Close

Close

Nahsicht / Fernsicht

Bereits der Titel Close, zwischen welchen beiden Polen der gleichnamige Film von Marcus Lenz oszilliert: Zwischen intimer Nähe und extremer Verschlossenheit. Und mit letzterer beginnt der Film auch. Ziel- und ruhelos streunt Jost (Christoph Bach) durch die Straßen Berlins, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, dem nächsten Streit, der nächsten Provokation. Wie ein Besessener pöbelt er herum, entlädt seinen Frust gegen parkende Autos und Passanten, rempelt an, flucht herum und bettelt geradezu darum, von seinen zumeist körperlich weit überlegenen Gegnern ordentlich eins auf die Mütze zu bekommen. Er braucht das, will das so, er hat die Kontrolle verloren und sucht den Schmerz durch andere, um sich selbst zu spüren. Denn wenn er sich schon sicher sein kann, dass ihn niemand liebt, dann will er doch zumindest den Hass spüren, den er schürt. Immerhin, so mag er sich denken, ist auch das ein starkes Gefühl, das die Menschen aneinander kettet. Das Leben – ein einziger Amoklauf, der eines Tages, so scheint es, zielsicher in einer Katastrophe enden wird.

Darauf scheint auch die ehemalige Reiseleiterin Anna (Jule Böwe) zuzusteuern. Sie leidet unter Agoraphobie, der Angst, sich draußen zu bewegen. Längst hat ihre Furcht derart überhand genommen, dass sie ihre kahle Wohnung nicht mehr verlässt und sich ein kompliziertes Geflecht aus Lügen und Ausreden ausgebaut hat, um mit ihrem Zustand leben zu können. Sie hat sich weggesperrt vor der Welt, „closed doors“, doch vielleicht gibt es tief in ihr den Wunsch, dass doch endlich ein Prinz käme und sie aus ihrem Turm befreie. Nur: das würde sie sich niemals eingestehen. Aus Selbsthass sucht sie wie Jost den Schmerz, doch sie fügt ihn sich lieber selbst zu, erleidet Verbrühungen und Verbrennungen, um sich anderer Gefühle zu versichern als der alles lähmenden Angst. Doch nun läuft alles auf eine Entscheidung zu, denn das Geld wird langsam knapp. Und plötzlich steht Jost vor ihr. Eigentlich brauchen oder wollen die beiden ja niemanden, der ihnen close, also nahe kommt. Und vielleicht gerade deswegen beginnt sich zwischen den beiden eine merkwürdige Art der Beziehung zu entspinnen, Duell oder Annäherung zweier einsamer Seelen.

Close ist ein brennend intensives psychologisches Kammerspiel, das von Marcus Lenz stilsicherer Regie und den beiden exzellenten Schauspielern Christoph Bach und Jule Böwe, die bereits bei Katze im Sack zusammenarbeiteten, getragen wird. Ein neugieriger, selten wertender und niemals voyeuristischer Blick in die zerstörten Seelen zweier Großstadtneurotiker, die all ihre Energie darauf richten, sich selbst zerstören und die vielleicht doch nichts anderes wollen als gerettet zu werden.

Beim Filmfestival achtung berlin im April 2005 erhielt Marcus Lenz für Close den „new berlin film award“ in der Kategorie „Bester Spielfilm“.

Close

Bereits der Titel Close läßt es in seiner Doppeldeutigkeit ahnen, zwischen welchen beiden Polen der gleichnamige Film von Marcus Lenz oszilliert: Zwischen intimer Nähe und extremer Verschlossenheit.

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Meinungen
Bernhard · 17.11.2005

Der Film geht unter die Haut. Wenn man den geschilderten Problemen des Filmes ein wenig offen gegenübersteht (außerhalb des Kinos), dann wird man von der Flut an Emotionen überwältigt.

Kommentare

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