Cold Comes The Night

Cold Comes The Night

Eine Filmkritik von Martin Beck

Orange ist das alte Schwarz

Eigentlich müsste es Chloe (Alice Eve) doch inzwischen besser wissen: Eine Tasche voller Geld bedeutet grundsätzlich Unheil und nie, wirklich nie den Ausstieg aus dem aktuellen Dasein. Besonders wenn es ein karges Dasein ist, im amerikanischen Hinterland, das nicht erst seit Fargo oder A Simple Plan die bevorzugte Lokalität für noirische Tasche-voller-Geld-Filme ist.
Die Welt in Cold Comes The Night ist genauso dunkel, abgeranzt und spaßbefreit wie die in ihr lebenden Protagonisten. Alice Eve präsentierte vor gar nicht allzu langer Zeit noch ihre hübsche Unterwäsche im Weltraum, doch hier spielt sie ein graues Mäuschen mit Tochter und heruntergekommenem Motel. Eine Frau zwischen leerem Kühlschrank, sleazigem Cop-Freund und Jugendamt. Die schon bald auftauchende Tasche voller Geld kommt da wirklich sehr gelegen.

Und damit nimmt das unweigerliche Schicksal seinen klischeehaften Lauf, denn der zur Tasche gehörende Berufsgangster (Bryan Cranston) ist natürlich ebenfalls anwesend. Die Tasche befindet sich im Kofferraum eines konfiszierten Wagens, der Berufsgangster kann kaum noch sehen und Chloe muss ihn demzufolge chauffieren – immer verfolgt von der Angst, dass die angedrohte Ermordung ihrer Tochter tatsächlich passieren wird.

Cold Comes The Night ist eine kleine Produktion, die so oder so ähnlich schon ziemlich häufig zu sehen war. Normalerweise könnte man ja meinen, dass die erste Post-Breaking Bad-Rolle von Bryan Cranston einen Kinostart abbekommen würde, zumal das Poster, mit dieser endcoolen orangen Brille, schon wirklich schick aussieht, doch dafür müsste hier einfach mehr los sein. Triste Bilder, triste Personen und eine triste Spirale nach unten. Und nach zwei Dritteln des Films ist auch noch die orange Brille weg.

Bryan Cranston ist das mit Abstand Interessanteste an dem Film, seine Figur pendelt zwischen Bedrohung und Mitleid, und schafft auch ohne große Gesten eine dominierende Aura, der selbst der eher verunglückte russische Akzent nichts anhaben kann. Dass Cold Comes The Night nach zwei Dritteln spürbar nachlässt, ist vor allem der Verlagerung des Fokus auf Alice Eve und Logan Marshall-Green (der den sleazigen Cop-Freund spielt) zuzuschreiben. Besonders Alice Eve spielt zwar sehr gut und ist auch überzeugend, aber die Präsenz von Bryan Cranston hat sie natürlich nicht.

Was hier am Ende bleibt, ist vor allem Mittelmaß. Der Film ist keinesfalls schlecht, aber wirklich begeistern kann er auch nicht. Dafür bräuchte es schon Bryan Cranston auf voller Länge und eine Geschichte, die zumindest den Versuch unternimmt, der ruralen Tristess ein irgendwie geartetes Schnippchen zu schlagen. Ein guter Anfang wäre zum Beispiel, einfach mal diese Tasche-voller-Geld-Nummer zu verbannen und die Figuren nicht wie ausgebleichte Zombies herumlaufen zu lassen. Nach einigen dieser Filme muss einem doch jeder Lacher in Brandenburg wie ein hoffnungsfroher Sonnenstrahl vorkommen.

Cold Comes The Night

Eigentlich müsste es Chloe (Alice Eve) doch inzwischen besser wissen: Eine Tasche voller Geld bedeutet grundsätzlich Unheil und nie, wirklich nie den Ausstieg aus dem aktuellen Dasein. Besonders wenn es ein karges Dasein ist, im amerikanischen Hinterland, das nicht erst seit "Fargo" oder "A Simple Plan" die bevorzugte Lokalität für noirische Tasche-voller-Geld-Filme ist.
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