Come to Daddy (2019)

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Dass es hart werden würde, hatte Norval (Elijah Wood) wohl erwartet, als er seinen Vater nach Jahren der Trennung das erste Mal wiedersieht – doch wie aufwühlend das Treffen tatsächlich ist, kommt dann nicht nur für ihn überraschend. 

Come to Daddy (2019)

Eine Filmkritik von Lucia Wiedergrün

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

„Come to Daddy“ ist das Regiedebüt des Neuseeländers Ant Timpson, der in der Indiefilm-Szene bisher vor allem als Produzent von eigenwilligen Kultfilmen wie „Turbo Kid“ (2015) und „The Greasy Strangler“ (2016) einige Bekanntheit erlangt hat. Dass sich diese jahrelangen Erfahrungen im Filmgeschäft ausgezahlt haben, stellt er nun in „Come to Daddy“ eindrucksvoll unter Beweis. 

Bei ihrem letzten Treffen war Norval (Elijah Wood) noch ein Kind, umso überraschter ist er, nach dreißig Jahren unvermittelt einen Brief seines Vaters (Stephen McHattie) zu erhalten, mit der Bitte ihn in seinem abgelegenen Strandhaus zu besuchen. Etwas fahrig, mit einem Rollkoffer, der kaum für das unwägbare Gelände geeignet ist, macht sich der selbsternannte Musikkünstler aus L.A. also auf den Weg den unbekannten Vater kennenzulernen. Welche Hoffnungen auf späte Versöhnung, Akzeptanz oder sogar Liebe er sich im Vorfeld auch gemacht haben mag, schon die ersten Momente mit dem abweisenden, rauen, ihn misstrauisch beäugend Mann in der Tür des atemberaubenden Strandhauses, der sich als sein Vater vorstellt, machen klar, dass diese Familienzusammenführung nicht reibungslos verlaufen wird. Das sich in erwartbarer Weise daraus entwickelnde, durchaus gewaltbereite Katz-und-Maus-Spiel vor einsamer Kulisse, ausgetragen zwischen Vater und Sohn, wird allerdings schon bald vor allem zu einem Spiel mit den Publikumserwartungen, denen der Film hakenschlagend immer wieder auszuweichen weiß. 

Dass Come to Daddy es schafft so leichtfüßig sowohl die Emotionalität, die Spannung, den Horror, aber vor allem den Witz seiner Geschichte zu erzählen, ohne in einen dieser Modi gänzlich abzutauchen, ist zu großen Teilen dem fantastischen Cast geschuldet. Allen voran Elijah Wood, der Norval, diesen ängstlichen, verwundbaren Hipster, so spielt, dass man immer mit, aber nur selten über ihn lachen kann. Norvals Charakter bleibt allerdings nicht das einzige Highlight in diesem bis in die Nebenrollen toll besetzten Film. 

Auch abseits der Besetzung ist Come to Daddy ein im besten Sinne handwerklich guter Film. Der tolle Soundtrack, aber vor allem das fantastische Kostüm und das in seinen Details liebevoll gestaltete Haus des Vaters schaffen ein wunderbares Setting, in dem die Figuren, seien sie auch noch so seltsam, vom Moment ihres Auftretens klar gezeichnet werden und sich nicht erst in umständlich künstlichen Dialogen dem Publikum bekannt machen müssen. Die vergleichsweise kurze Laufzeit von knapp 90 Minuten ist damit von einem großartigen Timing bestimmt. Augenblicke grotesker Gewalt halten sich dabei die Waage mit guten, durchaus selbstreflexiven Gags, ohne dass der Film dabei zur reinen Genreparodie wird. 

Ant Timpsons Film ist ein emotionaler und zugleich lustiger Horrortrip, dessen liebevolle Schrägheit vor allem eine große Liebe zum Medium Film und dessen vielfältigen, auch abseitigen Ausprägungen zum Ausdruck bringt. Damit ist Come to Daddy ein weiterer Beweis, dass es im Genrekino keineswegs einen Widerspruch darstellt, ein einfühlsames Kammerspiel zu drehen, über den Wunsch eines jungen Mannes, endlich die Anerkennung des verlorenen Vaters zu gewinnen, das zugleich auch ein kleiner, blutbespritzter Indie-Horrorfilm sein kann. 

Come to Daddy (2019)

Hipster-DJ Norval aus L.A. besucht seinen entfremdeten Vater in einer abgeschiedenen Küstenstadt in Oregon. Die beiden haben sich ewig nicht gesehen. Trotzdem ist Papa nicht allzu begeistert, als sein Sprössling nach Erhalt seines letzten Briefes auf der Türschwelle steht. Das erste Gespräch zwischen dem etwas unbeholfenen Großstädter und seinem hartgesottenen Erzeuger mündet schnell in einer Kaskade wüster Beschimpfungen. Doch schon bald werden die Komplexe von Vater und Sohn immer gewalttätiger ausgetragen, mit Konsequenzen, die das Publikum mit offenen Mündern zurücklässt.

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