Cold Sweat

Cold Sweat

Eine Filmkritik von Martin Beck

Beweg dich nicht

Mal wieder die Suche nach neuen Slasher-Ansätzen, diesmal immerhin veranstaltet in Argentinien. Wo Cold Sweat zwei Rentner als Torture-Pornisten anbietet, die ihre jugendlichen Opfer per Facebook anlocken und sie dann mit politisch motiviertem Sprengstoff einstreichen.
Jawohl, einstreichen. Und nochmal jawohl, zwei Rentner. Die kaum ohne Rollator vorwärtskommen, aber trotzdem Das Haus der Vergessenen wieder aufleben lassen – komplett mit gruseligem Folterkeller. In dem sie SAW-mäßige Ratespielchen veranstalten und dabei auf die permanente Gefahr hochexplosiver Substanzen vertrauen. Ganz in der Tradition von Lohn der Angst.

Dass die Suche nach neuen Ansätzen zu einer Mischung alter Ansätze führt, dürfte wohl niemanden sonderlich überraschen. Regisseur Adrián García Bogliano bewies bereits 2004 mit Rooms for Tourists eine drastische Genre-Affinität, die gezielt die Vergangenheit plündert und dann aber auch genügend eigenen Stil für eine Abkopplung gegenüber völlig redundantem Exploitation-Murks besitzt.

Bei Cold Sweat besteht die eigene Leistung zum einen in der doch eher kuriosen Typisierung des Bösen, und zum anderen in der geschickt manipulierenden Inszenierung. Die Kamera geht oft ganz dicht an die Protagonisten heran, zeigt Großaufnahmen von nackter Haut, nassem Haar oder Augen, und entfacht zusammen mit rasend schnellen Schnitten und düsteren Industrialklängen eine ungemein spannende Sogwirkung.

In diesen Szenen gebärdet sich Cold Sweat wie Requiem for a Dream, doch bereits Sekunden später, wenn mal wieder ein blutiges Crescendo erreicht wurde, steigt der Film auf die Bremsen und entschleunigt so weit, dass der Zuschauer genügend Zeit für die Einatmung der düsteren, nachhaltig verstörenden Atmosphäre bekommt. Zum Glück ohne dabei der aufgebauten Spannung zu schaden.

Adrián García Bogliano rettet über weite Strecken eine dichte Stimmung, die nicht nur auf linear größer werdende Blutkübel abzielt, sondern vielmehr ein Wechselbad der Gefühle versucht – schwankend zwischen Panik, Splatter, grimmiger "true crime"-Kälte und schwarzem Humor. Der immer dann in den Vordergrund tritt, wenn man selber einen Schritt zurückweicht und über die Absurdität des Geschehens sinniert.

Denn was Cold Sweat da so generell auftischt, ist schon ganz großer Mumpitz, angefangen bei den beiden Terror-Oldies und aufgehört bei haarsträubenden Logiklöchern. Die den jugendlichen Protagonisten mehrere strunzdumme Entscheidungen aufzwingen. Und den eigentlich nach ca. drei Sekunden entschiedenen Generationenkampf ein ums andere Mal in der kuriosen Balance halten.

Na klar: zwei Senioren und Facebook. Na logo: Dynamit in Marmeladenform. Natürlich: drollige Kindergartenspiele als Damoklesschwert zwischen Leben und Tod. Was Cold Sweat während schlanker 80 Minuten vorsetzt, ist zugleich gut gemachte Spannung und seine eigene Parodie. An der sich so mancher reiben wird, der eine geradlinigere Umsetzung der wöchentlichen "torture porn"-Dosis wünscht.

Cold Sweat
sieht aus wie Standard, aber ist es nicht – bis hin zur Verweigerung typischer Schockmomente. Wer sich gerne von Covern und Trailern leiten lässt, dürfte hier nachhaltig überrascht werden – was mit einer adäquat kranken Geschmacksjustierung sogar nach vorne losgehen kann.

Cold Sweat

Mal wieder die Suche nach neuen Slasher-Ansätzen, diesmal immerhin veranstaltet in Argentinien. Wo "Cold Sweat" zwei Rentner als Torture-Pornisten anbietet, die ihre jugendlichen Opfer per Facebook anlocken und sie dann mit politisch motiviertem Sprengstoff einstreichen.
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