-Mantra, konterkariert von Gegnern, die wie Schießbudenfiguren herumlaufen, erlahmt jeden Anflug subversiver Gesellschaftskritik.

Irgendwo in Convoy steckt auch Sam Peckinpah, der 10 Jahre zuvor den Stoff sicherlich völlig anders inszeniert hätte und nun seine kritische Haltung gegenüber Amerika in grobe Massenunterhaltung kleidet, ein paar zugegebenermaßen ohrwurmige Country-Hits darunterlegt und dann viele Trucks in Reihe auf Polizeiautos prallen lässt. Das Herz ist dabei schon am richtigen Fleck, doch von Schärfe fehlt jede Spur. Wenn hier Burt Reynolds statt Kris Kristofferson am Steuer sitzen würde, müsste man kaum die Stirn in Falten legen.

Aber okay, der Film hat viele Anhänger…und die werden mit der Blu-Ray von StudioCanal auf jeden Fall zufrieden sein. Das Master dürfte das Gleiche sein wie das für die exzellente DVD, als Extras gibt es eine Doku, Featurettes und Trailer. Fun Fact am äußersten Rand: Das ist die einzige Blu-Ray des Films weltweit – selbst Amerika hat sich bisher nicht aufraffen können!

Convoy

Als „Convoy“ 1978 veröffentlicht wurde, war der Film ein großer Hit. Die Kritiken allerdings zeigten sich eher enttäuscht, was sich seitdem auf wundersame Weise gewandelt hat. Inzwischen gilt „Convoy“ als Inbegriff eines Trucker-Films und Roadmovies – ein Film, der für Freiheit und Unabhängigkeit steht, und den Trucker als raubeinigen Vorzeige-Amerikaner präsentiert.
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