Coldwater

Coldwater

Die Kunst der Resozialisierung

Es ist hierzulande nur schwerlich vorstellbar, aber in den USA können Eltern ihre jugendlichen Kinder in Bootcamps stecken, wo sie gedrillt werden, bis aus ihnen das wird, das sich ihre Erzeuger erhofft haben. In solchen Camps, in denen durchaus auch sexuelle Orientierungen aberzogen werden sollen, sterben immer wieder Menschen. Weil eine Reglementierung und Kontrolle kaum stattfindet.
Aus Angst davor, dass ihr Sohn Brad endgültig auf die schiefe Bahn geraten könnte, steckt seine Mutter ihn in das Umerziehungslager Coldwater, das von dem ehemaligen Marine Colonel Reichert geleitet wird. Sein Ziel ist es, aus den Delinquenten wieder nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu machen, doch dafür muss er sie erst brechen, um sie dann wieder zusammenzusetzen. Brad begehrt erst auf, lässt sich dann aber auf das Spiel ein, wohlwissend, dass die Spirale der Gewalt außer Kontrolle zu geraten droht.

Coldwater war das erste Drehbuch, das Vincent Grashaw geschrieben hat. Das war 1999 – seitdem hat er immer wieder versucht, den Film zu realisieren, an einem Punkt waren Ron Perlman und Lucas Black für die Hauptrollen vorgesehen. Geworden sind es nun James C. Burns und P.J. Boudousqué, der sein Debüt mit diesem Film gegeben hat, aber eine Darstellung abliefert, wie sie bemerkenswerter nicht sein könnte. Er ist ein Naturtalent, ein Mann mit der schauspielerischen Ausdruckskraft eines Ryan Gosling, dem er auch ein wenig ähnelt, aber schon in jungen Jahren noch begabter. In seinem Gesicht spielt sich – oftmals sehr subtil – das Leid, aber auch die Wut ab, die sich ob der Machenschaften in Coldwater in seiner Figur aufstaut.

Die narrative Struktur des Films ist nicht ungewöhnlich, auch nicht neu, die gleichzeitige Entwicklung der gegenwärtigen Handlung mit Rückblicken, die die Hauptfigur stärker durchleuchten, ist ein gängiger Standard, bildet hier aber den nahrhaften Boden, auf dem ein gewaltiges und mitreißendes Drama entstehen kann. Der Film hält direkt drauf, er zeigt die Misshandlungen, denen die jungen Männer ausgesetzt sind und erzeugt beim Zuschauer gerechten Furor, ohne die Hauptfiguren aber zu romantisieren oder zu verharmlosen. Denn diese jungen Männer sind aus durchaus gutem Grund in Coldwater gelandet. Sie sind Verbrecher, die hier eine Chance erhalten, aber das funktioniert nur, wenn das Anstaltspersonal den Auftrag zur Resozialisierung ernst nimmt und kein Guantanamo auf amerikanischem Boden errichtet.

Der Film brilliert darin, die Frustration der Hauptfigur greifbar zu machen. Sie ergibt sich, weil es kein Voran gibt, weil Brad immer auf der Stelle tritt, weil selbst aufgedeckte Missstände nicht zu einer Besserung führen. Die tagtägliche Routine der Schikanen nagt an ihm, aber auch den anderen. Frust entlädt sich in Gewalt, Demütigungen können nur bis zu einem gewissen Punkt ertragen werden. Was in Coldwater kultiviert wird, ist die Erschaffung einer Atmosphäre der Angst, die nur auf eine Art ihren Ausbruch finden kann.

Grashaw geht nicht den Weg eines Thrillers, er folgt vielmehr dem Regelwerk eines die Nerven strapazierenden Dramas, das mit Bildern aufwartet, die oftmals nicht leicht anzusehen sind. Zum Ende hin, kurz vor der Textpassage, mit der der Film abschließt, bietet er dann jedoch noch ein Thriller-Element, das zur befriedigenden Auflösung der Geschichte führt. Coldwater ist ein zu Recht auf Festivals mehrfach ausgezeichneter Film, der den Finger auf eine Wunde legt, die nicht sein darf. Private Umerziehungslager sind einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig.

Coldwater

In seinem Langfilmdebüt zeigt Vincent Grashaw die unglaubliche Härte in einem amerikanischen Boot Camp. Der junge Brad, den seine Mutter gegen seinen Willen hat dorthin bringen lassen, muss sich in dem ungewohnten Umfeld behaupten, in dem jeder Kontakt zur Außenwelt abgeschnitten ist. Brads Dasein wird von Disziplin und Gewalt beherrscht und er muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen.
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