Claustrophobia

Claustrophobia

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale 2009: Panorama Special

Eine Liebesgeschichte, die keine ist. Auf die man während des ganzes Films hofft, aber die nie passiert. Mit ihrem Regiedebüt Claustrophobia erzählt die aus Hongkong stammende Drehbuchautorin Ivy Ho eine wunderschöne Büro-Romanze zwischen Pearl (Karena Lam) und Tom (Ekin Cheng). Beide sind Kollegen in einer Marketingabteilung, verbringen bis zu zehn Stunden täglich miteinander, fünf, sechs Tage in der Woche. Aber Tom ist verheiratet, hat zwei Kinder und ein längst vorbestimmtes Leben. Eines, in dem wohl nie ein Platz für Pearl sein wird.
Der Film beginnt im Auto. Nach einem langen Arbeitstag nimmt Tom seine Kollegen aus dem Büro wie fast jeden Tag mit nach Hause. Neben ihm sitzt sein Chef Karl (Felix Lok), im Fond sind Pearl, Jewel (Chucky Woo) und John (Derek Tsang, Sohn von Eric Tsang, der im Film die Rolle des Doktors spielt). Alles eigenwillige Charaktere, die über dies und das nach der Arbeit plaudern. Einer nach dem anderen verlässt das Auto, Pearl steigt als letzte aus. Als Tom ihr ans Herz legt, sie möge den Job wechseln, steigt sie verletzt aus dem Auto. Was ist passiert? In welcher Beziehung stehen die beiden zueinander? Das erzählt der Film in acht Szenen, rückwärts aufgerollt.

Fast alle Szenen spielen in Innenräumen, in Toms Auto, im engen Büro, im Fahrstuhl, im Restaurant – ein fortwährendes klaustrophobisches Szenario. Ihr Mann leide an Klaustrophobie, erzählte die Regisseurin nach der Vorstellung. Als chinesischen Titel habe sie allerdings „Intimacy“ gewählt, denn beide Begriffe liegen nah beieinander. Und genau das passiert zwischen Pearl und Tom, sie sind eng beieinander, sie gelangen in intime Situationen, aber am Ende bleibt eben doch noch das Quantum Abstand übrig.

Bereits mit 19 Jahren hat Ivy Ho angefangen, Drehbücher für Fernsehen und Kinofilme zu schreiben. Der Durchbruch gelang ihr mit dem Drehbuch für Peter Chans Comrades, Almost a Love Story (1996). Seitdem hat sie für bekannte Regisseure wie Ann Hui und Benny Chan geschrieben. Dass sie von ihrem Handwerk etwas versteht, beweißt sie aufs Neue mit ihrem eigenen Film. Und ein gutes Drehbuch ist immer die halbe Miete für einen guten Streifen. Die zweite Hälfte steuern hier die Schauspieler und die Inszenierung bei. Hongkong-Filmfans werden ihre wahre Freude an Claustrophobia haben.

Claustrophobia

Eine Liebesgeschichte, die keine ist. Auf die man während des ganzes Films hofft, aber die nie passiert.
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