Club der roten Bänder (Staffel 2)

Club der roten Bänder (Staffel 2)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Hospital der Hoffnungsvollen

Der Krankenhausalltag von sechs Jugendlichen verhalf dem Fernsehsender VOX 2015 zu einem Überraschungserfolg. Die Serie Club der roten Bänder kam nicht nur beim Publikum gut an, sondern erhielt auch zahlreiche Preise. In Staffel zwei muss die Clique noch enger zusammenstehen.

Leo (Tim Oliver Schultz), Jonas (Damian Hardung), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels), Toni (Ivo Kortlang) und Hugo (Julius Schuck) sind Kummer gewohnt, verbringen sie ihren Alltag doch in einem Krankenhaus, weit ab von Familie und Freunden. Die gemeinsame Erfahrung schweißt zusammen und führte in der ersten Staffel nicht nur zur Gründung des Clubs, der der Serie ihren Namen gibt, sondern auch zu einem kleinen Wunder. Am Ende schaffte es die Gruppe, Hugo aus dem Koma aufzuwecken, musste aber auch einen schweren Verlust hinnehmen. Alex starb an seinem schwachen Herzen.

Staffel zwei stellt die sechs Freunde nun vor eine Zerreißprobe und die Drehbuchschreiber vor einige Herausforderungen. Denn jeder Krankenhausaufenthalt endet irgendwann einmal. Emma hat ihre Magersucht überwunden, Tonis Knochenbrüche sind verheilt, und auch Jonas kann nach der Amputation seines Unterschenkels mit einer Prothese zurück in die Schule. Die Wege trennen sich, der Kontakt nimmt ab. Die Beziehung zwischen Leo und Jonas, die beide für Emma schwärmen, verkompliziert sich. Dass der Club nicht vollends auseinanderbricht, ist Alex zu verdanken. Der übernimmt das fantastische Element der ersten Staffel von Hugo und appelliert als Geist munter aus dem Jenseits an die Moral der anderen.

Der Club der roten Bänder ist zwar eine Eigen-, aber keine eigenständige Produktion. Als Vorlage diente die katalanische Fernsehserie Polseres vermelles, die auf den Erfahrungen ihres Schöpfers Albert Espinosa mit seiner langjährigen Krebserkrankung beruht, die Espinosa wiederum bereits in seinem Bucherfolg Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt verarbeitet hatte. Das Erfolgsrezept des Originals und seiner deutschen Adaption ist simpel: Beide nehmen ihre jugendlichen Protagonisten, deren Sorgen und Nöte ernst. Dabei hellen sie den tristen Alltag zwischen Doppelzimmer und Operationssaal zwar mit Witz, Action und einem fantastischen Überbau auf, konfrontieren das Publikum aber auch mit dessen Schattenseiten. Bereits überwunden geglaubte Krankheiten kehren zurück, nicht für jede Figur gibt es ein Happy End.

In der zweiten Staffel gehen die Drehbuchautoren Arne Nölting und Jan Martin Scharf gar noch einen Schritt weiter, bringen den allgemeinen Pflegenotstand, einen zwielichtigen Naturheiler (Dirk Martens), erste sexuelle Erfahrungen, eine Schwangerschaft und die Organisation einer Trauerfeier ins Spiel. Und wo die Serie bislang nur die kurzfristigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie zeigte, müssen sich Leo und die neu eingeführte, an Brustkrebs erkrankte Patientin Kim (Nele Schepe) nun über mögliche Langzeitfolgen Gedanken machen.

All diese schwerverdaulichen Themen verdecken die Schwächen der Erzählung aber nicht vollständig. Recht häufig bleibt die zweite Staffel reine Variation der ersten, von der sie Versatzstücke erfolgreich kopiert. Dass die Krankheiten der Jugendlichen zurückkehren, hat auch ganz praktische Gründe. Schließlich führt diese Entwicklung die Clique wieder an einem einzigen Handlungsort zusammen. Letztlich überwiegen jedoch die starken Momente und ein Ende, das Figuren wie Publikum Mut für die dritte Staffel macht. Das mag manchem Kritiker zwar weiterhin alles etwas zu schöngefärbt und eskapistisch erscheinen, was die Vermittlung von Krankheit, Tod und Trauer an ein junges Publikum betrifft, sucht der Club der roten Bänder in der deutschen Fernsehlandschaft dennoch seinesgleichen.
 

Club der roten Bänder (Staffel 2)

Der Krankenhausalltag von sechs Jugendlichen verhalf dem Fernsehsender VOX 2015 zu einem Überraschungserfolg. Die Serie "Club der roten Bänder" kam nicht nur beim Publikum gut an, sondern erhielt auch zahlreiche Preise. In Staffel zwei muss die Clique noch enger zusammenstehen.

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