City by the Sea

City by the Sea

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein Familiendrama im Gewand eines Krimis

Im kommenden Sommer wird er siebzig Jahre alt, hat in annähernd hundert Filmen mitgespielt und mit seiner stets aufs Neue beeindruckenden Darstellungskunst Generationen von Film-Fans begeistert: Der US-amerikanische Schauspieler Robert De Niro gilt als Garant für gute Filme, auch wenn es innerhalb seiner Karriere einige finanzielle Flops zu verzeichnen gibt, und hat die Geschichte Hollywoods entscheidend mitgeprägt. City by the Sea von Michael Caton-Jones aus dem Jahre 2002, in dem der New Yorker Akteur als Cop in seiner Heimatstadt auftritt, zeigt Robert De Niro in einer jener großartigen Rollen, deren selbstverständliche Sensibilität seinen typischen Charme besonders zur Geltung bringt. Der Film beruht auf der authentischen Geschichte des Polizisten Vincent LaMarca, der dazu ein Interview gegeben hat, das unter den Extras der DVD enthalten ist.
Nachdem der Vorspann des Films ein paar idyllische Aufnahmen von Long Beach, unweit Manhattans, begleitet von romantischer Musik präsentiert, schwenkt die Kamera vom Meer auf eine deutlich räudigere Region, innerhalb welcher der drogensüchtige Joey (James Franco) unterwegs ist, um seine Gitarre für die nächste Ladung Crack zu verhökern, von pessimistischen Bluesklängen begleitet – ein starker Beginn, der die eingefahrene und hoffnungslose Situation dieses Charakters einführt, der später bei strömendem Regen in Notwehr einen Dealer töten wird.

Als am Morgen dessen Leiche am Ufer des Hudson Rivers gefunden wird, befasst sich Vincent LaMarca (Robert De Niro) von der New Yorker Polizei mit den Ermittlungen, der aus Long Beach stammt und durch diesen Fall auf tragische Weise mit seiner verdrängten Vergangenheit konfrontiert wird. Denn der flüchtige Joey, der nunmehr von dem rachsüchtigen Drogenboss Spyder (William Forsythe) gejagt wird, entpuppt sich rasch als Vincents Sohn aus seiner längst geschiedenen Ehe mit Maggie (Patti LuPone), zu dem er seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hat ...

Im Gewand eines recht konventionellen Krimis stellt City by the Sea ein tragisches Drama um Väter, Söhne und schließlich Enkelsöhne dar, das gleichermaßen sorgfältig und unspektakulär inszeniert in seinen bedeutsamen Aspekten auf leise, unsentimentale und aufrichtig anmutende Töne setzt, ohne die Brisanz der wahren Begebenheiten sensationswirksam auszuschlachten. Hier geht es um Gewalt, Schuld und eine unverarbeitete Familiengeschichte, deren letztlich versöhnlicher Ausgang keine bitteren Ambivalenzen scheut.

Die feinfühlige Gestaltung der Beziehungsebenen mit den starken Frauenfiguren (Francis McDormand als Vincents Freundin Michelle und Eliza Dushku als Joeys Freundin Gina), die atmosphärisch filigran inszenierte Melancholie des Stoffes sowie der Verzicht auf unangemessenes Pathos sind die herausragenden Qualitäten, die diesen vielfach unterschätzten Film sehenswert machen, der nicht von wendigen Helden erzählt, sondern von Menschen, die es in ihrer überaus desolaten Situation schließlich wagen, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

City by the Sea

Im kommenden Sommer wird er siebzig Jahre alt, hat in annähernd hundert Filmen mitgespielt und mit seiner stets aufs Neue beeindruckenden Darstellungskunst Generationen von Film-Fans begeistert: Der US-amerikanische Schauspieler Robert De Niro gilt als Garant für gute Filme, auch wenn es innerhalb seiner Karriere einige finanzielle Flops zu verzeichnen gibt, und hat die Geschichte Hollywoods entscheidend mitgeprägt.
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